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Energie China Ein kleiner Durchbruch

Überraschend bekennt sich die chinesische Regierung in Peking zu erneuerbarer Energie. Die Wende ist damit aber noch lange nicht geschafft.

Bis zur Abkehr von Kohle, Öl und Gas ist es noch ein langer Weg. Foto: dpa

Die Chinesen machen mit. Das war die Überraschung in Abu Dhabi, wo diese Woche die weltgrößte Konferenz zur Klima- und Energiewende tagte. Peking gab bekannt, Mitglied bei der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena) zu werden, die dort ihre Jahresversammlung abhielt.

Damit sind bald 161 Länder Mitglied bei der Organisation, die die Ökoenergien weltweit vorantreiben will und ihren Sitz in dem Emirat am Persischen Golf hat. Von den großen Staaten fehlen nur noch Russland und Brasilien. „Der Durchbruch ist geschafft“, jubelte Grünen-Experte Hans-Josef Fell.

Probleme unterschätzt

Aber auch ein Durchbruch für die grünen Energien? So weit ist es noch lange nicht. Chinas Schritt zeigt jedoch, dass das Fernost-Schlüsselland die Chancen eines globalen Ausbaus der erneuerbaren Energien sieht und sich große Marktchancen ausrechnet.

Immerhin haben bereits 120 Staaten nationale Ziele für den Ausbau von Wind- und Solarenergie aufgestellt. Und im Jahr 2011 wurden erstmals mehr Öko-Kraftwerke mit 39 Prozent der neu installierten Leistung gebaut als Kohlekraftwerke, die auf 34 Prozent kamen – so eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Greenpeace-Auftrag.

Trotzdem ist die Wende weg von Kohle, Öl und Gas noch lange nicht geschafft. Ein Vergleich macht das klar: Bis 2020 sind weltweit neue Kohle- und Gaskraftwerke mit einer Leistung von 650.000 Megawatt (MW) geplant, „grüne“ Anlagen dagegen erst mit 475.000 MW.

Die Möglichkeiten, die noch reichlich vorhandene Kohle billig zu fördern, und der Erdgas-Boom besonders in den USA durch die umstrittene Fracking-Technik bremsen den Umstieg. Eine Irena-Tagung kann das nicht ändern, auch wenn sich dort noch so gutwillige Vertreter ihrer Länder treffen.

Die globale Agentur, die 2009 gegründet wurde, soll zwar eine treibende Kraft des Energie-Umbaus werden, bisher dient sie aber eher dem Informationsaustausch. Insofern hat die Idee von Umweltminister Peter Altmaier parallel einen politischen Club der Energiewende-Länder zu gründen, durchaus seinen Charme.

Mund zu voll genommen

Der CDU-Politiker kündigte zuletzt auf der Weltklimakonferenz in Doha an, ein solches Bündnis während der Irena-Versammlung aus der Taufe heben zu wollen – quasi als Impuls für die immer zäher werdenden Gipfel. Doch da hatte er den Mund zu voll genommen.

In Abu Dhabi konnte er nach einem Treffen mit sieben „Wende-Ländern“ – darunter China, Südafrika, Frankreich, Großbritannien und Tonga als Vertreter der kleinen Inselstaaten – noch keinen Vollzug melden.

Altmaier hatte die Probleme unterschätzt. Ein konkretes Gründungsdatum konnte er nicht liefern. Er sagte nur, er sei „optimistischer denn je“, dass die Kooperation gelingen werde. Und verströmte Zuversicht, China werde nicht nur bei der Irena, sondern auch in seinem „Club“ mitmachen. Euphorisch klingt anders.

Vielleicht ist das auch besser so. Greenpeace hatte zu Recht davor gewarnt, der Club könnte für Symbolpolitik missbraucht werden. Die Welt brauche kein „weiteres Wohlfühl-Programm mit ein paar Dollar für ein paar Solaranlagen und eine jährliche Konferenz“.

Ein Wende-Bündnis sei nur sinnvoll, wenn auch der Druck erhöht werde, die Subventionen für den Ausbau von Kohle- und Atomkraftwerken auf null zu fahren. Denn weltweit werden jährlich mehr als 500 Milliarden Dollar in die konventionellen Energien gepumpt. Ohne diese Kostenverzerrung könnten die Öko-Energien sich in vielen Weltregionen allein mit Vorrangregelungen bei der Nutzung durchsetzen.

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