Lade Inhalte...

CO2-Ausstoß Klimasünder Deutschland

Die Bundesrepublik steigert den CO2-Ausstoß im ersten Halbjahr 2017. Im Verkehrssektor ist die Entwicklung besonders negativ.

08.08.2017 07:57
NRW
Klimaproblem Kohlestrom: Dampf entweicht aus den Kühltürmen eines Kraftwerks in NRW. Foto: rtr

Das deutsche Klimaziel für 2020 lautet: Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes um 40 Prozent, gemessen am Basisjahr 1990. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat kürzlich noch einmal in ihrem Sommerinterview in der ARD bestätigt, dass es nicht aufgeweicht werden soll. Sie räumte allerdings ein: „Da haben wir alle Hände voll zu tun, das zu erreichen.“ Das kann man nur unterstreichen.

Angela Merkel (CDU) will nichts aufweichen

Denn wie dramatisch die Lage tatsächlich ist, zeigt sich in der aktuellen CO2-Bilanz für das erste Halbjahr 2017, die die Thinktanks „Agora Energiewende“ und „Agora Verkehrswende“ am Montag vorgelegt haben. Statt zu sinken, stiegen die Emissionen weiter an. Um das Klimaziel noch zu schaffen, müsse die nächste Bundesregierung deswegen ein „Sofortprogramm Klimaschutz 2020“ auflegen, fordern die Experten.

Ende des Jahrzehnts darf der gesamte deutsche Treibhausgas-Ausstoß gemäß dem 40-Prozent-Ziel nur noch 750 Millionen Tonnen betragen. Im Jahr 2016 waren es aber noch 906 Millionen Tonnen; die Emissionsminderung seit 1990 betrug damit erst rund 27,6 Prozent. Der Löwenanteil der Einsparung war bereits in den 1990er Jahren erreicht worden. Seither stagnieren die Emissionen mehr oder minder.

Im ersten Halbjahr 2017 nun stiegen die energiebedingten Emissionen in Deutschland im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum an - um knapp fünf auf 428 Millionen Tonnen. Das entspricht 1,2 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht: Auch für das Gesamtjahr 2017 erwarten die zwei Denkfabriken, die sich auf die Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen zur Entwicklung des Energieverbrauchs stützen, einen CO2-Anstieg.

Vor allem der Verkehrssektor verhagelt die Bilanz. Mit einem Plus von 4,6 Millionen Tonnen CO2 im ersten Halbjahr 2017 trug er am stärksten zum Emissionsanstieg bei. Ursache dafür war ein Absatzplus beim Diesel von 6,5 Prozent, bei Benzin von 2,5 Prozent und beim Kerosin von fast acht Prozent. Auch wurden mehr Erdgas und Braunkohle verfeuert, während der Verbrauch von Steinkohle und Heizöl zurückging.

Die Verbrauchsänderungen bei Kohle und Erdgas sind laut Agora vor allem auf die Entwicklungen am Strommarkt zurückzuführen. So legten die Öko-Energien und die Nutzung von Erdgas deutlich zu. Beides ging zu Lasten der Steinkohle. Das Plus bei der Braunkohle liegt in der verbesserten Kraftwerksverfügbarkeit begründet.

Öko-Energien und Erdgasnutzung

Der Direktor von Agora Energiewende, Patrick Graichen, mahnte: „Die Lücke zum Klimaschutzziel von minus 40 Prozent wird nicht kleiner, sondern bleibt bei rund 150 Millionen Tonnen.“ Um das Ziel in den nächsten drei Jahren noch zu erreichen, müsse „unmittelbar nach der Bundestagswahl“ ein Sofortprogramm aufgelegt werden, „das für Strom, Wärme und Verkehr schnell wirkende Maßnahmen enthält“.

Klimapolitik müsse auch im Verkehr entschlossen betrieben werden, ergänzte Christian Hochfeld, Direktor der Agora Verkehrswende. „Wird eine umfassende Verkehrswende kein Schwerpunkt in der nächsten Legislaturperiode, lassen sich Deutschlands ambitionierte Klimaziele nicht erreichen.“ Tatsächlich lag der CO2-Ausstoß des Verkehrs 2016 sogar zwei Millionen Tonnen über dem 1990er Wert, während vor allem die Sektoren Energiewirtschaft, Industrie und Gebäude zur Einsparung beitrugen.

Um die überfällige Veränderung im Verkehr in Gang zu bringen, haben die Grünen jüngst eine „Zukunftskommission saubere Mobilität“ ins Gespräch gebracht und als Leiter dafür Ex-Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) ins Gespräch gebracht. Vorbild dafür ist die Atomausstiegs-Kommission nach Fukushima, deren Co-Chef der CDU-Politiker war. Töpfer hat sich bereit erklärt, einen solchen Job zu übernehmen, wenn man ihn fragen würde.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum