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Castor-Transport Deutscher Atommüll bleibt länger in Frankreich

Der eigentlich für 2015 fest geplante Castor-Transport von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Deutschland wird auf 2016 oder später verschoben.

Riot police guard a train carrying Castor nuclear waste containers in Dahlenburg
Die Bundesregierung verschiebt den Castor-Transport, der deutsche Atommüll bleibt länger in Frankreich. Foto: rtr/Symbolbild

Der Zeitplan für die Rücknahme des deutschen Atommülls aus Frankreich ist gefährdet. Der eigentlich für 2015 fest geplante Castor-Transport von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Deutschland wird auf 2016 oder später verschoben. Das Bundesumweltministerium teilte der Frankfurter Rundschau auf Anfrage mit, in Gesprächen mit der Regierung in Paris habe man „Übereinstimmung erzielt, dass eine Rückführung nicht vor 2016 erfolgen kann“. Berlin zieht damit die nukleare Notbremse.

Bei dem Transport geht es um fünf Castor-Behälter mit radioaktivem Abfall, der bis 2005 bei der Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennelementen aus hiesigen Kraftwerken entstand. Er muss gemäß einem zwischen der Bundesrepublik und Frankreich geschlossenen, völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zurückgenommen werden. Bisher war darin 2015 als letzter Rückhol-Termin fixiert.

Grund für die Verzögerung ist nach FR-Informationen, dass das Ministerium von Ministerin Barbara Hendricks (SPD) den baden-württembergischen Stromkonzern EnBW bisher nicht dazu bewegen konnte, der Einlagerung der Castoren in das Zwischenlager an seinem Atomkraftwerk Philippsburg zuzustimmen und dafür einen Antrag beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zu stellen.

Frage der Kosten

Das grün-rot regierte Baden-Württemberg hatte im Juni zugestimmt, die erste Tranche der insgesamt 26 Castor-Rücksendungen aufzunehmen, die aus den Atomfabriken in La Hague und im britischen Sellafield kommen. Den konkreten Antrag muss aber der Energieversorger stellen, dem das Zwischenlager gehört.

Eine Sprecherin des Bundesministeriums sagte, es fänden „regelmäßig fachliche und politische Gespräche mit den Ländern und den Betreibern zur Lösung des Problems statt“. Auch EnBW bestätigte die Gespräche, hielt sich sonst aber bedeckt, ob und wann es einen Antrag stellen will. Der Konzern verlangt dem Vernehmen nach Antworten auf offene Fragen. Dabei geht es neben dem Genehmigungsrecht und der Technik vor allem auch um die zusätzlichen Millionen-Kosten, die durch die Übernahme der französischen Atombehälter entstehen, die ursprünglich einmal in das Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben gebracht werden sollten.

Beim Atomkonsens 2013 hatten sich der Bund und die Länder auf Wunsch Niedersachsens dann darauf geeinigt, dass künftige Castor-Transporte auf andere Standorte verteilt werden sollen. Das war als Signal unter anderem an die Region Gorleben gedacht, dass der beschlossene Neustart einer Endlagersuche ernst gemeint sei.

Bei der Entwicklung eines Gesamtkonzepts für die Castor-Rücknahme hakt es jedoch gewaltig. Bisher hat neben Baden-Württemberg nur Schleswig-Holstein politisch zugesagt, den Atom-Müll im Bundesland zwischenzulagern. Hendricks hatte Anfang des Jahres angekündigt, das Konzept werde bis Ostern vorliegen, doch nicht nur dieser Termin verstrich. Bis heute hat sich kein drittes Bundesland geoutet, auch nicht das schwarz-grüne Hessen, das eine Castor-Aufnahme am AKW Biblis immerhin nicht grundsätzlich ausgeschlossen hatte. Im Hendricks-Ministerium hofft man immer noch, die Kuh vom Eis zu kriegen, obwohl seit dem Atomkonsens bereits mehr als ein Jahr vergangen ist: „Wir setzen weiterhin darauf, dass ein weiteres Bundesland bereit ist, Castoren aufzunehmen“, sagte die Sprecherin.

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