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Atommüll Kein Ausbau von Schacht Konrad

Umweltministerin Barbara Hendricks präsentiert das Entsorgungsprogramm für Atommüll. Die Bundesregierung will mit der neuen Endlagerplanung eine Erweiterung des Lagers Schacht Konrad bei Salzgitter vermeiden.

12.08.2015 19:44
Die ansässige Bevölkerung protestierte vehement gegen eine Erweiterung des Schachts Konrad. (Archivbild) Foto: imago stock&people

Für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Deutschland wird eine deutlich größere Lagerstätte benötigt als bisher angenommen. Gemäß dem Nationalen Entsorgungsprogramm für radioaktive Abfälle soll das Endlager nämlich nicht nur stark strahlenden Atommüll aufnehmen, sondern zusätzlich bis zu 300 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus dem Lager Asse II und der Urananreicherung.

Die Standortsuche für das Endlager, die derzeit von einer 32-köpfigen Kommission vorbereitet wird, solle sich dadurch aber nicht verzögern und bis 2031 abgeschlossen sein, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) während der Vorstellung des Entsorgungsprogramms, das das Bundeskabinett am Mittwoch billigte.

Mit der neuen Endlagerplanung möchte die Bundesregierung eine Erweiterung des Lagers Schacht Konrad bei Salzgitter vermeiden. Der Schacht soll ohnehin ab 2022 als Endlager für bis zu 303 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiven Mülls dienen, diese Kapazität ist bereits fest verplant. Für die zusätzliche Aufnahme der Asse-Altlasten hätte Schacht Konrad eine fast doppelt so hohe Kapazität benötigt. Dahingehende Überlegungen waren auf entschiedenen Widerstand der ansässigen Bevölkerung gestoßen.

Den Bedenken der Bürger wolle die Bundesregierung nun Rechnung tragen. Daher werde nun ein größeres Endlager für hochradioaktiven Müll favorisiert, das auch die Asse-Hinterlassenschaft aufnehmen könne, sagte Hendricks. Die Entscheidung stehe allerdings unter dem Vorbehalt der Endlager-Kommission, die bis Mitte 2016 in ihrem Abschlussbericht Empfehlungen zur Endlagersuche abgeben werde.

Das Nationale Entsorgungsprogramm listet erstmals alle radioaktiven Abfälle auf, die durch den Betrieb der Atomkraftwerke und ihren Abriss, in der Industrie und Medizin sowie in Forschungseinrichtungen angefallen sind und in den kommenden Jahrzehnten noch anfallen werden. Danach ist mit insgesamt rund 600 000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktiver Abfälle zu rechnen – einschließlich des Mülls, der aus dem maroden ehemaligen Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel stammt. Hinzu kommen 10 500 Tonnen stark strahlender Schwermetalle aus dem AKW-Betrieb, die derzeit in Castorbehältern aufbewahrt werden.

Für die Sanierung der Asse wird der Bund laut Hendricks insgesamt fünf Milliarden Euro aufwenden müssen. Die Kosten für Ausbau und Betrieb des Endlagers Schacht Konrad bezifferte die Ministerin auf 7,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen 2,4 Milliarden Euro für das Lager Morsleben in Sachsen-Anhalt.

Was das Endlager für hochradioaktive Abfälle, das frühestens 2050 fertiggestellt sein wird und bis zum Jahr 2090 bestückt werden soll, dereinst kosten wird, ließ Hendricks ebenso offen wie die Frage, ob jene 38 Milliarden Euro ausreichen werden, die die Atomkraftwerksbetreiber laut Gesetz für die Entsorgung zurücklegen mussten. Zumindest sollen diese Mittel in einen Fonds überführt und somit gesichert werden.

Ein entsprechendes Gesetz bereitet derzeit das Bundeswirtschaftsministerium vor. Dass Planung und Umsetzung derart lange Zeiträume in Anspruch nehmen, hängt mit der dauerhaften Gefährdung zusammen, die von den Abfällen ausgeht. Im Standortauswahlgesetz vom Juli 2013 heißt es, ein Endlager müsse „bestmögliche Sicherheit für eine Million Jahre“ gewährleisten. Immerhin sei die Bundesrepublik mit ihrer Entsorgungsplanung weiter als alle anderen Industrienationen, mit Ausnahme Finnlands und der Schweiz, sagte Hendricks.

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