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Atomkraft Auf dem Rückzug

Nuklear-Report: Selbst in China laufen die Erneuerbaren Energien der Atomkraft den Rang ab.

12.09.2017 17:04
Atomkraftwerk
Atomkraftwerk in China. Foto: afp

Sechseinhalb Jahre nach der verheerenden Nuklear-Katastrophe von Fukushima setzt sich der Niedergang der Atomindustrie weltweit fort. Zwar wurden im vergangenen Jahr einige Reaktoren neu in Betrieb genommen, wie aus der neuesten Ausgabe des „World Nuclear Industry Status Report“ (WNISR) hervorgeht. Doch außer China setzt kein anderes Land mehr im großen Maßstab auf den Ausbau der Atomkraft, und selbst in der Volksrepublik laufen Wind- und Solarenergie dieser Technologie längst den Rang ab. Der Siegeszug der Erneuerbaren gehe rund um den Globus weiter, schreibt WNISR-Herausgeber Mycle Schneider in der am Dienstag veröffentlichten Neuauflage des Reports. „Und überall setzen sie sich gegen die Atomkraft durch.“

Der WNISR ist eine weltweit beachtete Publikation, die jedes Jahr minutiös die Entwicklung der Atomindustrie dokumentiert und die großen Trends der Energiewirtschaft beschreibt. 403 Reaktoren produzierten nach der Zählung der Autoren zuletzt Strom. Das waren 35 Meiler weniger als zum Höchststand 2002. Auch die Erzeugungskapazität ist im Laufe der Jahre deutlich gesunken: Sie lag zuletzt bei 351 Gigawatt, im Rekordjahr 2006 waren es noch 368 Gigawatt. Ein Gigawatt sind eine Milliarde Watt.

Zehn neue Reaktoren gingen im vergangenen Jahr weltweit ans Netz, fünf davon in China. Zwei Anlagen wurden dauerhaft abgeschaltet. Weltweit befinden sich 53 Anlagen im Bau, 20 davon in der Volksrepublik.

Gemessen an dem, was derzeit im Ökostrom-Sektor passiert, sind das aber eher Rückzugsgefechte: Investoren stecken ihr Geld inzwischen bevorzugt in neue Ökostrom-Projekte und nicht mehr in die konventionellen Energien. Neue Erzeugungskapazitäten entstehen vor allem in Form neuer Windparks und Solarfarmen, aber nicht mehr in Form neuer Atomkraftwerke.

Auch China macht hier keine Ausnahme. Die Volksrepublik ist inzwischen der weltweit größte Markt für Ökostrom-Anlagen. Das Tempo des Ausbaus ist atemberaubend: China verdoppelte laut WNISR im vergangenen Jahr seine Solar-Kapazitäten auf 78 Gigawatt. Die Wind-Kapazitäten stiegen um 20 Gigawatt auf knapp 150 Gigawatt. „Das ist mehr als in ganz Europa zusammen“, heißt es im Report. Die fünf neu in Betrieb genommenen Atomkraftwerke können hingegen gerade einmal 4,6 Gigawatt Strom produzieren. Die gesamte Nuklear-Kapazität liegt in China bei 32 Gigawatt – also einem Bruchteil dessen, was Wind und Sonne bereits jetzt leisten.

Dieser Trend manifestiert sich auch in anderen Regionen der Welt. Dabei ist der große Treiber für den Siegeszug der Erneuerbaren zunehmend nicht mehr allein der Umwelt- oder Klimaschutz, sondern der Preis: Immer mehr Ökostrom-Projekte rund um den Globus lassen sich inzwischen preiswerter errichten und betreiben als konventionelle Kraftwerke.

Laut WNISR bekamen bei Auktionen in den USA, Mexiko und anderen Ländern zuletzt Projekte den Zuschlag, bei denen die Produktionskosten pro Megawattstunde Strom 30 US-Dollar oder weniger betragen. Zum Vergleich: Abgeschriebene Atomkraftwerken in den USA produzieren die gleiche Menge Strom zuletzt für mehr als 35 Dollar.

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