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Arbeitgeber-Präsident Hundt Rütteln am Atomausstieg

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes BDA, Dieter Hundt, stellt den Zeitplan für den Atomausstieg in Frage. Das ist kontraproduktiv und verschafft den Öko-Hardlinern Auftrieb. Die Polarisierung schadet der Energiewende enorm.

01.01.2013 18:02
Das Kernkraftwerk Philippsburg. Foto: dpa/Archiv

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes BDA, Dieter Hundt, stellt den Zeitplan für den Atomausstieg in Frage. Das ist kontraproduktiv und verschafft den Öko-Hardlinern Auftrieb. Die Polarisierung schadet der Energiewende enorm.

Für die Energiewende war 2012  ein mieses Jahr. Statt produktiver Auseinandersetzung mit den technischen Schwierigkeiten gab es vor allem Streit entlang der alten Linien: Hier die Verfechter der reinen Lehre, die in den erneuerbaren Energien immer noch einen zarten Frühlingstrieb sehen, für dessen Wachstum kein (Strom-)Preis zu hoch ist. Dort die alten Betonköpfe, die nicht einsehen wollen, dass die Zeit der Kernkraft abgelaufen ist.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes BDA, Dieter Hundt, fällt in die zweite Kategorie. Er beginnt das neue Jahr mit einer gleichsam falschen wie unklugen Attacke auf die Energiewende. Hundt stellt den Zeitplan für den Atomausstieg in Frage. Die vorhandenen Anlagen könnten erst abgeschaltet werden, wenn in ausreichendem Umfang andere Energie bezahlbar zur Verfügung stehe.

Das ist falsch, weil die Energieversorgung auch gesichert werden kann, wenn die verbleibenden neun Atommeiler wie geplant nach und nach vom Netz gehen, bis in Deutschland 2022 kein Atomstrom mehr produziert wird.  Im Süden droht zwar während des Ausstiegs tatsächlich ein Engpass. Die beiden bayerischen Meiler Grafenrheinfeld und Gundremmingen B müssen Ende 2015 beziehungsweise 2017 abgeschaltet werden.

Hundt stärkt Öko-Hardliner

Doch die Bundesregierung bemüht sich bereits darum, dass bis dahin keine alten fossilen Kraftwerke mehr stillgelegt werden dürfen. An einer Förderung für einige dringend nötige Gas- und Kohlekraftwerke   wird gearbeitet. Wenn schließlich noch wie geplant neue Stromleitungen in Betrieb gehen, um die Atomlücke durch neue norddeutsche Anlagen zu füllen, ist die Situation beherrschbar.

Ebenso falsch ist Hundts Verweis auf  die Strompreise. Einige Kernkraftwerke etwas länger laufen zu lassen, würde die Preise nur minimal beeinflussen. Nur ein Stopp der Energiewende würde die Kosten effektiv begrenzen – doch das zu fordern traut sich zum Glück selbst der Arbeitgeberpräsident nicht.

Der Schaden ist auch so groß genug. Schon das Aufkündigen des historischen rot-grünen Atomkompromisses durch Merkels Regierung im Jahr 2010 war ein schwerer Fehler, der immer noch nachwirkt. Jetzt wieder die Rolle rückwärts zu fordern, belebt alte Konflikte und erschwert das Management der Energiewende.

Polarisierung blockiert Energiewende

Denn Hundts Forderung gibt den Öko-Hardlinern Auftrieb. Genau auf solche Aussagen beziehen sich Umweltverbände, Teile der Grünen und die Ökostromlobby, wenn sie auf technisch und wirtschaftlich unsinnigen Maximalforderungen beharren. Sie sagen: „Seht her, da gibt es welche, die wollen das Rad zurückdrehen. Genau deswegen müssen wir ohne Rücksicht auf Verluste grüne Fakten schaffen.“

Polarisierung ist aber genau das, was die Energiewende blockiert. Sie verhindert, dass sie ausgewogen umgesetzt wird und dass neben dem Umweltschutz die Versorgungssicherheit und die Preise im Blick bleiben.  Der exzessive Ausbau der Solarenergie zum Beispiel war ein teurer Irrtum. Genau solche Fehler werden sich aber wiederholen, wenn Hardliner wie Hundt nicht akzeptieren, dass der Atomausstieg irreversibel ist. Ist es von einem Wirtschaftsvertreter  zu viel verlangt, endlich zu kapieren, dass nüchternes Management und sachliche Analyse gefragt sind statt das Aufreißen alter Gräben?

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Atomausstieg

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