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AKW Nur die halbe Wahrheit

Im Juni 2015 geht erneut ein AKW vom Netz. Der Großteil des Stroms kommt demnächst aus Kohle- und Erdgaskraftwerken. Bayern leistet sich also eine Energiewende rückwärts. Bedeutet das den Ausstieg aus dem Atomausstieg? Ein Kommentar.

29.05.2015 09:08
Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld wird nach 33 Jahren im Juni 2015 endgültig vom Netz gehen. Foto: dpa

Da waren’s nur noch acht. Wieder geht ein AKW vom Netz, in der zweiten Juni-Hälfte ist es soweit. Der Meiler Grafenrheinfeld in Bayern wird abgeschaltet, nachdem 2011 mit Angela Merkels furioser Fukushima-Wende auf einen Schlag fast die Hälfte der deutschen AKW-Kapazitäten wegfiel. Und wieder geschieht ein Wunder: Keine Blackout-Gefahr, obwohl nun satte 1200 Megawatt fehlen. Sogar 2022, wenn die allerletzten Meiler abgeschaltet werden, sei die Versorgung nicht gefährdet, so die Analyse der Energiexperten vom Berliner DIW.

Atomausstieg – so what? Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn den Großteil des Stroms, den Grafenrheinfeld bisher produzierte, kommt demnächst aus Kohle- und Erdgaskraftwerken. Das geht für eine Übergangszeit, weil es beim Ausstiegsbeschluss Konsens war, dass das AKW-Risiko nicht mehr toleriert werden kann. Allerdings muss der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze konsequent fortgeführt werden, um die Klimaschutz-Ziele nicht zu gefährden.

Gerade damit hapert es aber. Die Bundesregierung konzipiert eine Energiewende 2.0, die den Umstieg eher bremst als fördert, und Bayern toppt das Ganze noch mit einer regionalen Energiewende rückwärts. Ministerpräsident Seehofer persönlich kämpft gegen Windmühlen und Stromtrassen in seinem Land. Viele glauben, eigentlich gehe es ihm um den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Motto: Wenn am Ende doch der Blackout droht, müssen die AKW halt am Netz bleiben.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Atomausstieg

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