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AKW Fessenheim-Aus steht infrage

Frankreich plant ohnehin nur einen „Atomausstieg light“. Doch nun scheint sogar das Aus für das älteste Atomkraftwerk im Nachbarland auf der Kippe zustehen. Nicht nur die Bürgerinitiativen im Elsass, sondern auch Atomgegner aus Deutschland sind empört.

05.10.2014 14:42
Das Atomkraftwerk in Fessenheim. Foto: Vincent Kessler/rtr

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Frankreich plant ohnehin nur einen „Atomausstieg light“. Doch nun scheint sogar das Aus für das älteste Atomkraftwerk im Nachbarland auf der Kippe zustehen, das im elsässischen Fessenheim am Rhein steht. Nicht nur die Bürgerinitiativen im Elsass, sondern auch Atomgegner aus Deutschland sind empört. Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) pocht darauf, dass die Regierung in Paris an der Fessenheim-Abschaltung festhält.

Zweifel an Frankreichs Kurs hat die Pariser Umweltministerin Ségolène Royal ausgelöst. Sie sagte jetzt in einem Interview, es könnten auch zwei andere Reaktorblöcke als die in Fessenheim abgeschaltet werden. Falls der AKW-Betreiber, der staatliche Stromkonzern EDF, einen „vernünftigeren Vorschlag als eine Schließung von Fessenheim“ unterbreite, dann werde sie ihn prüfen. Ihr Ziel sei es, diejenigen beiden Alt-Reaktoren stillzulegen, bei denen nötige Sicherheits-Nachrüstungen am teuersten wären, erläuterte die Sozialistin.

Folgt man dieser Logik, dann spricht eher nichts für Fessenheim. Hier wurden Royal zufolge bereits rund 500 Millionen Euro investiert.

Das französische Energiewende-Konzept sieht eine Obergrenze für die Atomstrom-Kapazität vor. Sie soll bei 63,2 Gigawatt (GW) liegen. Zum Vergleich: In Deutschland sind derzeit noch 12,7 GW am Netz. Wenn 2016 im nordfranzösischen Flamanville der im Bau befindliche Reaktor EPR ans Netz geht, müsste die EDF im Gegenzug ein anderes Atomkraftwerk abschalten.

Staatspräsident François Hollande hatte in seinem Wahlkampf das Ziel ausgegeben, den Anteil der Atomkraft bis 2025 von derzeit 75 auf 50 Prozent zu reduzieren. Zudem versprach er, Fessenheim bis Ende 2016 abzuschalten. Dieses Versprechen scheint nun zu wackeln.

Baden-Württemberg ist alarmiert

Munition für die Gegner einer Fessenheim-Abschaltung liefert ein parlamentarischer Bericht, der jetzt veröffentlicht wurde. Danach würden die Kosten bei fünf Milliarden Euro liegen, der Aufwand für den Abriss der zwei Reaktoren nicht einmal mitgerechnet. So könne die EDF eine Entschädigung von vier Milliarden Euro fordern, weitere Kosten ergäben sich aus den Folgen für die Beschäftigung in der Region, das Stromnetz und das „Ansehen der Atomindustrie“, meinen die Autoren des Berichts, der konservative Abgeordnete Hervé Mariton und der Sozialist Marc Goua.

Hier freilich widersprach Royal. Sie werde sich nicht von „Erpressung“, „verrückten Berechnungen“ und dem Druck einer Lobby beeinflussen lassen, sagte sie. Die Abgeordneten hatte eine Laufzeit der Altmeiler, die 1977 und 1978 ans Netz gingen, bis 2040 zugrunde gelegt, wodurch die Zahlen für den entgangenen Gewinn explodierten. Bisher haben die Fessenheim-Reaktoren nur Betriebsgenehmigungen bis 2019 beziehungsweise 2021.

Royal verstärkte die Zweifel am Fessenheim-Aus zusätzlich mit ihrer Aussage, sie ziehe „natürlich“ Schließungen an einem Standort vor, „wo es mehr als zwei Reaktoren gibt“. Das verhindere „die komplette Schließung eines Industriestandortes“.

Vertreter der Anti-AKW-Bewegung im Elsass zeigten sich über den neuen Pariser Kurs empört und forderten, am Aus für Fessenheim Ende 2016 festzuhalten. Sie waren für den jetzt veröffentlichten Parlamentsbericht gehört worden, aber: „Nichts von dem, was wir gegen das AKW vorgebracht haben, hat Berücksichtigung gefunden“, klagte André Hatz von der BI „Stop Fessenheim“.

Auch der baden-württembergische Umweltminister Untersteller erklärte: „Das Kernkraftwerk in Fessenheim muss spätestens Ende 2016 vom Netz.“ Er erinnerte daran, dass Royals Sonderbeauftragter für internationale Beziehungen, Jean-Louis Bianco, den Termin noch vor drei Wochen bestätigt habe. „Darauf verlassen wir uns!“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Atomausstieg

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