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Energie Handwerk nimmt Merkel beim Wort

Das deutsche Handwerk ist von den Aussichten auf eine beschleunigte Energiewende elektrisiert und fordert einen Ausbau des CO2-Gebäudesanierungsprogramms.Modernisierte Häuser könnten ihren Energieverbrauch im Schnitt um fast 30 Prozent senken.

17.03.2011 15:14
Thomas Magenheim und Christine Skowronowski
Zimmermänner decken ein Dach im hessischen Pfungstadt. (Archivbild) Foto: dapd

„Die tragischen Ereignisse in Japan“ dürften zu einem Umdenken führen, schätzt Walter Tschischka, Präsident des Elektrohandwerksverbands. Davon werde das Handwerk profitieren, meint er auf der internationalen Branchenmesse in München.

Für seinen Teilbereich des bundesweit 4,8 Millionen Menschen beschäftigenden Wirtschaftszweiges könnten besonders viele Aufträge abfallen. Aber auch die Bauwirtschaft als größter Teil des Handwerks wittert Morgenluft und vertraut auf die Ankündigungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Atomenergie schrittweise durch umweltschonendere Technologien zu ersetzen.

„Wenn wir uns wirklich aus dem Zeitalter der Kernenergie verabschieden wollen, dann müssen wir in unseren Gebäudebestand investieren“, sagt der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Karl-Heinz Schneider. Der sicherste und beste Weg sei, Energie über die Sanierung der noch 25 Millionen alten und kaum wärmegedämmten Wohnungen in Deutschland einzusparen.

Grüne schlagen Alarm

Wenn es der Bundesregierung mit ihrer Abkehr vom Atomstrom ernst sei, müsse sie vor allem das CO2-Sanierungsprogramm dauerhaft wieder auf zwei Milliarden Euro aufstocken. Bislang sind für die Förderung über die Staatsbank KfW in diesem Jahr nur noch 436 Millionen Euro eingeplant. Harte Kritik kommt dazu aktuell von Bündnis 90 die Grünen. Im

Haushalt 2012 werde das Gebäudesanierungsprogramm „quasi abgeschafft“, sagt Daniela Wagner, wohnungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion. Denn darin seien dafür nur noch etwas mehr als 50 Millionen Euro vorgesehen. Mit diesen Mitteln sei die im Energiekonzept der Bundesregierung von 2010 vorgesehene Steigerung des Anteils der jährlich zu sanierenden Objekte aus dem Bestand auf mehr als zwei Prozent „nicht zu realisieren“.

Energetische Gebäudesanierung sei höchst effizient, betont Schneider. Modernisierte Häuser könnten ihren Energieverbrauch im Schnitt um fast 30 Prozent senken. Etwa 40 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie gehen auf das Konto von Gebäuden. Schneider gibt zu bedenken, dass die Förderung des Gebäudebestandes letztlich über die Investitionen zusätzliche Steuereinnahmen generiere und das Programm sich somit eigentlich selbst finanziere. Ein Förder-Euro ziehe neun Euro privates Kapital nach sich.

Wie der Energiebedarf verstärkt aus erneuerbaren Quellen gespeist werden kann, wissen Elektrohandwerker. Einen Markt sieht Tschischka nach dem abgeflauten Photovoltaikboom vor allem für kleine Windkraftanlagen auf den Dächern von öffentlichen Gebäuden, Hotels oder Wohnblöcken.

Seine Branche könne auch eine bundesweite Ladeinfrastruktur für Elektroautos aufbauen. Er hält sogar eine Renaissance der zuletzt verpönten Elektro-Speicherheizungen für wahrscheinlich. Öko-Geräten verheißt er eine große Zukunft, weil sie Ökostrom zum Beispiel aus Windkraft speicherbar und zu beliebigen Zeiten abrufbar machten.

Aufgrund dieser Aussichten ist das Elektrohandwerk zuversichtlich gestimmt. Um gut sieben Prozent auf mehr als 35 Milliarden Euro sind dessen Umsätze im vorigen Jahr geklettert. Viel weniger erwartet Tschischka auch diesmal nicht. Viele Handwerksbetriebe stellen ein, hat die Wirtschaftsauskunftei Creditreform ermittelt. Dieses Jahr dürften die fast eine Million Firmen einige zehntausend Stellen schaffen.

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