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Elon Musk Genie und Irrsinn

Elon Musk überrascht mal wieder alle. Er will Tesla von der Börse nehmen, was er ganz salopp per Twitter bekannt gibt. Börsianer trifft es wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Elon Musk
verfügt über ein gigantisches Ego, über Entertainerqualitäten und eine Hochbegabung. Foto: afp

Allerdings: Details über die angeblich gesicherte Finanzierung nannte Musk nicht. Mit den 420 Dollar pro Aktie wird Tesla mit rund 82 Milliarden Dollar bewertet. Analysten haben hochgerechnet, dass Musk einen hohen zweitstelligen Milliarden-Dollar-Betrag auftreiben muss, um den Anteilseignern ihre Papiere für einen sogenannten Buyout abzukaufen. Das geht im Grunde nur über den Anleihemarkt, wo sich Musk und Mitstreiter Geld von Investoren leihen müssten. Tesla-Anleihen sind bereits ausgegeben worden und mit einem deutlichen Risikoaufschlag zu haben. Es werde deshalb schwer bis außergewöhnlich das Geld zusammen zu bekommen, sagte Joel Levington vom Finanzdienstleister Bloomberg. Und das ist noch vorsichtig formuliert. Der Markt glaube Musk die Story nicht, ist David Kudla vom Investmenthaus Mainstay Capital überzeugt. Er gehört zu den Investoren, die auf fallende Aktien von Tesla wetten.

Kudla betont, es gebe mittlerweile massive Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Wenn die Ankündigung ernstgenommen würde, wäre der Aktienkurs näher als die 380 Dollar an die 420er-Marke gerückt. Es wäre tatsächlich ein denkbar einfacher Deal, jetzt mit Tesla-Aktien schnelle Spekulationsgewinne zu machen. In ähnlichen Fällen sind in der Vergangenheit die Kurse denn auch sehr schnell in die Nähe der Rücknahmeofferte geklettert. Im europäischen Handel verlor die Tesla-Aktie bis zum frühen Nachmittag hingegen sogar noch. Gleichwohl, theoretisch denkbar wäre, dass Musk, der knapp 20 Prozent der Tesla-Aktien hält, sich mit den Saudis und anderen Großaktionären zusammentut.

Was hat Musk zu dem Twitter-Gewitter getrieben?

Aber die Frage bleibt: Was hat Musk zu dem Twitter-Gewitter getrieben? Er wolle einfach keine börsennotierte Firma führen, sagte Gene Munster vom Wagniskapitalgeber Loup Ventures, der Musk bislang den Rücken gestärkt hat. Dabei hat sich der Tesla-Chef lange Zeit mit erkennbarem Vergnügen bei Presse- und Analystenkonferenzen inszeniert. Das waren die Zeiten, da er als Wunderkind gefeiert wurde, das den etablierten Autobauern zeigt, wie das mit der Elektromobilität geht. Das ging auch lange gut. Die ersten Modelle – ein Sportwagen, eine Oberklasselimousine und ein SUV – sind bei Hollywood-Schauspielern genauso beliebt wie bei Investmentbankern. Mit religiöser Inbrunst warb der Tesla-Chef dann immer wieder für das Model 3. Er wollte als erster die Welt mit einem umweltfreundlichen Elektroauto beglücken, das auf dem Massenmarkt erfolgreich ist. Lange kauften ihm die Investoren diese Story ab. Zeitweise war das Unternehmen mehr als der größte US-Autobauer General Motors wert. 

Doch ungefähr seit Jahresanfang wachsen die Zweifel. Immer deutlicher wird, wie schwer es für den Nischenhersteller, der im Manufakturstil arbeitete, ist, eine sogenannte Volumenproduktion aufziehen. Selbst gesteckte Ziele wurden reihenweise verfehlt.

Nachfragen diesbezüglich und über die weitere Zukunft von Tesla hat Musk bei der Analystenkonferenz fürs erste Quartal als „uncool“ abgekanzelt. Kritiker hat er als Dummköpfe bezeichnet.

Wohl fühlt der sich offenbar nur, wenn er von Jüngern umgeben ist. Es hat schon eine Reihe Spekulationen über die psychische Verfassung von Musk gegeben. Mutmaßungen über eine Verhaltensstörung ähnlich wie ADHS wurden als Erklärung für seine Ruhelosigkeit herbei zitiert. Sicher ist: Er verfügt über ein gigantisches Ego, über Entertainerqualitäten und eine Hochbegabung. Der Zwölfjährige, gebürtig in Südafrika,  programmierte ein Computerspiel, das er an eine Computerzeitschrift verkaufte. Mit 24 gründete er mit seinem Bruder Kimbal die erste Firma. Zip2 entwickelte Lösungen für die Internet-Suche nach speziellen Lokalitäten, etwa der nächstgelegenen Pizzeria. Zip2 wurde für rund 300 Millionen Dollar verkauft.

Daraufhin widmete sich Musk Online-Bezahlsystemen. Er machte Paypal groß und verkaufte es an Ebay für 1,5 Milliarden Dollar. Es folgte das Engagement in der Raumfahrt mit SpaceX (2002) und die Gründung von Tesla (2004). Musk will zudem mit dem Hyperloop-Konzept Menschen in einer Röhre mit gut 1200 Stundenkilometer befördern. Er beschäftigt Forscher, die sich mit künstlicher Intelligenz und der Vernetzung von menschlichen Gehirnen mit Maschinen befassen. Und im März gründete Musk dann die Firma Thut, die  in der Unterhaltungsbranche mit Comedy und Satire tätig werden soll. In diese Kategorie gehörte auch ein getwitterter Aprilscherz von Musk, der die Pleite von Tesla verkündete. Für Frank Schwope, Analyst bei der NordLB, ist der Tweet über den Aktien-Rückkauf von ähnlicher Güte. Sein Wahrheitsgehalt sei jedenfalls nur schwer abzuschätzen.

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