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Elon Musk Genie und Irrsinn

Elon Musk überrascht mal wieder alle. Er will Tesla von der Börse nehmen, was er ganz salopp per Twitter bekannt gibt. Börsianer trifft es wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Elon Musk
verfügt über ein gigantisches Ego, über Entertainerqualitäten und eine Hochbegabung. Foto: afp

Er gilt als Ruheloser, Besessener, als Energiebündel. Aber vielleicht ist es Elon Musk jetzt einfach zu viel geworden – bei seinem Lieblingsprojekt Tesla, das von immer neuen Verwerfungen erschüttert wird.  Nun erwägt er, den Elektroautobauer von der Börse zu nehmen, was heftige Eruptionen am Finanzmarkt ausgelöst hat. 

Der 47-Jährige hatte kürzlich glaubhaft versichert, dass er mehrere Tag mit dem gleichen T-Shirt durch die Hallen der Tesla-Fabrik im kalifornischen Fremont gehechtet ist und auch dort übernachtet hat. Um die wöchentliche Produktion des Mittelklasse-Pkw Model 3 auf 5000 Stück hochzuschrauben. Das gelang in der letzten Juniwoche dann schließlich auch. Allerdings musste dafür eine zusätzliche Montagelinie von der rheinland-pfälzischen Tesla-Tochter Grohmann eingeflogen und in einem Zelt auf dem Fabrik-Parkplatz aufgebaut werden.

 

 

5000 Autos pro Woche. Diese Marke hatte Musk Investoren und Analysten versprochen. Er wusste ganz genau, dass es Riesenärger gibt, wenn er sie nicht erreicht. Er konnte sie jüngst bei Vorlage der Zwischenbilanz stolz präsentieren und damit Anleger vorerst beruhigen – die Tesla-Aktie schoss in die Höhe.

Doch am Dienstag (Ortszeit) gab es einen noch viel stärkeren Schub. Plus elf Prozent. Das Papier erreichte knapp 380 Dollar: das Ergebnis  äußerst turbulenter Ereignisse. Zunächst berichtete die Financial Times, dass der Staatsfonds von Saudi-Arabien in großem Stil bei Tesla eingestiegen ist, mit einem Anteil, der zu diesem Zeitpunkt rund zwei Milliarden Dollar wert war. Etwa eine halbe Stunde später griff Musk zum Handy und twitterte, er erwäge Tesla zu privatisieren, also von der Börse zu nehmen. Die Finanzierung sei bereits gesichert. Den Aktionären sollen ihre Papiere für 420 Dollar pro Stück abgekauft werden.

Elon Musk und seine Klarstellung

Börsianer traf es wie ein Blitz aus heiterem Himmel. In mehrfacher Hinsicht: Wenn ein Unternehmen derartiges plant, muss es dies der Börse über eine ordentliche Ad-hoc-Mitteilung melden. Twittern? Das geht in so einem Fall gar nicht. Dem ersten Tweet folgten weitere Kurznachrichten vom Tesla-Gründer und -Chef. Teils mit teils kryptischen Andeutungen. All das könnte Ermittlungen der Börsenaufsicht nach sich ziehen.

Dann aber immerhin eine E-Mail im Firmenblog, mit der Musk klarstellte, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei. Aber eine Abkehr von der Börse könne der bessere Weg für Tesla sein, da dann der enorme Druck weg sei, Entscheidungen zu treffen, die zwar gut für Quartalzahlen, aber schlecht für die langfristige Entwicklung seien.

Allerdings: Details über die angeblich gesicherte Finanzierung nannte Musk nicht. Mit den 420 Dollar pro Aktie wird Tesla mit rund 82 Milliarden Dollar bewertet. Analysten haben hochgerechnet, dass Musk einen hohen zweitstelligen Milliarden-Dollar-Betrag auftreiben muss, um den Anteilseignern ihre Papiere für einen sogenannten Buyout abzukaufen. Das geht im Grunde nur über den Anleihemarkt, wo sich Musk und Mitstreiter Geld von Investoren leihen müssten. Tesla-Anleihen sind bereits ausgegeben worden und mit einem deutlichen Risikoaufschlag zu haben. Es werde deshalb schwer bis außergewöhnlich das Geld zusammen zu bekommen, sagte Joel Levington vom Finanzdienstleister Bloomberg. Und das ist noch vorsichtig formuliert. Der Markt glaube Musk die Story nicht, ist David Kudla vom Investmenthaus Mainstay Capital überzeugt. Er gehört zu den Investoren, die auf fallende Aktien von Tesla wetten.

Kudla betont, es gebe mittlerweile massive Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Wenn die Ankündigung ernstgenommen würde, wäre der Aktienkurs näher als die 380 Dollar an die 420er-Marke gerückt. Es wäre tatsächlich ein denkbar einfacher Deal, jetzt mit Tesla-Aktien schnelle Spekulationsgewinne zu machen. In ähnlichen Fällen sind in der Vergangenheit die Kurse denn auch sehr schnell in die Nähe der Rücknahmeofferte geklettert. Im europäischen Handel verlor die Tesla-Aktie bis zum frühen Nachmittag hingegen sogar noch. Gleichwohl, theoretisch denkbar wäre, dass Musk, der knapp 20 Prozent der Tesla-Aktien hält, sich mit den Saudis und anderen Großaktionären zusammentut.

Was hat Musk zu dem Twitter-Gewitter getrieben?

Aber die Frage bleibt: Was hat Musk zu dem Twitter-Gewitter getrieben? Er wolle einfach keine börsennotierte Firma führen, sagte Gene Munster vom Wagniskapitalgeber Loup Ventures, der Musk bislang den Rücken gestärkt hat. Dabei hat sich der Tesla-Chef lange Zeit mit erkennbarem Vergnügen bei Presse- und Analystenkonferenzen inszeniert. Das waren die Zeiten, da er als Wunderkind gefeiert wurde, das den etablierten Autobauern zeigt, wie das mit der Elektromobilität geht. Das ging auch lange gut. Die ersten Modelle – ein Sportwagen, eine Oberklasselimousine und ein SUV – sind bei Hollywood-Schauspielern genauso beliebt wie bei Investmentbankern. Mit religiöser Inbrunst warb der Tesla-Chef dann immer wieder für das Model 3. Er wollte als erster die Welt mit einem umweltfreundlichen Elektroauto beglücken, das auf dem Massenmarkt erfolgreich ist. Lange kauften ihm die Investoren diese Story ab. Zeitweise war das Unternehmen mehr als der größte US-Autobauer General Motors wert. 

Doch ungefähr seit Jahresanfang wachsen die Zweifel. Immer deutlicher wird, wie schwer es für den Nischenhersteller, der im Manufakturstil arbeitete, ist, eine sogenannte Volumenproduktion aufziehen. Selbst gesteckte Ziele wurden reihenweise verfehlt.

Nachfragen diesbezüglich und über die weitere Zukunft von Tesla hat Musk bei der Analystenkonferenz fürs erste Quartal als „uncool“ abgekanzelt. Kritiker hat er als Dummköpfe bezeichnet.

Wohl fühlt der sich offenbar nur, wenn er von Jüngern umgeben ist. Es hat schon eine Reihe Spekulationen über die psychische Verfassung von Musk gegeben. Mutmaßungen über eine Verhaltensstörung ähnlich wie ADHS wurden als Erklärung für seine Ruhelosigkeit herbei zitiert. Sicher ist: Er verfügt über ein gigantisches Ego, über Entertainerqualitäten und eine Hochbegabung. Der Zwölfjährige, gebürtig in Südafrika,  programmierte ein Computerspiel, das er an eine Computerzeitschrift verkaufte. Mit 24 gründete er mit seinem Bruder Kimbal die erste Firma. Zip2 entwickelte Lösungen für die Internet-Suche nach speziellen Lokalitäten, etwa der nächstgelegenen Pizzeria. Zip2 wurde für rund 300 Millionen Dollar verkauft.

Daraufhin widmete sich Musk Online-Bezahlsystemen. Er machte Paypal groß und verkaufte es an Ebay für 1,5 Milliarden Dollar. Es folgte das Engagement in der Raumfahrt mit SpaceX (2002) und die Gründung von Tesla (2004). Musk will zudem mit dem Hyperloop-Konzept Menschen in einer Röhre mit gut 1200 Stundenkilometer befördern. Er beschäftigt Forscher, die sich mit künstlicher Intelligenz und der Vernetzung von menschlichen Gehirnen mit Maschinen befassen. Und im März gründete Musk dann die Firma Thut, die  in der Unterhaltungsbranche mit Comedy und Satire tätig werden soll. In diese Kategorie gehörte auch ein getwitterter Aprilscherz von Musk, der die Pleite von Tesla verkündete. Für Frank Schwope, Analyst bei der NordLB, ist der Tweet über den Aktien-Rückkauf von ähnlicher Güte. Sein Wahrheitsgehalt sei jedenfalls nur schwer abzuschätzen.

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