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Elektronikmesse „Sicherheit ist ganz klar das Thema Nummer eins“

Blackberry-Vertriebschef Carl Wiese spricht im Interview über Verbrauchersorgen, die Motivation von Hackern und den richtigen Schutz vor Angriffen.

Smarte Kühlschränke auf der IFA
„Da wird es in Zukunft um eine unvorstellbar große Zahl von Geräten gehen und jedes einzelne muss gegen Angriffe gesichert werden“, sagt Wiese. Das beinhaltet auch die smarten Kühlschränke, die auf der IFA zu sehen sind. Foto: afp

Blackberry hat früher auch Smartphones hergestellt, sie waren das Nonplusultra für Manager. Dann ging es steil bergab, weil die Bedeutung von Apps verkannt wurde. Wie steht es heute um Blackberry?
Wir haben den Wechsel von einem Hardware- zu einem Softwareunternehmen abgeschlossen. Im Rahmen dieses Übergangs haben wir mehrere auf Sicherheit spezialisierte Unternehmen erworben. Wir bleiben jedoch ein Unternehmen, das sich auf die Sicherung der mobilen Kommunikation konzentriert.

Ist das ein genereller Trend? Software wird im Mobilfunk immer wichtiger, Hardware verliert an Bedeutung.
Für Blackberry war Sicherheit von Anfang an der entscheidende Punkt. Wir haben sichere Betriebssysteme entwickelt und waren damit sehr erfolgreich. Dank dieses Know-hows konnten wir auch Smartphones verkaufen. Doch im Laufe der Jahre wurde es immer schwieriger, im Handymarkt profitabel zu bleiben.

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin wird von der Computeruhr, bis zum intelligenten Kühlschrank alles gezeigt, was mit Elektronik arbeitet und vernetzbar ist. Wie steht es um die Sicherheit?
Mobile Geräte wie Smartphones, Tablets und Wearables oder Laptops sind sehr sensibel, deshalb wird Sicherheitssoftware immer wichtiger, das gilt in zunehmendem Maße auch für das Internet der Dinge. Da wird es in Zukunft um eine unvorstellbar große Zahl von Geräten gehen und jedes einzelne muss gemanagt, das heißt gegen Angriffe gesichert werden. Das gilt insbesondere in der Automobilindustrie, wo autonomes Fahren in den Jahren 2021/2022 relevant wird. Und dabei ist Sicherheit ganz klar das Thema Nummer eins.

Bleibt es bei Autos?
Nein, es ist das Auto sowie die Infrastruktur, die es unterstützt. Das gesamte Verkehrs- und Beförderungssystem wird digitalisiert. Vom Ozeanriesen bis zum Fahrrad. Die Möglichkeiten sind immens, um den Weg von A nach B für die Bürger komfortabler und schneller zu gestalten. Ziel muss es sein, maßgeschneiderte Kapazitäten zum richtigen Zeitpunkt und sicher anzubieten – egal ob es sich um Straßenbahnen oder Mietfahrräder handelt. Hier entstehen Ökosysteme, die im Kern ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Sicherheit aufweisen müssen.

Warum steigt die Zahl der Hackerattacken so extrem stark?
Mit der fortschreitenden Digitalisierung wächst die Angriffsfläche enorm. Es wird immer schwerer, alle Geräte sicher zu machen. Zugleich wächst die Motivation für Angriffe, denn Sie können damit viel mehr Schaden anrichten als jemals zuvor. Stellen Sie sich nur vor, was passiert, wenn Sie die Software für Bordcomputer Tausender autonomer Autos hacken. Dabei muss man wissen: Heute gibt es in einem High-End-Auto mehr Codezeilen als in einem Space Shuttle. Und diese Komponenten kommen von Hunderten von Zulieferern: Wer garantiert, dass all diese Programme sicher sind?

Wen schlagen Sie vor?
Wir haben ein Tool entwickelt, das Dateien schnell und skalierbar scannt und Autoherstellern hilft, Codes von verschiedenen Zulieferern zu prüfen und ihre Lieferkette zu sichern. Dies sowie Over-The-Air (OTA)-Updates, die Updates der Software in Autos per Funkverbindung ermöglichen, helfen, die Software in Autos sicher zu halten. Wir arbeiten bereits mit vielen Autobauern und den größten Zulieferern weltweit zusammen.

Künftig sollen wir zu Hause Dutzende vernetzte Geräte benutzen. Ist das verantwortbar?
Ja, aber die Sicherheit muss bei diesen neuen Geräten eine zentrale Rolle spielen. Es gibt die berühmten Beispiele, dass Experten demonstriert haben, dass man über ein vernetztes Beleuchtungssystem, das nicht geschützt war, in ein Wlan-Netz eindringen konnte, das wiederum einen ganzen Gebäudekomplex gesteuert hat.

Das Bewusstsein für die Gefahren ist noch unterentwickelt?
Das ist keine Frage. Wer mit der unbekümmerten Haltung eines Nutzers, der kostenlose Angebote im Internet konsumieren will, an die Sache herangeht, läuft Gefahr die Kontrolle über seine Daten zu verlieren. Wir müssen den Nutzern Schritt für Schritt beibringen, wie sie Software und Plattformen sicher nutzen.

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