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Elektromobilität Quote für E-Autos sorgt für Diskussionen

Die EU-Kommission arbeitet an Plänen für umweltfreundlicheren Verkehr. Vor allem die Quote für E-Autos sorgt für Diskussionen. China könnte als Vorbild dienen.

Verkehr in Shenzhen, China
Stoßstange an Stoßstange - dicht drängeln sich die Fahrer in Shenzhen. China sagt nun offenbar ab Herbst mit verbindlichen Quoten für Elektroautos dem Smog den Kampf an. Foto: imago

Es ist – langfristig gesehen – vielleicht das wichtigste Thema für die europäischen Autobauer. Die EU-Kommission macht sich derzeit heftig Gedanken darüber, wie die Abgasnormen für die Jahre 2025 und danach aussehen werden. Ende des Jahres sollen erste Entscheidungen fallen. Autos sollen erheblich umweltfreundlicher werden und insbesondere weniger Kohlendioxid (CO2) in die Luft blasen – um die Klimaziele zu erreichen. 

Immer wieder taucht in den Diskussionen dabei eine Quote für Elektroautos auf. Vorbild ist China. Dort sollen Quoten offenbar schon im Herbst beschlossen werden, um sie 2018 einzuführen. Das Grundprinzip: Die Hersteller werden dazu verdonnert, einen bestimmten Anteil ihrer gefertigten/verkauften Fahrzeuge mit Stromantrieb auszustatten. Wer die Vorgabe nicht erreicht, muss zahlen. In China soll das über ein Punktesystem erreicht werden: Je höher der Anteil der E-Autos ist, umso mehr Punkte gibt es. Erreicht ein Autobauer die vorgegebene Punktzahl nicht, muss er fehlende Punkte anderen Autobauern abkaufen.

Medienberichten zufolge wird derzeit die Tauglichkeit einer E-Quote auch in Brüssel geprüft. Eine Sprecherin der EU-Kommission wies am Montag allerdings darauf hin, dass der CO2-arme Verkehr technologieneutral gefördert werden soll. Keine Antriebsart soll diskriminiert beziehungsweise auf Kosten einer anderen gefördert werden. Gleichwohl gibt es Anhänger der Quote für die Elektromobile. „Das ist eine gute Sache“, sagt etwa Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Der größte Vorteil liege darin, dass eine Quote sehr leicht zu überprüfen sei. „Da muss man nur zwei Zahlen miteinander vergleichen.“ Eine strikte zahlenmäßige Vorgabe könne massiv helfen, die Industrialisierung der Elektromobilität voranzutreiben. 

Umweltschützer sehen die E-Quote mit Skepsis

Der Hintergrund: Es würde für die Manager der Autokonzerne relativ einfach, gegenüber ihren Aktionären ein forciertes Tempo in puncto Stromer zu rechtfertigen – denn das kostet erst einmal viel Geld und drückt die Renditen. Das größte Problem aus Sicht der Autobauer sind die Batteriezellen. Erst mit großen Produktionsanlagen können wettbewerbsfähige Kosten erreicht werden. Für solch eine Fabrik müssen aber mindestens fünf Milliarden Euro investiert werden.

Umweltschützer sehen die E-Quote hingegen mit Skepsis. „Es besteht die Gefahr, dass künftig vor allem große und schwere Fahrzeuge elektrifiziert werden, und zwar als Plug-In-Hybride. Damit wäre gar nichts gewonnen“, betont Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Sowohl in der europäischen als auch der chinesischen Nomenklatur werden diese Autos neben den reinrassigen Stromern bislang als E-Mobile erfasst. Dabei handelt es sich um Autos, die mit Verbrennungs- und  Elektro-Aggregat ausgestattet sind und deren Batterien sich über Ladekabel aufladen lassen. Plug-In-Pkw haben auf dem Papier extrem niedrige Verbrauchswerte – häufig weniger als drei Liter bei Sportwagen oder SUV. Im realen Betrieb kann sich das aber mehr als verfünffachen.

BUND, der Verkehrsclub VCD und die Deutsche Umwelthilfe machen sich dafür stark, die CO2-Grenzwerte deutlich zu verschärfen. Ab 2021 gelten 95 Gramm pro Kilometer als Durchschnitt für die Neuwagenflotten der Autobauer. Die Umweltverbände fordern 70 Gramm von 2025 und 35 bis 45 Gramm für 2030. Diese sollen nach einem erheblich strengeren Messverfahren als dem bisherigen erreicht werden. „Ziel muss es sein, dass die Autos weniger Energie verbrauchen und deutlich umweltfreundlicher werden. Zielführend eingesetzte Elektromobilität kann dabei eine wichtige Rolle spielen“, so Hilgenberg. Derzeit blasen die Flotten der deutschen Autobauer real mehr als 140 Gramm CO2 in die Luft. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mobilität

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