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Elektrogeräte Viel zu schnell schrottreif

Umweltbundesamt fordert verlässliche Mindestlebensdauer für Geräte. Bisher seien Handys und Co. viel zu schnell schrottreif.

Ausrangierte Elektrogeräte auf einer Halde: Die Nutzungsdauer sinkt immer weiter. Foto: dpa

"Freu Dich jedes Jahr über ein neues Smartphone“ – damit wirbt der Mobilfunkanbieter Vodafone. Apple und andere Computerhersteller verkaufen nur noch Handys und Tablets, bei denen der Akku für viel Geld von Profis gewechselt werden muss, was die Kunden im Zweifel zum Neukauf treibt. Flachbild-Fernseher werden, obwohl oft noch funktionsfähig, bereits nach wenigen Jahren ausgetauscht. Die Nutzungsdauer von Wasch- und Geschirrspülmaschinen sinkt, und sie gehen häufiger frühzeitig kaputt. Schöne neue Konsumwelt?

Ein Bundesbürger verbraucht im Durchschnitt im Laufe seines Lebens 1000 Tonnen Rohstoffe, also rund 14 000 mal soviel, wie er selbst wiegt. Darunter zwei Tonnen Kupfer, drei Tonnen Aluminium, 105 Tonnen Erdöl und 540 Tonnen Steine, Kies und Sand. Umweltexperten fordern seit langem, diesen hohen Ressourceneinsatz zu senken. Ziel ist eine „Dematerialisierung“, unter anderem durch mehr Dienstleistungen statt Kauf von Produkten.

Doch der Trend geht gerade bei den Haushalten in die entgegengesetzte Richtung, wie eine Auswertung des Umweltbundesamtes (UBA) aus Daten des statistischen Bundesamtes zu Elektro- und Elektronik-Produkten zeigt. Die Umweltfolgen sind bei diesen Produkten besonders gravierend, da die „ökologische Rucksäcke“ vieler Materialien wie Kupfer, Gold und seltene Erden, die hier eingesetzt werden, sehr groß sind. Wiederverwendung, Recycling und Produktgestaltung mit dem Ziel längerer Nutzung müssten dringend verbessert werden, rät daher UBA-Chefin Maria Krautzberger.

Die Ausstattung der Haushalte mit großen Haushaltsgeräten und elektronischen Produkten wie Handys, Laptops, Tablets, und Digicams ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen, zeigt die Bilanz. Das habe zu einer weitestgehenden „Technisierung des Alltags“ geführt. Oft werden die Geräte auch nicht mehr gemeinsam genutzt, sondern individuell: Wo es früher in einem Haushalt einen Fernseher gab, stehen heute zwei oder drei. Statt ein Telefon mit Schnur gibt es heute zwei oder drei ohne. Für den Durchschnittshaushalt, in dem heute zwei Personen leben, gelten laut dem Statistischen Bundesamt folgende Durchschnittswerte: drei Telefone, zwei CD-Player, 1,6 Fernseher, 1,5 Fotoapparate. Und der Trend gehe auch weiter in diese Richtung, erwarten die Experten. Zudem lässt der Trend zu Single-Haushalten die Ausstattung mit Geräten steigen.

Hinzu kommt, dass die Nutzungsdauer bei wichtigen Produktgruppen sinkt. Fernsehgeräte mit Röhrentechnik zum Beispiel wurden vom Erstkäufer früher in der Regel zehn bis zwölf Jahre genutzt, bis sie zu einem Zweitnutzer kamen oder in den Elektroschrott wanderten. Ein moderner Flachbild-TV wird heute viel schneller ausgemustert. Beim Neukauf sind die ersetzten Geräte im Schnitt nur gut fünfeinhalb Jahre alt. Über 60 Prozent der Kunden tauschen ein noch voll funktionsfähiges Gerät aus, weil das neue über bessere Technik verfügt. Bei rund einem Viertel war ein Defekt der Grund. Bei den großen Haushaltsgeräten, der „weißen Ware“, sank die Erstnutzungsdauer binnen eines Jahrzehnts von 14 auf 13 Jahre. Offenbar gab die Qualität der Waschmaschinen und anderen Geräte nach: Der Anteil der Geräte, die aufgrund eines Defekts schon innerhalb von fünf Jahren ausgemustert wurden, stieg auffallend stark an – von 3,5 auf 8,3 Prozent.

Das UBA hält es für notwendig, die Hersteller zu einer „verlässlichen Mindestlebensdauer“ für ihre Geräte zu verpflichten – und zwar bei allen Produktgruppen oder Komponenten, bei denen entsprechende Prüfungen praktikabel durchführbar sind. Die „Ökodesign-Richtlinie“ der EU ermöglicht es, hier Mindestanforderungen vorzuschreiben, wie das bei einigen Geräten auch schon der Fall ist. So müssen die Motoren von Staubsaugern mindestens 500 Stunden halten, und Hersteller müssen die mögliche Anzahl der Ladezyklen der Akkus von Notebooks angeben.

Das Garantierecht könne entsprechend erweitert werden und eine erweiterte Verbraucher-Verbandsklage dem Ganzen zur Durchsetzung verhelfen, meinen die UBA-Experten. Zudem komme es auf eine gute Information der Kunden, eine umweltorientierte Ausbildung für Produktdesigner, die die Ressourcenschonung mitdenken, sowie die Förderung von Reparaturbetrieben und von „Nutzen statt Besitzen“-Modellen an.

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