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Elektroautos Volvo baut bald nur noch Autos mit Elektromotor

Ab 2019 sollen alle neuen Volvo-Modelle mit Hybrid-oder Elektroantrieb fahren. Die US-Konkurrenz bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung.

Volvo
Volvo will alles auf Elektro setzen. Foto: epa

Volvo sagt zum Verbrennungsmotor leise Servus und setzt auf Elektromobilität. Zugleich fahren aber US-Autobauer ihre Kapazitäten zur Fertigung sparsamer Pkw zurück. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, ist aber symptomatisch für den Umbruch in der Autobranche.

Die Entwicklungen bei den US-Autobauern sind aus europäischer Sicht erstaunlich. Seit der Finanzkrise der Jahre 2009/2010 ging es mit dem Absatz von Neuwagen stetig bergauf. Vergangenes Jahr wurde mit rund 17,5 Millionen verkauften Pkw ein neuer Höchstwert erreicht. Doch jetzt geht es wieder bergab. Im Juni lag die Zahl der Neuzulassungen drei Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Analysten und andere Branchenkenner haben reihenweise ihre Erwartungen für das Gesamtjahr nach unten korrigiert. Viele gehen davon aus, dass 2017 etwa eine halbe Million Autos weniger verkauft wird. Und 2018 könnte es weitere Einbußen geben. Die Gründe: In der Krise haben viele Kraftfahrzeugeigner die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs verschoben. Das wurde in den vergangenen Jahren sukzessive nachgeholt. Nun ist die Erneuerung des Wagenparks weitgehend abgeschlossen, auch dank sehr günstiger Leasing- und Kreditkonditionen. Doch inzwischen steigen die Zinssätze wieder, viele potenzielle Käufer kommen erheblich schwerer an Finanzierungen für ihre Neuanschaffungen.

Die Folge der Trendwende: Nach Recherchen der „New York Times“ haben die Autobauer nach einem Jobaufbau in den vergangenen Jahren nun schon wieder damit begonnen, Arbeitsplätze zu streichen. Im April seien bei den Konzernen 5000 Frauen und Männer weniger beschäftigt gewesen als ein Jahr zuvor. Das Kuriose an der Entwicklung ist aber, dass es ausgerechnet bei den spritfressenden Pritschenwagen (Pick-ups) und den Pseudo-Geländewagen (SUV) gleichwohl nach oben geht – mit einem Zulassungsplus im Juni von vier Prozent.

Das heißt zugleich, bei einem insgesamt schrumpfenden Markt lagen die Einbußen für die kompakten und sparsamen Fahrzeuge überproportional hoch. Eine der Ursachen dürfte sein, dass es für schwächere Einkommensschichten, die oft auch kleinere Autos fahren, schwieriger geworden ist, einen Neuwagen zu erstehen.

Wer hingegen einen etwas dickeren Geldbeutel hat, leistet sich eher etwas Wuchtiges: Dahinter steckt ein langanhaltender Boom, der seit fast drei Jahren durch stark gesunkene Öl- und Spritpreise zusätzlich angefacht wird. Und die US-Autobauer setzen jetzt zunehmend auf diesen Trend. Ford etwa hat in einem Werk in Michigan die Fertigung der US-Version des Focus eingestellt, um dort künftig SUV und Pick-ups zu montieren. Der Focus wird stattdessen jetzt in China hergestellt. General Motors fährt die Produktion der Mittelklasselimousine Chevrolet Malibu zurück – laut Konzern wegen massiv sinkender Nachfrage. Fiat Chrysler geht genauso vor.

Werke für Kompaktwagen wurden vorübergehend stillgelegt, um sie für SUV umzurüsten. Und GM hat auch in der Fabrik, die das Elektroauto Chevrolet Bolt herstellt, die Zahl der Schichten reduziert - wegen drastisch geschrumpfter Nachfrage nach sparsamen Autos. Der Wagen soll indes hierzulande bald als Opel Ampera-e angeboten werden. Genau in die entgegengesetzte Richtung bewegt sich der schwedisch-chinesische Autobauer Volvo.

Konzernchef Hakan Samuelsson kündigte am Mittwoch den langsamen Abschied vom Verbrennungsmotor an. Von 2019 an soll jedes Auto zumindest einen Elektromotor haben, der den Verbrenner beim Erzeugen von Vortrieb unterstützt. Zwischen 2019 und 2021 will Volvo zudem fünf reine E-Autos auf den Markt bringen. Bis 2025 soll eine Million Volvo-Stromer verkauft werden. Immer mehr Kunden fragten nach Elektroautos, so Samuelsson.

Hinter der neuen Strategie stecken mutmaßlich aber auch die chinesischen Eigner: Volvo gehört zu Geely, und Geely ist einer der führenden Anbieter von E-Fahrzeugen in der Volksrepublik. Dort wird die Elektromobilität massiv vom Staat gefördert, auch um die extreme Luftverschmutzung in vielen Städten zu bekämpfen. So wird seit Monaten darüber diskutiert, den Autobauern Verkaufsquoten für Pkw mit alternativen Antrieben aufzudrücken. Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer empfiehlt den deutschen Autobauern, sich Volvo zum Vorbild zu nehmen. Er geht davon aus, dass der chinesische Markt in den nächsten Jahren – wenn auch mit gebremster Geschwindigkeit – weiter wachsen und seine globale Spitzenposition ausbauen wird. Um dort auch künftig mit von der Partie zu sein, müsse man in Deutschland schneller in die Elektromobilität einsteigen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mobilität

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