Lade Inhalte...

Elektro-Mobilität China legt E-Auto-Quote fest

Die deutsche Industrie erhält einen Aufschub bis 2019 – und sieht sich dafür gut aufgestellt.

Elektroauto in China
Ein Elektroauto von Smart tankt an einer öffentlichen Ladestation in Hongkong auf. Foto: Ym Yik (EPA)

Die chinesische Regierung erhört die Bitten der deutschen Industrie: Eine verbindliche Quote für die Einführung von Elektroautos kommt erst 2019 und nicht schon, wie befürchtet, im kommenden Jahr. In zwei Jahren müssen zehn Prozent der abgesetzten Fahrzeuge mit „neuen Antriebsformen“ ausgestattet sein, verfügte am Donnerstag das Industrieministerium in Peking. Gemeint sind damit rein batteriegetriebene Modelle und Hybridmodelle, die zusätzlich noch einen Benzinmotor haben.

Die deutschen Anbieter zeigten sich zufrieden mit dem neuen Zeitplan. „Die Volkswagen-Gruppe begrüßt die Anstrengungen der chinesischen Regierung zur Entwicklung des Marktes für New Energy Vehicles“, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Peking mit. „Sie passen bestens zu unserer Roadmap E.“ VW habe in China bereits mit der Produktion entsprechender Fahrzeuge begonnen. In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen 15 neue Modelle mit elektrischen Antrieben hinzukommen. VW-Chef Matthias Müller hatte mit der Roadmap E Anfang des Monats Pläne umrissen, bis 2030 E-Varianten aller Modelle herauszubringen.

Noch im Sommer klang das alles weit weniger gelassen. Chinas Wirtschaftsplaner hatten die Hersteller Ende vergangenen Jahres in Aufregung versetzt, als sie durchsickern ließen, bereits für 2018 eine verbindliche Quote für den Verkauf von Steckdosenfahrzeugen vorschreiben zu wollen. Schon damals war die Rede von einem Punktesystem: Für reine Batterieautos gibt es mehr Punkte als für benzinlastige Hybride. Wer nicht genug Punkte sammelt, kann sie von erfolgreicheren Anbietern zukaufen. Das hätte dazu geführt, dass Volumenanbieter wie Volkswagen Geld an einheimischen Firmen hätten überweisen müssen.

Marktführer BYD

Marktführer bei Elektroautos ist in China der einheimische Anbieter BYD, der im vergangenen Jahr weltweit über 100 000 Stück davon abgesetzt hat. In China haben im vergangenen Jahr insgesamt 355 000 Autos mit neuer Antriebsform einen Käufer gefunden. Diese Zahl ist für 2017 bereits übertroffen: Bis August lag der Absatz bereits bei 346 000 E-Autos. Der deutsche Anteil daran ist vernachlässigbar.

Volkswagen hatte 2016 mit knapp vier Millionen verkauften Autos zwar einen hohen Anteil von 14 Prozent am chinesischen Gesamtmarkt – doch das waren alles Benziner. Bis 2020 will das Unternehmen dort jedoch 400 000 E-Autos pro Jahr verkaufen. Das würde der geforderten Quote schon recht nahe kommen. Der ursprüngliche Plan einer Umstellung in dieser Größenordnung schon bis 2018 wäre jedoch völlig unmöglich gewesen, wie Automanager zugeben. Auch andere Hersteller wie General Motors und Honda hatten die vorgesehen Quoten als zu streng kritisiert.

Die deutschen Autobauer hatten in der chinesischen Politik sogar eine handfeste Diskriminierung gesehen und die Bundesregierung in Marsch gesetzt. Hochrangige Politiker machten sich daraufhin bei Staatsbesuchen für eine Verschiebung der Quote stark. Ihr wichtigstes Argument: Die Regelung kommt viel zu überraschend. Die deutschen Anbieter engagieren sich intensiv in China, haben Milliarden investiert, Tausende von Arbeitsplätze geschaffen und zahlreiche Kröten geschluckt. Sie akzeptieren es beispielsweise, in Zwangsehen mit chinesischen Konkurrenten gesteckt zu werden, denen sie ihre Technik offenbaren müssen. Die Einführung der Elektroauto-Quote ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Deutschen sei da rücksichtslos.

Peking war enttäuscht

Aus chinesischer Sicht wiederum hat die ganze Branche – inklusive der einheimischen Anbieter – einen Weckruf gebraucht, um endlich mit dem Schwenk zur Elektromobilität ernst zu machen. Peking war enttäuscht vom schleppenden Absatz trotz hoher Subventionen. Seit vergangenem Jahr steigt der Absatz zwar deutlich an, liegt aber immer noch unter den Planzielen früherer Zeiten.

Für die chinesischen Wirtschaftsplaner hat das Elektroauto eine Reihe von wichtigen Vorteilen. Es verschmutzt nicht die Luft – zumindest, sobald der Ladestrom zu einem ausreichenden Anteil aus erneuerbaren Quellen und Atomstrom kommt. Dafür gibt es gesonderte Pläne, mit denen die Regierung eine rasche Energiewende vorantreibt. Zudem gilt das Elektroauto als Schlüsseltechnik, die das Land unbedingt beherrschen will. Da China in Batterietechnik stark ist, beim Verbrennungsmotor aber allenfalls Mittelklasse, bringt der Übergang zum Elektroauto auch industriepolitisch zahlreiche Vorteile.

Die neuen Regeln sehen nun eine schnelle Ausweitung des Elektroauto-Absatzes vor. Bis zum Jahr 2020 soll die neue Quote von zunächst zehn auf zwölf Prozent steigen. Bis 2025 sollen es zwanzig Prozent sein. Die Regelung gilt nur für größere Anbieter, die mehr als 30 000 Einheiten im Jahr verkaufen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen