Lade Inhalte...

Elektro-Konzern Siemens streicht 9000 Jobs

Siemens-Chef Kaeser räumt auf: Tausende Jobs in der Verwaltung fallen weg, auch in der Energiesparte gibt es harte Einschnitte. Bei den Arbeitnehmervertretern stoßen die Kürzungspläne auf Kritik.

Turbulente Zeiten bei Siemens: Der Konzern streicht weltweit rund 9000 Jobs. Foto: dpa

Nun kommt es doch schlimmer als zuletzt erwartet. Der Technologieriese Siemens streicht im Zuge seines Konzernumbaus weltweit 7800 seiner zuletzt noch 343 000 Stellen, ließ Vorstandschef Joe Kaeser nun mitteilen. Zuvor sind die Pläne neun Monate lang diskutiert worden. Gestern war intern noch von 7400 bedrohten Arbeitsplätzen die Rede. Offiziell ist den Personalvertretern in München nun auch der Abbau von hierzulande 3300 der in Deutschland noch 115 000 Arbeitsplätze mitgeteilt worden, was sich mit früheren Informationen deckt. An welchen deutschen Standorten gestrichen wird, will Siemens aber öffentlich immer noch nicht sagen. Darüber werde nun mit Betriebsräten und IG Metall verhandelt.

„Wir wollen zeitnah Gespräche aufnehmen und nach sozialverträglichen Lösungen suchen“, sagte die neue Siemens-Personalchefin Janina Kugel. Sie sicherte zu, dass sich Siemens an eine bestehende Vereinbarung zur Beschäftigung halten werde, die betriebsbedingte Kündigungen verbiete. „Die gilt selbstverständlich weiterhin“, sagte sie. Abgebaut werden können die 3300 Stellen damit nur per Teilzeitregelungen, über Abfindungen oder ähnliche Instrumente.

Die IG Metall sieht vor allem bayerische Standorte betroffen. Denn die Rotstiftpläne sind Folge einer von Kaeser im Mai 2014 verfügten Organisationsreform von Siemens, die gezielt die Verwaltung verschlankt und ganze Organisationsebenen aus dem Konzern nimmt. Da die Verwaltung im Schwerpunkt am Firmensitz München und Erlangen angesiedelt ist, trifft es diese Siemens-Standorte am heftigsten.

Das verdeutlichen interne Planzahlen für den Abbau, die zwei Insider bestätigen. Denen zufolge sollen in Erlangen 900 und in München 500 Stellen wegfallen. Mit 300 Stellen in Nürnberg ist noch ein weiterer bayerischer Standort betroffen. Regional soll noch in Nordrhein-Westfalen mit landesweit 300 Stellen eine größere Zahl von Arbeitsplätzen gestrichen werden. Das verteilt sich dort auf mehrere Standorte. In den Abbauzahlen für Deutschland sind zudem Verlagerungen ins Ausland enthalten. So sollen Teile der Buchhaltung nach Tschechien gehen, Teile der IT nach Indien und 80 Augsburger Stellen nach Großbritannien verlegt werden.

Ein Kahlschlag in der Verwaltung

Ein Selbstläufer sind die Pläne des Managements nicht. „Es werden harte Verhandlungen“, kündigt Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn an. Seit Jahren jage ein Abbauprogramm das nächste. In den Verhandlungen mit Kugel will die oberste Arbeitnehmervertreterin eine Reduzierung der Streichpläne durchsetzen. Das tut not, zumal Siemens nicht nur in der Verwaltung Jobs abbauen will. Operativ liegt beim Kraftwerksbau im Geschäft mit Energietechnik einiges im Argen. Der hier bereits angekündigte Abbau weiterer 1200 Arbeitsplätze ist nicht in den jetzigen Abbauplänen für die Verwaltung enthalten, bestätigte ein Siemens-Sprecher. Zudem wird der Krisenbereich derzeit von McKinsey durchleuchtet. Das Personal befürchtet eine Verschärfung der Abbaupläne und Verlagerungen von Deutschland in die USA, von wo aus die Energietechnik künftig gemanagt wird.

Mit dem Kahlschlag in der Verwaltung will Kaeser bis 2016 jährlich rund eine Milliarde Euro sparen. Einmalig dürfte der geplante Abbau Siemens erst einmal eine dreistellige Millionensumme kosten.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen