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Einparkhilfe Weniger zahlen dank Einparkassistent

Vollautomatische Assistenzsysteme könnten Kfz-Policen bis zu 15 Prozent billiger machen.

Parkraum
Jeder zweite Schaden, der Versicherungen gemeldet wird, ist ein Rangier- oder Parkunfall. Foto: Imago

Parken kann ein teurer Spaß werden. Das liegt weniger an damit verbundenen Gebühren als am Umstand, dass es dabei oft kracht. Denn fast jeder zweite Sachschaden, der Kfz-Versicherern wie der Allianz gemeldet wird, ist ein Park- und Rangierunfall. Die Kosten dafür summieren sich auf alleine in Deutschland branchenweit 3,4 Milliarden Euro jährlich, weiß der Chef der deutschen Allianz Versicherungs-AG, Joachim Müller. Jetzt macht er sich und Kfz-Versicherten aber Hoffnung. Denn zwei Drittel dieser Unfälle und damit Schäden im Umfang von 2,1 Milliarden Euro seien vermeidbar, wenn Fahrerassistenzsysteme in Form vollautomatischer Einparkhilfen das Parken übernehmen. „Wir denken über zehn bis 15 Prozent Rabatt nach“, sagt Müller. 

Das sei die Dimension, um die sich die Kfz-Policen für Autohalter reduzieren können, wenn ihre Wagen mit vollautomatischen Einparkhilfen ausgestattet sind. Die Allianz traut sich diese Aussage zu, weil sie die Wirksamkeit von Assistenzsystemen mit Blick auf die Schadensreduzierung selbst getestet und dabei einen eigenen Teststandard entwickelt hat. Der sei auf die Systeme aller Hersteller anwendbar. Um diesen allseits kostensparenden Tarifierungsaspekt in den Markt einzuführen, sind aber aus Sicht der Allianz einige Voraussetzungen nötig. 

Zum einen dürfen Park- und Rangierassistenten nicht abschaltbar sein. Autohersteller müssten der Assekuranz zudem ohne Nachfrage genaue Auskunft über in einem Auto verbauten Systeme geben. Drittens darf der Mensch am Einparken nicht mehr beteiligt sein. Denn sensorgestützte akustische Warnsysteme, wie sie heute üblich sind, rechtfertigen keinen Rabatt. Hier parkt ein Fahrer aus Fleisch und Blut noch selbst und das offenkundig nicht besser – als gäbe es keine Sensoren und Warntöne. 

Auch das hat die Allianz herausgefunden. „Fahrzeuge mit akustischen Parkwarnsystemen haben nicht besser abgeschnitten als diejenigen ohne Warnsignal“, sagt Müller und ist selbst überrascht. Über das Warum rätselt er ebenso wie Verkehrspsychologen. Eventuell sei es blindes Vertrauen auf die Technik und der Umstand, dass viele heute rückwärts fahren, ohne sich dabei noch umzusehen. 

Einen Schritt weiter als die Allianz gehen der Schweizer Rückversicherungsriese Swiss Re und Premiumhersteller BMW. Das Duo hat einen Risikobewertungsstandard für alle Fahrerassistenzsysteme entworfen, also nicht nur diejenigen, die beim Parken greifen. Auch das zielt im Endeffekt auf eine Reduzierung von Kfz-Versicherungsprämien und damit den Verkauf von Fahrzeugen mit besonders wirksamen Assistenzsystemen. Im ersten Schritt werden nur BMW-Modelle erfasst. Das System sei aber offen für alle Hersteller, betonen BMW und Swiss Re. 2019 soll es Versicherungen mit Endkundenkontakt wie Allianz oder HUK Coburg angeboten werden, die dann in Eigenregie festlegen können, welche Rabatte sie bei welcher Ausstattung an Assistenzsystemen gewähren. 

Die Allianz will sich den Adas Risk Score von BMW und Swiss Re demnächst genau anschauen und ihn derzeit noch nicht bewerten. Davon, dass das gerade selbst entwickelte Messverfahren für Einparkassistenten verlässliche Daten zu deren Auswirkung auf die Risikobeurteilung gibt, ist der Versicherer überzeugt. Getestet hat er, inwiefern eine Einparkhilfe andere Autos, Poller oder Säulen zuverlässig erkennt und eine Notbremsung auslöst. Dabei ist es von System zu System unterschiedlich, in welcher Höhe sich Hindernisse befinden. Die Details gelten als Betriebsgeheimnis. Ermittelt wurde auch, dass heutzutage 84 Prozent aller Parkunfälle beim Ausparken und nur 16 Prozent beim Einparken passieren. 

Autofahrer könnten von einer Risikoabschätzung ihrer Assistenzsysteme doppelt profitieren, sagt Müller. Zum einen sinke die Prämie. Zum anderen gebe es weniger selbst verschuldete Unfälle, in deren Folge der Schadensfreiheitsrabatt sinken würde. Dieser Rabatt werde sich künftig weniger am Fahrer orientieren sondern an der Qualität der verbauten Fahrerassistenzsysteme. Das kann schnell gehen. 2016 hatte nur rund ein Prozent aller verkauften Neuwagen teilautonome Fahrfunktionen. Für 2025 erwartete die Allianz eine Quote von 80 Prozent. 

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