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"Ein riesiges Problem" USA in der Gentechnik-Falle

Bio ist auch in den USA "in". Die Verkäufe wachsen zweistellig, die Umsätze sind weltweit spitze. Doch die Amerikaner haben ein Problem: Weil die eigenen Farmer vorwiegend auf Gen-Technik setzen, ist Bio-Futter rar. Die Importe sind teuer - und auch aus anderen Gründen zwiespältig.

Die USA befeuern die Verbreitung genmanipulierter Pflanzen. Foto: REUTERS

In Sachen Gentechnik sind die Vereinigten Staaten international nicht nur ein Vorreiter, sie befeuern auch aktiv die Verbreitung genmanipulierter Pflanzen. Zugleich jedoch wird der Hunger der eigenen Bevölkerung nach Bio immer größer. In den vergangenen drei Jahren wuchsen die Verkäufe jeweils zweistellig. Mit einem Volumen von fast 40 Milliarden Dollar ist der US-Markt für biologisch erzeugte Lebensmittel der weltweit größte.

Und das stellt die Amerikaner vor ein Problem. Denn um Bio-Eier, Bio-Fleisch und vor allem Bio-Milch zu erzeugen, müssen die Bio-Farmer im eigenen Land ihr Futter über große Entfernungen heranschaffen – aus Europa und Indien.

Es geht vor allem um biologisch erzeugte Soja und um Öko-Mais. Beide Futterarten werden in den USA auf riesigen Flächen angebaut, allerdings zu mehr als 90 Prozent in ihrer gentechnisch veränderten Variante. Doch Gentechnik und Bio-Landbau schließen einander aus. Zwar sind die USA der weltweit größte Sojaerzeuger, sie stehen für 35 Prozent der Welternte. Der Anteil biologisch erzeugter Soja aber ist verschwindend gering. Nur 0,17 Prozent der US-Soja-Felder werden biologisch bewirtschaftet, beim Mais sind es mit 0,3 Prozent nur minimal mehr.

Futtermais wird importiert

Die Folge: In Iowa, einem der zentralen Mais-Anbaustaaten im mittleren Westen der Vereinigten Staaten, auch Corn-Belt genannt, stehen die 512 Bio-Farmer einem Heer von 88.637 konventionellen Farmern gegenüber. Die einen beackern 49.000 Hektar, die anderen 12,4 Millionen Hektar. Schon wegen der möglichen Kontamination der Öko-Äcker mit gentechnisch veränderten Partikeln steht der Öko-Anbau im Corn Belt unter Druck.

Wenn Milch-, Schweine- oder Hühnerfarmer in den USA ihr Vieh mit Mais und Soja füttern, dann sind sie oft gezwungen, auf importierte Ware zurückgreifen. Nach Zahlen des amerikanischen, auf Öko-Markt-Daten spezialisierten Büros Mercaris mussten die US-Öko-Bauern im vergangenen Jahr 22 Prozent des Bio-Maises und sogar 75 Prozent der Bio-Soja einführen. Tendenz: steigend.

So hat sich nach Zahlen des Landwirtschaftsministeriums USDA die Einfuhr von Öko-Mais aus Übersee 2015 gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 300.000 Tonnen verdreifacht. Im Januar und Februar dieses Jahres waren es sogar fünfmal mehr als in den Vorjahresmonaten. Ähnlich bei Soja, wo die Importe 2015 um 45 Prozent geklettert sind und sie sich in Januar und Februar verdoppelt haben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Und wo kauft der weltweitgrößte Soja-Erzeuger das Tierfutter ein, damit eine wohlhabende Schicht von US-Bürgern Öko-Milch trinken und Öko-Fleisch kauen kann? Mais kommt überwiegend aus Rumänien und der Türkei, Soja aus der Ukraine und Indien. Insgesamt Waren im Wert von 353 Millionen Dollar allein im Jahr 2015.

Der Griff zu Soja aus Indien und der Ukraine aber hat einen Beigeschmack und ist nicht frei von Risiken. Denn mit Soja aus Indien importieren die reichen Amerikaner Futter aus einem Land, das zu den ärmsten der Erde gehört. Zwei von drei Indern haben nicht mal zwei Dollar am Tag zur Verfügung. In dem Land wird gehungert.

Bio mit Nebenwirkungen

Doch auch die Frachten aus der Ukraine sind mit Vorsicht zu genießen: So gibt der Branchendienst Agra-Europe Recherchen der USDA wider, wonach die ukrainischen Bauern auf 80 Prozent der Soja- und 20 Prozent der Maisfelder gentechnisch verändertes Saatgut verwenden. Dabei ist der Anbau von Gentec-Saatgut in der Ukraine strikt verboten. Zurückgegriffen werde hauptsächlich auf die von Monsanto entwickelte Roundup-Ready-Sojabohne, die gegen das Totalherbizid Glyphosat resistent ist, heißt es.

Damit steht die Versorgung der US-Öko-Farmer auf wackeligen Füßen, wie Kellee James, Gründer von Mercaris, weiß: „Wenn der Import morgen austrocknet“, werde die US-Öko-Branche „vor einem riesigen Problem“ stehen.

Derweil erinnerte US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack bei der Präsentation neuer Bio-Markt-Zahlen Mitte Mai an die Unterstützung der Regierung für die Biobranche. Er stellte „Maßnahmen“ in Aussicht, damit die steigende Nachfrage der Verbraucher nach Biolebensmitteln durch die heimische Landwirtschaft gedeckt werden könne. Wie das geschehen soll, ließ er offen.

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