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EEG-Umlage Öko-Strom zahlt sich aus

Die EEG-Umlage ist umstritten, Industrie-Unternehmen werden bevorzugt, Privathaushalte zahlen drauf. Doch nun könnte sie sinken - die Analyse.

Morgenstimmung in Brandenburg
Sinken die Strompreise an der Börse, wird die Lücke zur garantierten Vergütung größer – womit die Kosten für die Allgemeinheit steigen. Foto: dpa

Im laufenden Bundestagswahlkampf spielen die Energiepreise als Thema so gut wie keine Rolle. Das war bei der vorherigen Wahl anders: Damals überboten sich die Parteien förmlich mit Ideen, wie die Belastung der Verbraucher reduziert werden könnte. Aber angesichts niedriger Preise für Benzin und Heizöl scheinen auch die vergleichsweise hohen Strompreise in Deutschland für die Bürger erträglicher geworden zu sein.

Dabei gehört die Bundesrepublik weiterhin zu jenen Ländern in Europa mit den höchsten Strompreisen. Das hat ganz wesentlich damit zu tun, dass die Verbraucher die Energiewende über ihre Stromrechnung finanzieren.

Üppig Ausnahmen für die Industrie

Betreiber von Windkraft- oder Solaranlagen bekommen feste Vergütungssätze, wenn sie ihren Strom ins Netz einspeisen. Sinken die Strompreise an der Börse, wird die Lücke zur garantierten Vergütung größer – womit die Kosten für die Allgemeinheit steigen.

Es beteiligen sich auch nicht alle Verbraucher an der Ökostrom-Umlage (auch EEG-Umlage genannt): So existieren üppige Ausnahmen für Industrie-Unternehmen. Deren Anteil müssen die Privathaushalte zusätzlich schultern.

Für die Förderung von Ökostrom bezahlen die Kunden im laufenden Jahr 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Wie viel es 2018 sein wird, wollen die vier Übertragungsnetzbetreiber Mitte Oktober bekanntgeben. Die Experten der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende haben am Donnerstag aber bereits eine Prognose abgegeben: Ihren Berechnungen zufolge dürfte die Umlage leicht sinken. Agora Energiewende ermittelte einen Betrag von 6,74 Cent. Allerdings gebe es kleinere Prognose-Unsicherheiten, weshalb die Fachleute auch eine Bandbreite angeben: Sie liegt zwischen 6,6 bis 6,9 Cent pro Kilowattstunde Strom.

Überschuss auf dem EEG-Konto

Für die leicht sinkende EEG-Umlage gibt es demnach zwei Gründe: Zum einen sei mit leicht steigenden Großhandelspreisen (an der Strombörse) zu rechnen. Darauf deuteten aktuelle Future-Notierungen hin – also Geschäfte, bei denen die Händler schon jetzt Strommengen für einen in der Zukunft liegenden Zeitpunkt sichern. Steigen die Großhandelspreise, wird die Differenz zu den garantierten Einspeisetarifen geringer. Die Kunden müssen in ihrer Gesamtheit also weniger Geld für die Ökostrom-Förderung per EEG-Umlage aufbringen.

Zweiter Grund für die sinkende EEG-Umlage: Auf dem „EEG-Konto“ hat sich ein beträchtliches Polster gebildet. Der Überschuss beträgt derzeit mehr als drei Milliarden Euro. Das Geld kann im kommenden Jahr an die Verbraucher zurückgegeben werden. Es gibt aber auch gegenläufige Effekte, betont Agora Energiewende. So treibe der Ausbau der Windenergie die Umlage leicht in die Höhe. Insgesamt seien die senkenden Effekte aber größer, betonen die Fachleute.

Im Laufe des kommenden Jahres wird der Überschuss auf dem EEG-Konto aufgebraucht sein. Das bedeutet aber auch, dass hier 2019 keine Entlastung mehr zu erwarten ist. Für 2019 prognostiziert Agora Energiewende deshalb einen erneuten Anstieg der Umlage auf mehr als 7,5 Cent pro Kilowattstunde. „Zudem werden 2019 die letzten Offshore-Windkraftanlagen der ersten Generation ans Netz gehen; diese erhalten noch eine relativ hohe Vergütung“, schreiben die Wissenschaftler. Nach 2019 seien nur noch leichte Anstiege bei der EEG-Umlage zu erwarten. Und nach 2023 werde sie wieder sinken.

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