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Eberhard Sasse „Wir machen nachts 1500 Doppeldecker wieder fit“

Der Berliner Gebäudereiniger Eberhard Sasse spricht im FR-Interview über seinen Auftrag in London, die Folgen des Brexits und große Nachwuchssorgen.

Eberhard Sasse
Eberhard Sasse macht mit seinem Team in London die Doppeldeckerbusse wieder fit. Foto: Paulus Ponizak

Alles in Butter?
Nicht alles. Natürlich gibt es Probleme. Im Ausbildungs- und Bildungsbereich muss viel mehr getan werden, auch mit Blick auf die Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen. Außerdem müssen Arbeitslöhne gezahlt werden, die zum Leben reichen.
 
Was zahlen Sie denn?
Die Reinigungsbranche war die erste, die schon 2007 einen Mindestlohn mit dem Tarifpartner ausgehandelt hat. Das war damals die IG Bau-Steine-Erden. Seit 1. Januar liegt der Einstiegslohn in der untersten Tarifgruppe für Gebäudereiniger bei 10,30 Euro. Das sind fast 1,50 mehr als der allgemeine gesetzliche Mindestlohn von 8,84. Dabei liegt die Lohnquote in unserer Branche bei 80 Prozent. Wir Unternehmer stehen in der Verantwortung für unsere Mitarbeiter, wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen, die bei uns arbeiten, Akzeptanz und Anerkennung in ihrer Arbeit finden können. Wer nach Hause geht und nicht genug zum Leben hat, wird auf Dauer keinen guten Job machen können. „Geiz ist geil“, das funktioniert bei uns nicht. 
 
Trotzdem plagen Sie Nachwuchssorgen.
Sogar ganz massive. Jeder fünfte unserer Ausbildungsplätze ist unbesetzt. In der Branche fehlen Mechatroniker, Elektrotechniker, Gas- und Wasserinstallateure, Kfz-Mechaniker und auch Gebäudereinigungsgesellen und Gebäudereinigermeister.
 
Sie zahlen wohl immer noch zu wenig.
Daran liegt es nicht. Der entscheidende Punkt ist der Run auf die Universitäten. Heute beginnt schon jeder zweite junge Mensch eine akademische Ausbildung. Die fehlen uns in der dualen Berufsausbildung, um die uns die ganze Welt beneidet. Der gute Arbeitsmarkt, der lange Aufschwung, die Exporterfolge – all das hängt an den Millionen gut ausgebildeter Fachkräfte, die wir in Deutschland haben. Dieses Potenzial müssen wir erhalten. 
 
Was sollte Ihrer Ansicht nach geschehen?
Wir müssen die jungen Menschen besser informieren als bisher, schon in den Elternhäusern und Schulen. Heute verdient ein Industriemeister doch häufig mehr als viele Geisteswissenschaftler. Der Meister ist dem Bachelorabschluss an den Unis gleichgestellt, er oder sie kann dann ohne Abitur einen Masterstudiengang anhängen. Wir brauchen mehr Lehrkräfte und eine bessere technische Ausstattung der Berufsschulen. Die sind im Computerbereich oft noch der Steinzeit verhaftet. Ohne schnelles Internet und moderne Geräte ist es schwer, junge Leute für die duale Ausbildung zu begeistern. 

Können die Flüchtlinge den Fachkräftemangel lindern?
Sicher. Viele sind jung, viele sind leistungsbereit und motiviert. An Begabung und Intelligenz stehen die Flüchtlinge der deutschen Bevölkerung nicht nach. Das A und O ist das Erlernen der deutschen Sprache – und Geduld. Eine wirkliche Integration, das Vertrautwerden mit unserer Kultur und Lebensweise, die Identifikation mit unserem Land, das alles dauert seine Zeit, mindestens zehn Jahre. Aber wir haben die menschliche Pflicht und auch die notwendigen Ressourcen, es hinzubekommen, zumal es auf dem Arbeitsmarkt ja Bedarf gibt.
 
Sie arbeiten für den Flughafen Tegel, der aus allen Nähten platzt. Wie gestaltet sich unter solchen Bedingungen die Wartung, Instandhaltung und Reinigung? 
Es ist eine Herausforderung, und wir sind ziemlich stolz, dass wir das hinkriegen. Aber das gilt nicht nur für uns. Das Flughafenmanagement muss mit der permanenten Überlastung ja auch klar kommen, und das machen die wirklich hervorragend.
 
Werden Sie sich auch um den Auftrag für den neuen Berliner Airport bemühen?
Wir werden sehen. Es wird eine öffentliche Ausschreibung geben ... 
 
... sofern der BER je fertig wird. Glauben sie daran?
Aber ja. Die Elbphilharmonie ist ja auch fertig geworden. Es hat die eine oder andere Überraschung gegeben, aber letztlich wird der BER eröffnet werden, da bin ich sicher.

Interview: Jochen Arntz und Stefan Sauer  

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