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E25 statt E10 EU setzt auf Ethanol statt Biodiesel

Eineinhalb Jahre nach der Einführung von E10-Benzin plant die EU-Kommission, Kraftstoff mit weitaus höherem Ethanol-Anteil einzuführen. Während Autofahrer in Zukunft E15, E25 oder gar E85 tanken könnten, steht Biodiesel vor dem Aus.

E10 war erst der Anfang. Nach EU-Plänen soll Benzin in Zukunft einen noch höheren Ethanol-Anteil enthalten. Foto: dapd

Eineinhalb Jahre nach der Einführung von E10-Benzin plant die EU-Kommission, Kraftstoff mit weitaus höherem Ethanol-Anteil einzuführen. Während Autofahrer in Zukunft E15, E25 oder gar E85 tanken könnten, steht Biodiesel vor dem Aus.

Die EU-Kommission will europaweit Biodiesel abschaffen und stattdessen das ebenso umstrittene Bioethanol stärker fördern. Die Kommission bestätigte entsprechende Befürchtungen der Biodiesel-Branche. Der Grund ist, dass Ethanol – etwa aus Getreide und Zuckerrohr – angeblich eine bessere Klimabilanz hat als Biodiesel aus Ölfrüchten.

Die Umsetzung der Pläne könnte bedeuten, dass die umstrittene zehnprozentige Beimischung von Ethanol zu Benzin (Sorte E10) deutlich angehoben werden muss – zum Beispiel, indem Sorten wie E15 oder E25 eingeführt werden. Auch der Ausbau von E85 für Autos, die diese Spritsorte vertragen, wäre denkbar.

Ethanol auf dem Vormarsch

Eine Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger bestätigte dieser Zeitung, dass es bei Umsetzung der Direktive eine Verschiebung zugunsten von Ethanol geben wird. „Studien haben ergeben, dass die Kohlendioxid-Bilanz je nach Art der Biokraftstoffe sehr unterschiedlich ausfällt. Wir setzen in Zukunft auf jene Biokraftstoffe, die am meisten CO2 einsparen“, sagte die Sprecherin.

Vor zwei Wochen hatte die EU-Kommission bekanntgegeben, den Ausbau abzubremsen und die Biosprit-Nutzung auf heutigem Niveau zu belassen. Gleichzeitig werden durch die Direktive strenge Klimaschutzauflagen eingeführt. Zunächst war über das Aus für E10 spekuliert worden Übersehen wurde dabei, dass im Kleingedruckten der Direktive der Klimaschutzfaktor einzelner Biospritsorten bestimmt wird.

Die Festlegung basiert auf umstrittenen Studien, die untersuchen, wie sich Landnutzungsänderungen auf die Klimabilanz von Biosprit auswirken. Damit soll der Gefahr Rechnung getragen werden, dass zum Beispiel Biospritanbau auf Weideland in Brasilien stattfindet und für Ersatz-Weideflächen der Regenwald abgeholzt wird.

Biodiesel vor dem Aus

Die Biokraftstoffverbände in Deutschland und Europa sind durch die Pläne der EU-Kommission alarmiert. Eine Sprecherin des europäischen Verbandes für Pflanzenöle (Fediol) sagte auf Anfrage, es sei nach den neuen Regeln „völlig unmöglich“, Biodiesel weiter dem herkömmlichen Diesel beizumischen.

Der Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), Elmar Baumann, sagte: „Der Vorschlag bedeutet das Aus für europäischen Biodiesel und auch für Biodieselimporte aus Übersee.“ Bei Umsetzung der Richtlinie sei Biodiesel nicht mehr einsetzbar.

Nur durch Ethanol könnten die bestehenden Klimaschutzvorgaben der EU eingehalten werden. Baumann sagte weiter: „Wir halten das für völlig unbegründet, weil die Annahmen für den angeblich fehlenden Klimanutzen von Biodiesel falsch sind. Hinzu kommt, dass positive Aspekte falsch gewichtet werden, zum Beispiel die Nutzung der Pflanzreste als Tierfutter.“

Wertlose Milliardeninvestitionen

Setze sich die EU-Kommission durch, würden Milliardeninvestitionen in Biodieselanlagen quasi wertlos, befürchtet der VDB. Nach Einschätzung des Verbands würde vor allem in Deutschland die Ethanolquote drastische erhöht, weil sich dort die EU-Ziele zu Biokraftstoffen schon in nationalen Gesetzen finden.

Die Anwendung der neuen Klimaschutzkriterien bedeuten laut EU-Direktive, dass Biodiesel, egal aus welcher Pflanze, eine deutlich schlechtere Treibhausgas-Bilanz hat als herkömmlicher Sprit hat. Nur Ethanol würde demnach die Klimaschutzvorgaben erfüllen, die schon jetzt vorsehen, dass Biokraftstoffe die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu herkömmlichem Sprit zumindest um gut ein Drittel senken müssen.

Ein starke Erhöhung des Ethanol-Verbrauchs wäre aber politisch und technisch nur sehr schwer durchsetzbar. Eineinhalb Jahre nach Einführung von E10, das doppelt soviel Ethanol enthält wie herkömmliches Super, liegt der Anteil an allen Benzinsorten bei zuletzt nur 14,6 Prozent.

Voriges Jahr wurden laut Mineralölwirtschaftsverband in Deutschland 1,1 Millionen Tonnen Ethanol verbraucht, das ist ein Volumenanteil von 5,4 Prozent am Benzinverbrauch. Bei Biodiesel lag der Verbrauch mit 2,3 Millionen Tonnen mehr als doppelt so hoch. Rechnerisch müsste sich laut VDB der Einsatz von Ethanol vervielfachen, um die Abschaffung von Biodiesel zu kompensieren.

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