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E-Mobilität Norwegen bremst Energierevolution aus

Die Regierung von Norwegen will die Suventionierung von E-Autos stoppen. Offenbar ist der Erfolg des Programms so groß, dass es nun zu teuer wird.

E-Auto
Auto aufladen: Für immer mehr Norweger eine Selbstverständlichkeit. Foto: rtr

Wer in Oslo all die Ladestationen an Parkplätzen und die enorm vielen Elektroautos selbst im Stadtverkehr bestaunt, kann sich eine Zukunft ohne Verbrennungsmotoren schon sehr plastisch vorstellen. Dass 52 Prozent Hybrid- oder reine E-Antriebe bei Neuzulassungen im September einen Rekordtiefststand der CO2-Emissionen mit sich brachten, bestätigt dieses Bild mit trockenen und erfreulichen Zahlen. In Deutschland liegt der Marktanteil 2017 bisher bei mikroskopischen 0,6 Prozent. Norwegens aus aller Welt bestaunte Vorreiterrolle gerät nun aber ins Wanken, weil die Regierung den Geldhahn für stimulierende Subventionen ein Stück weit zudrehen will. 

Greenpeace und der WWF gehören zum vielstimmigen Protestchor: „Das Elektroauto ist Norwegens größtes umweltpolitisches Vorhaben. Diesen Gesellschaftsvertrag mit mehreren Partnern bricht die Regierung jetzt.“ Als Erste in Europa und konsequent wie in keinem anderen Land sind hier die Autofahrer mit Vergünstigungen für E-Autos zum Abschied von ihren Benzin- oder Dieselgefährten gelockt worden. Die Befreiung von der hohen Anschaffungssteuer und 25 Prozent Mehrwertsteuer machen einen VW Golf mit E-Antrieb heute 15 Prozent billiger als den entsprechenden Benziner. 

Hinzu kommen Privilegien wie kostenlose Nutzung von Fähren sowie Mautstraßen. Mancherorts sind auch Busspuren für die Stromer freigegeben (ab zwei Insassen). Vom Gratis-Aufladen der Batterien an öffentlichen Stationen in diesem Billigstrom-Land mit unendlich viel Wasserkraft ganz zu schweigen. Das bindend festgelegte Ziel: Ab 2025 sollen in Norwegen keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden. 

Ins Stolpern bringt die Regierungsplaner offenbar der überwältigende Erfolg ihrer Verführungskünste. Für 2017, so berichtete „Aftenposten“, beziffert das Finanzministerium intern das Minus im Steuersäckel durch die E-Autos auf zehn Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro). Ab 2018 soll nun die Befreiung von der Anschaffungssteuer erst mal für schwere, sprich die teureren Elektroautos gestrichen werden. „Der Tesla ist die größte Herausforderung für all die Begünstigungen“, begründete Hans Andreas Limi, Fraktionschef der mitregierenden Fortschrittspartei, diesen Schritt. Warum solle man wohlhabenden Hauptstadtbürgern ihren Spaß an dem US-Luxusgefährt subventionieren, das doch als einzigen Umweltvorteil Emissionsfreiheit zu bieten habe?

Die Kritiker halten das für populistisch vorgeschoben. Betroffen seien auch die zwangsläufig schweren Lieferwagen von Handwerkern. Es gehe um das Ganze: „In Wahrheit will die Regierung die E-Autos opfern, damit es auch weiter billig bleibt, die Umwelt zu belasten.“ Tatsächlich werden alles in allem immer noch 95 Prozent der 2,5 Millionen Autos im Land (gegenüber 150 000 mit Elektro- oder Hybridantrieb) von fossilem Brennstoff angetrieben. Das lässt sich für Politiker auch in Wählerstimmen umrechnen. 

Die Umweltschützer beklagen, dass die Regierung kurzsichtig Norwegens Platz als dringend benötigtes und gern genutztes Großlabor für den weltweiten Abschied vom Verbrennungsmotor hergeben will: Deutsche und asiatische Autobauer lancierten ihre neuesten Elektroautos nicht wegen der schönen Landschaftsbilder in Norwegen, sondern weil sie sie dort in großer Stückzahl verkaufen könnten, argumentieren Greenpeace und WWF. Ein paar Jahre nur, so fordern die Kritiker, soll Oslo noch mit dem eigenen Beitrag zur „Energierevolution“ durchhalten, bis die Elektroautos technisch so weit sind, dass sie auch ohne die staatlichen Zuschüsse die fossilen Emissionsschleudern aus dem Straßenbild verschwinden lassen. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Norwegen

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