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E-Books Ohne haptisches Erlebnis

Elektronische Bücher haben es in Deutschland schwer: Jeder Zweite weiß nicht, was ein „E-Book“ ist. Die Entwicklung zum Massenprodukt hat gerade erst begonnen.

30.08.2010 20:51
Jutta Maier
Fliegengewicht hat's in Deutschland schwer: Das E-Buch.

Elektronische Tinte anstatt Druckerschwärze, Plastikgehäuse statt Pappeinband: Die Deutschen tun sich schwer mit der digitalen Variante des Buches, dem E-Book. Einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) zufolge weiß nur jeder zweite Deutsche, was ein E-Book ist. Und nur ein Fünftel der 1000 im Rahmen der Studie Befragten konnte etwas mit dem Begriff E-Reader anfangen, also einem elektronischen Lesegerät.

Trotzdem geht PwC-Experte Werner Ballhaus davon aus, dass sich das E-Book auch bei den „auf das haptische Erlebnis“ fixierten Deutschen auf lange Sicht durchsetzen wird, wenn auch langsamer als in den USA oder Großbritannien. Er rechnet für das Jahr 2015 allein für die Unterhaltungsliteratur mit Umsätzen von mehr als 350 Millionen Euro und einem Marktanteil von 6,3 Prozent. Besonders für die Lektüre unterwegs und zwischendurch seien E-Books eine „interessante Alternative“.

Noch ein steiniger Weg

Doch bis dahin ist es noch ein steiniger Weg. Die Entwicklung des elektronischen Buchs vom Exoten zum Massenprodukt hat in Deutschland gerade erst begonnen. Ein Problem ist der Preis. Während Anbieter wie Amazon die E-Books ihren US-Lesern durch hohe Rabatte schmackhaft machen, befürchten die deutschen Verlage Einbußen, wenn sie E-Books deutlich günstiger anbieten. So kostet der Studie zufolge ein E-Book-Bestseller derzeit drei Euro weniger als die gebundene Variante, beim Taschenbuch liegt der Preisvorteil des E-Books nur bei 40 Cent.

Zudem ist das Angebot an deutschsprachigen E-Books immer noch viel zu klein, um attraktiv zu sein: Nur rund 100000 Titel können Leser derzeit digital erstehen, das entspricht etwa acht Prozent aller lieferbaren Bücher. Hier stellt sich allerdings die Frage nach der Henne und dem Ei: Die Verlage begründen das spärliche Angebot mit der geringen Konsumenten-Nachfrage.

Nicht von ungefähr rechnet PwC für dieses Jahr in Deutschland beim Geschäft mit belletristischen E-Books deshalb mit einem Gesamterlös von nur 20 Millionen Euro. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beziffert den Anteil von E-Books am Gesamtmarkt für Belletristik auf etwa ein Prozent. Auch der Absatz von E-Readern ist noch kläglich: Die Experten von PwC schätzen, dass sich hierzulande bislang schlappe 50000 bis 80000 Kunden ein elektronisches Lesegerät zugelegt haben.

Die Hersteller der E-Reader drehen nun an der Preisschraube, um dem digitalen Format zum Durchbruch zu verhelfen: So senkte Amazon den Preis für die günstigste Variante seines Kindle-Lesegeräts von 189 auf rund 139 Dollar (etwa 107 Euro). Branchenkenner gehen davon aus, dass die Geräte künftig nicht nur billiger, sondern auch mit Internetzugang und Farb-Display ausgestattet sein werden. Nur dann hätten sie eine Chance, neben der Konkurrenz der Tablet-PCs zu bestehen. Denn mit Produkten wie dem I-Pad von Apple lässt sich nicht nur lesen, sondern auch surfen, spielen oder fernsehen.

Den Tablets wird nach Einschätzung von PwC der Massenmarkt gehören, jeder siebte Deutsche werde in vier Jahren eines besitzen. Das Lesen von E-Books werde bei diesen Nutzern aber eher eine Nebenrolle spielen. Anders als bei den Viellesern. Die dürften sich eher für einen E-Reader begeistern.

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