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E-Autos Klimaneutrale Zukunft in Gefahr

Nach Auffassung der Grünen reagiert die Bundesregierung nicht auf Engpässe in der Fertigung von Batteriezellen.

e-Golf
Motor eines E-Golfs: Batteriezellen sind die wichtigsten Bestandteile von Elektro-Autos. Foto: rtr

Fest steht: Der große Schub für die Elektromobilität kommt. Spätestens in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts wird sich einiges tun. Die Batterien sind das wichtigste Bauteil der E-Autos. Deshalb werde die Nachfrage nach Batteriezellen „künftig weiter steigen“, heißt es auch in der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die der FR vorliegt. Ist der Zeitpunkt nun gekommen, um den Aufbau der Speicherfertigung massiv zu fördern? Die Bundesregierung teilt mit, dass hiesige Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „weiterhin unterstützt werden“. Außerdem würden mit der EU-Kommission Gespräche geführt, „um mögliche Szenarien mit der Industrie auszuloten“.

Den Grünen reicht das nicht. Fraktions-Vize Oliver Krischer wirft der Bundesregierung vor, zu lange die Dieseltechnik gefördert zu haben: „Selbst jetzt, da dieses Versagen offensichtlich wird, scheinen CDU/CSU und SPD nicht ernsthaft willens, eine Batterieproduktion in Deutschland etablieren zu wollen.“ 

Wobei die Sache mit den Akkus komplex ist. Sie werden bislang vor allem in Smartphones, Laptops und anderen elektronischen Geräten eingesetzt. Künftig werden sie nicht nur Pkw in Bewegung bringen, sondern auch verstärkt in Industriebetrieben und Wohnhäusern als stationäre Stromspeicher sowie in der Medizintechnik eingesetzt und für spezielle Werkzeuge benötigt. Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung geht davon aus, dass von 2025 an ein massiver Ausbau der Kapazitäten für die Fertigung von Batteriezellen notwendig wird, um die Nachfrage zu decken. „Nach Kenntnis der Bundesregierung gibt es bereits jetzt in einigen Bereichen Versorgungsengpässe bei Batteriezellen“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage. Zum weltweiten Absatzplus bei E-Autos von gut 30 Prozent auf 1,1 Millionen Stück 2017 kommt ein Boom bei kabellosen Elektrogeräten. 

Akkus werden für E-Autos miteinander verdrahtet

Die Zellen sind die kleinste Einheit der Akkus. Für E-Autos werden sie miteinander verdrahtet und zu Paketen zusammengefügt. Im neuen Tesla Model 3 etwa werden rund 4000 Zellen im Unterboden verbaut.  Da scheint es plausibel, dass Autobauer eine eigene Zellfertigung aufbauen. Doch die wollen davon erstmal die Finger lassen. Denn erstens haben asiatische Hersteller wie LG Chem, Samsung oder Panasonic einen enormen Know-how-Vorsprung. Zweitens sind riesige Investitionen nötig. Um die Stromspeicher zu Weltmarktpreisen herzustellen, braucht es eine Massenfertigung – und dafür muss ein Autobauer mindestens um die vier Milliarden Euro investieren. Drittens forschen Tausende Wissenschaftler und Ingenieure an noch leistungsfähigeren Zellen. Wer jetzt eine Fabrik baut, könnte in drei Jahren technisch Überholtes fertigen. 

Die Gemengelage legt nahe, Förderprogramme auf den Weg zu bringen. Die EU-Kommission bastelt denn auch an einer Batterie-Allianz. Energiekommissar Maros Sefcovic hat als Vorgabe formuliert, dass in der Union in sieben Jahren Produktionskapazitäten von 100 Gigawattstunden jährlich zur Verfügung stehen müssten. Damit können etwa zwei Millionen E-Autos mit Akkus ausgestattet werden. 

Das Wirtschaftsministerium teilt mit, dass das Ziel zwar ambitioniert sei, „aber bei einem entsprechenden industriellen Engagement erreichbar“. Details sind noch unklar. Brüssel setzt stark darauf, dass Autobauer und Zulieferer doch noch selbst die Initiative ergreifen. Darauf vertraut die schwedische Regierung nicht allein. Sie ist bereits in die direkte Förderung eingestiegen: Die Vorzeigefirma heißt Northvolt. Sie will zunächst eine kleine Demonstrationsanlage bauen und diese zu einer Gigafactory erweitern – mit einer Jahreskapazität von 32 Gigawattstunden, was für fast 650.000 Autos langt. 

Das Wirtschaftsministerium verweist indes auf die Firma Terra-E, hinter der Siemens und Thyssen-Krupp sowie mehrere wissenschaftliche Institute stehen. Terra-E wird nach eigenen Angaben vom Bundesforschungsministerium mit 5,5 Millionen Euro gefördert, um „Prozesse für eine Groß-Serienfertigung für Lithium-Ionen-Batterien“ zu entwickeln. 

Für Krischer ist der Einsatz der Bundesregierung in puncto Batterietechnik „allenfalls halbherzig“. Damit gefährdeten Union und SPD nicht nur die Zukunft des Wirtschaftsstandorts, sondern auch die Perspektive, Mobilität klimaneutral zu gestalten. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mobilität

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