Lade Inhalte...

E-Autos Geschäft mit Autobatterien nimmt Fahrt auf

Unternehmen wie Tesla, Samsung und Panasonic sind weltweit führend beim Geschäft mit Stromspeichern. Die deutschen Pkw-Bauer halten sich zurück.

Lithium-Ionen-Batterien
Die silbrig-glänzenden Lithium-Ionen-Batterien, die Rundbatterien für Taschenlampen ähnlich sehen, sind die Kernkomponente für E-Autos Foto: rtr

Für spektakuläre Aktionen ist Elon Musk immer gut. Gerade hat er sich per Twitter bei den Behörden für ein Projekt in Süd-Australien beworben. Innerhalb von 100 Tagen will er einen riesigen Stromspeicher liefern, der dort künftige Stromausfälle verhindern soll. Ein Projekt, das 169 Millionen Dollar schwer ist und zeigt, wie das Geschäft mit Batterien Fahrt aufnimmt.

Sinkende Preise machen es möglich. Dabei sind die Akkus eigentlich für Elektroautos gedacht. In Süd-Australien kommt es immer wieder zu Engpässen bei der Stromversorgung – zuletzt Anfang Februar. Rund 40 Prozent der elektrischen Energie stammen aus erneuerbaren Quellen. Es fehlt an Reserve-Kapazitäten. Musk hat angeboten, extrem schnell Abhilfe zu schaffen. Das ist möglich, weil der Gründer und Chef des Elektro-Autobauers Tesla seit Januar in der sogenannten Gigafactory im US-Bundesstaat Nevada Akkus in großem Stil fertigen lässt.

Die silbrig-glänzenden Lithium-Ionen-Batterien, die den konventionellen Rundbatterien für Taschenklampen ähnlich sehen, sind die Kernkomponente für Elektroautos. Von der Leistungsfähigkeit der Zellen hängen das Gewicht, der Preis und vor allem die Reichweite ab. Das will Musk nicht anderen überlassen. Deshalb investiert er gemeinsam mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic rund fünf Milliarden Dollar. In der Wüste von Nevada sollen vor allem Energiespeicher für den Tesla Model 3 gefertigt werden, dessen Auslieferung wohl Anfang nächsten Jahres startet.

Doch Musk ist dabei, en passant ein Nebengeschäft aufzubauen. Kürzlich hat sein Unternehmen schon einen Großspeicher mit einer Kapazität von 80 Megawattstunden nach Kalifornien geliefert, er soll dort ebenfalls helfen, das Stromnetz zu stabilisieren. Die Kapazität des Riesenbatterie-Packs für Australien soll mit rund 400 Megawattstunden mehr als viermal so groß sein. Noch ist nicht klar, ob das Projekt umgesetzt wird.

Doch es zeigt die rasante Entwicklung bei den elektrischen Speichern. Bislang wurden überall in der Welt Gaskraftwerke eingesetzt, um kurzfristige Engpässe zu beheben. Doch die Akkus sind inzwischen so billig geworden, dass sie mithalten können – da allenthalben die Fertigung für E-Autos hochgefahren wird.

Das wohl ehrgeizigste Projekt ist Teslas Model 3. 3000 bis 4000 Zellen im Unterboden des Autos sollen eine Speicherkapazität von mutmaßlich gut 50 Kilowattstunden und damit den Durchbruch der Elektromobilität auf dem automobilen Massenmarkt bringen. Eine Reichweite von 340 Kilometer will Tesla nach Werksangaben erreichen. Zugleich ist ein Grundpreis von 35.000 Dollar geplant.

Beides zusammen ist nur mit neuen Batteriezellen möglich, die in rauen Mengen hergestellt werden. „Die Massenfertigung führt zu signifikanten Kostensenkungen“, sagt Axel Thielmann vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung. Wenn die Anlage in Nevada fertiggestellt ist, soll die Fertigung einer Gesamtkapazität von 35 Gigawattstunden dort möglich sein. Dies entspricht mehr als einer Verdoppelung der gesamten weltweiten Produktion von Lithium-Ionen-Batterien des Jahres 2013. Immerhin will Musk in der Wüste bald die Akkus für rund 500 000 Pkw pro Jahr herstellen lassen.

Das ist keineswegs das einzige Großprojekt. Derzeit sind nach Schätzung von Experten mehr als ein Dutzend Gigafabriken in Bau und/oder in Planung. Fraunhofer-Experte Thielmann geht davon aus, dass in der nahen Zukunft jedes Jahr künftig Fertigungskapazitäten von gut 15 Gigawattstunden hinzukommen werden.

Chinesische, koreanische und japanische Unternehmen sind weltweit führend: Samsung, LG Chem oder Panasonic verfügen über große Erfahrungen beim Einsatz in sehr vielen Bereichen. Die Großen bauen jetzt in Europa Batteriefabriken, um die hiesigen Autobauer in den nächsten Jahren mit Speichern zu versorgen – LG Chem errichtet gerade ein Werk in Polen, Samsung macht das in Ungarn. Die Folge: Die Experten rechnen damit, dass der Preis der Batterien pro Kilowattstunde bis 2025 auf rund 100 Dollar sinken wird. Derzeit ist er noch mehr als doppelt so hoch.

Und die deutschen Autobauer? Sie wollen demnächst zwar Elektroautos in großer Zahl auf die Straße bringen. Doch das Thema der Batteriezellenfertigung fassen sie mit sehr spitzen Fingern an. Das gilt nach Einschätzung von Experten zumindest für die nächsten vier bis fünf Jahre und zumindest für BMW und Daimler. Die Akkus werden von LG, Samsung oder Panasonic kommen.

Bei Volkswagen wird noch viel diskutiert. Im sogenannten Zukunftspakt haben Management und Betriebsrat immerhin vereinbart, dass im Motorenwerk in Salzgitter, „Kompetenzen und eine Pilotanlage für Batteriezellen und Zellmodule“ aufgebaut werden. Details werden nicht genannt.
Daimler jedenfalls hat schon viel Lehrgeld gezahlt. Ende 2015 wurde die einzige deutsche Batteriefabrik im sächsischen Kamenz dicht gemacht. Die sei schlicht nicht wirtschaftlich gewesen, so Konzernchef Dieter Zetsche. Die dort gefertigten Akkus habe man zu einem „Bruchteil der Kosten“ am internationalen Markt einkaufen können.

Das Problem: Die kritische Masse wurde in Kamenz nicht erreicht – diese liegt nach Einschätzung von Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger bei einer Produktion von zehn bis zwölf Gigawattstunden pro Jahr und Fabrik, was von Autobauern den Mut zu riskanten Investitionen von mehreren Milliarden Euro pro Fabrik verlangt. Da werden dann ganz schnell Größenordnungen von Batterie-Packungen für mehr als 200.000 Fahrzeuge erreicht. Das klingt heute utopisch, ist laut Bernhart für größere Hersteller im Jahr 2025 aber nicht unrealistisch.

Wie sieht es bis dahin mit stationären Speichern als Lückenfüllern aus? Für den Experten von Roland Berger können solche Einsatzgebiete für Autobauer letztlich doch nur Nebengeschäfte bleiben. Zwar tauge die Technik der Autobatterien grundsätzlich auch für stationäre Speicher. Für diese würden aber ansonsten ganz andere technische Parameter gelten. So müssten sie zwar keine Crashtests überstehen können, aber ihre spezifischen Nutzungsprofile seien völlig anders als im E-Auto.

„Priorität hat für die Autobauer, E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, um damit die verschärften Abgasbestimmungen in den Jahren nach 2020 zu erfüllen“, so Bernhart.

Gleichwohl wird die Frage nach den riesigen Lithium-Ionen-Batterien in der Energiebranche derzeit mit viel Eifer diskutiert. Wegen Musks forschen Vorgehens und weil auch hierzulande die ersten Großspeicher kommerziell betrieben werden. Der Kraftwerksbauer Steag etwa hat im vorigen Jahr sechs Lithium-Ionen-Batterien mit einer Gesamtkapazität von gut 120 Megawattstunden für 100 Millionen Euro installiert. Sie werden kurzfristig eingesetzt, um Schwankungen im Netz zu verhindern. Ein bislang einmaliges Projekt in Deutschland. Die Batteriezellen dafür kommen von der südkoreanischen LG Chem.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum