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E-Auto-Pionier Halbleere Batterien bei Tesla

Tesla-Chef Elon Musk gilt als Wunderkind, an den Erfolg seines Unternehmens glaubten viele Investoren blind. Nun aber droht sich das Blatt zu wenden, Tesla wankt.

Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk liebt die große Bühne. Foto: rtr

Jetzt also doch. Tesla-Chef Elon Musk wollte bislang von größeren Einschnitten beim Elektroautobauer nichts wissen. Doch jetzt muss er ankündigen, dass es Massenentlassungen geben wird. Der Elektroauto-Pionier plant, fast jede zehnte Stelle zu streichen. Mindestens 3000 Frauen und Männer von insgesamt mehr als 37.000 Beschäftigten sollen ihren Job verlieren.

Vieles spricht dafür, dass Musk das nicht ganz freiwillig macht. Analysten, Investmentbanker und Börsianer zwingen ihn dazu. Denn bei Tesla hat sich die finanzielle Situation in den vergangenen Monaten extrem zugespitzt. Der einst gefeierte Elektroautobauer schafft es nicht, die Fertigung des Mittelklassewagens Model 3 in großen Stückzahlen zu organisieren. Deshalb fehlt es an Einnahmen. Die waren aber eingeplant, um das Unternehmen aus eigener Kraft weiter am Laufen zu halten. Jetzt sollen in einer Art Radikalkur die Kosten gedrückt werden. Wobei Musk in einer Mitteilung an die Belegschaft betont, dass Beschäftigte, die mit der Fertigung des Model 3 zu tun haben, nicht betroffen sind.

Für Analysten ist klar, dass sich der US-Autobauer an einem extrem kritischen Punkt in seiner Entwicklung befindet. Das Unternehmen hat in seiner 15-jährigen Geschichte bislang drei batteriebetriebene Modelle auf den Markt gebracht: einen Sportwagen, die Oberklasselimousine Model S und das SUV Model X. Damit wurde kein einziger Dollar verdient.

Vielmehr hat Tesla zusammengerechnet Verluste von 5,4 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) eingefahren. Experten erwarten, dass in den nächsten zwölf Monaten weitere 1,3 Milliarden Dollar hinzukommen. Weil endlich die Massenfertigung und der Vertrieb des Model 3 aufgebaut werden müssen.

Was die Lage zusätzlich verkompliziert: Im nächsten Jahr werden Anleihen mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Dollar fällig. Die Ratingagentur Moody’s hat hochgerechnet, dass das Unternehmen sich in den nächsten Monaten mindestens zwei Milliarden Dollar besorgen muss. Diese Zahl hat die Fachleute der Agentur dazu gebracht, die Kreditwürdigkeit des Unternehmens nach unten zu korrigieren. Nun geistern Spekulationen durch die Finanzbranche, dass Tesla die Kapitalmärkte über die Ausgabe neuer Aktien anzapfen will.

Musk hat dies immer wieder zurückgewiesen – eine Kapitalerhöhung würde den Kurs der Aktie weiter belasten. Branchenkenner halten es für wahrscheinlich, dass die Ankündigung der Stellenstreichungen nun Musks Zugeständnis an Börsianer und Banker ist, um zunächst einmal Zeit zu gewinnen. Der Tesla-Chef kündigte an, dass unter anderem bei doppelt besetzten Stellen Jobs gestrichen werden sollen. Die Belegschaft des E-Autobauers ist in den vergangenen zwei Jahren extrem schnell aufgebaut worden.

Musk schreibt in der internen E-Mail an die Beschäftigten: „Profit ist offensichtlich nicht das, was uns motiviert.“ Das Unternehmen werde von der Mission angetrieben, die Transformation zu einer Versorgung der Welt mit nachhaltiger, sauberer Energie voranzutreiben. Doch diese Mission werde Tesla nicht erfüllen können, wenn man nicht beweise, dass das Unternehmen nachhaltig profitabel sein könne. Darin stecke eine nachvollziehbare Kritik an der bisherigen Entwicklung von Tesla.

Dies ist nur ein Teil der Wahrheit: Tesla ist ein Projekt, das nicht nur vom vermeintlichen Wunderkind Musk, sondern stark von Investmentbankern geprägt ist. Der Elektroautobauer erfüllt viele Kriterien, die Börsianer schätzen. Das Unternehmen hat die Rolle des Herausforderers der Etablierten – von General Motors bis Volkswagen – übernommen. Es hat sehr früh die Nische Elektromobilität besetzt. Und das charismatische Showtalent Musk hat die Investmentstory sehr lange überzeugend verkauft. Investoren glaubten ihm, obwohl die Verluste immer größer wurden und Musk die selbstgesteckten Ziele nicht erreichen konnte. Zeitweise war Tesla an der Börse mehr als General Motors und Ford wert.

Das beinahe blinde Vertrauen hat auch damit zu tun, dass Investoren Tesla mit Internetunternehmen wie Google und Amazon gleichsetzten. Letztere haben jahrelang Geschäftsfelder beackert, auf denen sie hohe Verluste einfuhren. Da trotzdem konsequent weiter investiert wurde, haben die Konzerne sich mittlerweile dominierende Positionen erkämpft, die ihnen nun extrem hohe Renditen sichern.

Bei Tesla läuft die Sache aber anders: Zunächst wurden Autos in Kleinserien auf Manufaktur-Niveau mit viel Handarbeit gebaut – damit lässt sich trotz stolzer Verkaufspreise kaum Geld verdienen, insbesondere weil bei E-Autos die Batterien extrem teuer sind. Der große Umschwung soll mit dem Model 3 kommen. Doch damit bewegt sich das Unternehmen in die Welt der Massenproduktion. Es ist extrem anspruchsvoll, das hochkomplexe Räderwerk einer effizienten Fertigung auf die Reihe zu bekommen. Daran beißt sich Musk gerade die Zähne aus. Vor einiger Zeit sprach er von der „Produktionshölle“. Die wöchentliche Produktion des Model 3 lag zuletzt bei 3500 Autos pro Woche. Eigentlich sollten es längst mehr als fünfmal so viel sein.

Zugleich verliert Tesla zusehends seinen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Jaguar und Audi etwa wollen in den nächsten Monaten eigene Elektro-SUV als preiswertere Konkurrenten zum Model X präsentieren. 2019 wollen Autobauer zahlreiche Modelle auf den Markt bringen, die als Rivalen zum Model 3 antreten.

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