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Dürre Klöckner mahnt zur Geduld

Die Bauern wollen Geld, doch die Beurteilung der Ernteschäden ist kompliziert und zeitaufwendig.

Maisernte
Vertrockneter Mais wird auf einem Feld der Genossenschaft Agrarprodukte Kleekamp in Mecklenburg-Vorpommern geerntet. Foto: dpa

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hätte Finanzhilfen von Bund und Ländern für dürregeschädigte Betriebe lieber gestern als heute. Bereits vor Wochen forderte DBV-Präsident Joachim Rukwied rasche Zahlungen von mindestens einer Milliarde Euro, um den Landwirten über Ernteausfälle und steigende Futtermittelpreise hinwegzuhelfen. Allerdings wurde dieses Begehren von Seiten des Berliner Landwirtschaftsministeriums stets mit dem Hinweis auf den Erntebericht beantwortet, der am 22. August vorliegen wird. Erst dann könne man entscheiden, wer wo was von wem erhalten wird.

An dieser Aussage hielt Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) auch am Mittwoch fest, nachdem sie im Kabinett eine erste Zwischenbilanz auf Basis aktueller Länderdaten vorgelegt hatte. Um Hilfsgelder möglichst zielgenau und fair verteilen zu können, müsse man „schon ein bisschen ins Unterholz gehen – ich bitte um Geduld“.

Zu besagtem Unterholz zählen beispielsweise die Schadensmeldungen der einzelnen Bundesländer. Diese entstehen nämlich keineswegs auf Grundlage einheitlicher Kriterien: Manche Länder nennen den absehbaren Gesamtschaden, der den ansässigen Landwirtschaftsbetrieben durch die anhaltende Trockenheit entstanden ist. Andere berücksichtigen lediglich Höfe, deren Erträge um mindestens 30 Prozent unter dem langjährigen Mittelwert liegen. Dritte liefern nur Daten zu einzelnen Anbausorten. Hinzu kommt, dass die landwirtschaftlichen Schäden höchst unterschiedlich über die Republik verteilt sind. Besonders betroffen sind Raps-, Mais- und Getreidebauern sowie Futtermittelbetriebe im Norden und Osten, während die Ausfälle im Südwesten deutlich geringer ausfallen und Obstbauern sowie Winzer eine gute bis sehr gute Ernte erwarten.

Zudem müssen Ernteausfälle mit gleichzeitig gestiegenen Erzeugerpreisen verrechnet werden, um den tatsächlichen Hilfsbedarf zu ermitteln. Beispiel: Eine um 20 Prozent schlechtere Weizenernte kann durch steigende Preise in annähernd gleicher Größenordnung aufgefangen werden.

All das ist zu berücksichtigen, wenn die Länder am 21. August ihre Ernteberichte nach Berlin übermittelt haben. Am darauffolgenden Tag fällt die Entscheidung, ob der Bund überhaupt finanzielle Hilfe leisten darf. Diese ist erst zulässig, wenn die Dürreschäden ein „nationales Ausmaß“ erreichen, die Ausfälle also weiträumig 30 Prozent überschreiten. In welchem Umfang genau die 30-Prozent-Marke gerissen werden muss, sei nicht präzise definiert, so Klöckner: „Für uns ist die Frage maßgeblich, ob Betriebe in Folge der Dürre existenziell bedroht sind.“ Dabei liefere das Hitzejahr 2003 eine „Blaupause“: Damals hatte der Bund eine Soforthilfe von 72 Millionen Euro gezahlt. Bis aber feststeht, ob und wieviel und an wen der Finanzminister diesmal zu zahlen bereit ist, werden Wochen vergehen.

Beschlossen hat das Kabinett aber schon eine Hilfsmaßnahme: Ausnahmsweise sollen ökologische Vorrangflächen bewirtschaftet werden können, um den akuten Futtermittelmangel in vielen Mast- und Milchbetrieben zu lindern. Normalerweise dienen diese Flächen dazu, Artenvielfalt, Boden- und Wasserqualität zu erhalten. Sie müssen mindestens fünf Prozent der gesamten Anbaufläche umfassen, damit ein Betrieb aus Brüssel Agrarsubventionen erhält. In diesem Dürresommer darf dagegen sofort mit der Aussaat von Klee und anderen Futterpflanzen begonnen werden, um dann im Herbst die Ernte einzufahren. Vorausgesetzt, es regnet.

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