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Dürre in Deutschland Bauern rufen nach Hilfe

Das Getreide verkümmert auf den Feldern. Der finanzielle Schaden für die Landwirte ist groß, denn gegen Dürre sind sie nicht versichert. Nun soll die Politik einspringen.

Trockenheit auf Feldern in Niedersachsen
Trockenheit ist das größte Wetterrisiko für Landwirte. Es liegt auch an ihnen selbst, dass keine Versicherungspolice diese Bedrohung abdeckt. Foto: Hauke-Christian Dittrich (dpa)

Die Jahre 1992 und 2003 waren mit wetterbedingten Milliardenschäden schlimm für die heimische Landwirtschaft. „2018 passt in diese Reihe, vielleicht wird es auch schlimmer“, schätzt Rainer Langner. Er ist Vorstandschef des Gießener Spezialversicherers Vereinigte Hagel, der Landwirten hierzulande marktführend Policen gegen schlechtes Erntewetter anbietet.

„Ich fürchte, dass wir die Summe von zwei Milliarden Euro überschreiten werden“, sagt der Experte mit Blick auf die sich abzeichnenden Ernteausfälle. 2,3 Milliarden Euro war der bisherige Negativrekord. Es könnte also eng werden, wenn es auf deutschen Äckern staubtrocken bleibt. Eigentlich schreit die Lage nach einer Versicherung. Aber die gibt es in Deutschland nicht.

Deswegen soll jetzt die Politik ran. „Manche Landesregierungen müssen überlegen, ob sie nicht die Notsituation ausrufen, damit die Landwirte direkte Finanzhilfen erhalten können“, erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, am Freitag. Er erwartet eine vergleichsweise schlechte Getreideernte von 41 Millionen Tonnen. Das Vorjahresergebnis war mit 45,5 Millionen Tonnen bereits unterdurchschnittlich. Am Wochenende teilte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit, dass sie sich des Problems annehme. Auch wenn in erster Linie die Länder zuständig seien, könne bei Ereignissen von nationalem Ausmaß auch der Bund „ausnahmsweise Hilfen leisten“. Die Allgemeinheit könnte am Ende also dafür bezahlen, dass die Bauern nicht ausreichend vorsorgen (können).

Das ist europaweit eine ziemliche Ausnahme, was an der Politik und einer pokernden Agrarlobby liegen dürfte. Die Assekuranz trommelt in Deutschland jedenfalls seit Jahren vergeblich für eine landwirtschaftliche Mehrgefahrenpolice inklusive Trockenheit wie es sie in den Vereinigten Staaten und vielen EU-Ländern gibt. Was Sache ist, beschreibt eine Studie des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) genau.

Zwischen 1990 und 2013 haben demnach Wetterrisiken in Deutschland im Schnitt jährliche Ernteausfälle von 511 Millionen Euro verursacht. Klimabedingt steige die Schadenssumme dabei eher an. Vom jährlichen Durchschnittsschaden entfällt mit 276 Millionen Euro mehr als die Hälfte auf Trockenheit. Es folgt Hagel mit 134 Millionen Euro. Der Rest verteilt sich auf Sturm mit Starkregen, Überschwemmung, Frost.

Gegen Hagel können Landwirte sich in Deutschland gut versichern. Etwa drei Viertel der heimischen Ackerflächen sind hier per Policen abgesichert, sagt Langner. Bei Sturm, Starkregen, Überschwemmung und Frost wird es mit einer Quote von 20 bis 25 Prozent schon deutlich dünner. Eine Police gegen Trockenheit aber, die mit Blick auf das Schadenspotential die wichtigste von allen wäre, gibt es nicht – und das hat Gründe.

Zum einen hat der Gesetzgeber zwar die Versicherungssteuer für Agrarpolicen gegen Hagel, Sturm, Starkregen, Überschwemmung und Frost von 19 auf 0,3 Prozent abgesenkt und sie damit erschwinglicher gemacht. Bei Policen gegen Trockenheit beharrt die Politik hingegen auf 19 Prozent. Noch wichtiger ist aber, dass Bund und Länder im Gegensatz zu weiten Teilen der EU heimischen Bauern den staatlichen Zuschuss zu landwirtschaftlichen Mehrgefahrenpolicen verweigern.

Mit bis zu 70 Prozent werden entsprechende Policen von Frankreich über Italien und Polen bis Spanien, Niederlande und Österreich staatlich bezuschusst, erklärt Langner. Mal werden dazu EU-Agrartöpfe verwendet, mal rein nationale Finanzmittel. Entscheidend ist das vor allem bei Policen gegen Trockenheit. „Das ist ein Kumulrisiko“, erklärt Langner. Er meint damit, dass Dürren im Gegensatz zu anderen Wettergefahren wie Hagel selten lokal begrenzt, sondern oft flächendeckend auftreten und damit Schadenssummen enorm nach oben treiben können. Das macht Policen gegen Trockenheit so teuer, dass Bauern sie sich nicht leisten können. Dazu kommt eine allgemein geringe Versicherungsdichte bei Agrarpolicen.

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