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Lokführer drohen weiter Streik beendet - Streit bleibt

Reisende und Pendler erleben heute Morgen erneut Chaos an den Bahnhöfen: Bis 10 Uhr dauert der Streik der Lokführer, zu der die Gewerkschaft GDL aufgerufen hatte. Betroffen sind vor allem die S-Bahnen. Bereits in der Nacht war der Güterverkehr bestreikt worden.

09.03.2011 22:01
Vor allem die S-Bahnen werden bestreikt - wie hier in Düsseldorf. Foto: dpa

Reisende und Pendler erleben heute Morgen erneut Chaos an den Bahnhöfen: Bis 10 Uhr dauert der Streik der Lokführer, zu der die Gewerkschaft GDL aufgerufen hatte. Betroffen sind vor allem die S-Bahnen. Bereits in der Nacht war der Güterverkehr bestreikt worden.

Die Lokführergewerkschaft hat Ernst gemacht und mit ihrem Streik sowohl den Pendlerverkehr als auch die Gütertransporte empfindlich gestört. Bis Donnerstagmorgen war der Zugverkehr teilweise lahmgelegt. Hessen sei flächendeckend von den Streiks der GDL betroffen. „Es fallen einzelne Züge aus, darunter auch S-Bahnen, aber der Verkehr ist nicht zum Erliegen gekommen“, sagte ein Bahnsprecher in Frankfurt.

Nach Angaben der GDL-Bezirksleitung Hessen streiken in Hessen rund 190 Lokführer im Personenverkehr. „70 Prozent der Züge stehen still“, sagte Karl de Andrade-Huber von der GDL-Bezirksleitung. „Das wird sich verstärkt in den nächsten Stunden auf den Bahnverkehr auswirken“, kündigte er an. Die Reisenden am Frankfurter Hauptbahnhof reagierten größtenteils gelassen auf die Zugausfälle. Die meisten S-Bahnen in Frankfurt fahren - allerdings in längeren Abständen.

Nur noch im 30-Minuten-Takt verkehren die S-Bahnen 1,2 und 8 in Frankfurt. Linie 9 fällt komplett aus. Alle 40 bis 60 Minuten fahren die S-Bahn-Linien 3,4,5,6 und 7. Reisen aus Frankfurt Richtung Mannheim, Gießen, Wiesbaden, Glauburg und Fulda sind durch den Streik erheblich beeinträchtigt. (Aktuelle Reiseinformationen für Hessen).

Aufatmen bis zum nächsten Streik

Die Lokführer haben mit einer Verschärfung ihres Streiks gedroht. „Wer uns kennt, weiß, dass wir sehr weit gehen können. Aber das wollen wir eigentlich nicht, denn wir wollen Verhandlungen“, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, am Donnerstag in Mannheim. Die Arbeitgeber müssten sich bewegen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. Andernfalls werde die Gewerkschaft weiter streiken; der Schwerpunkt werde dabei weiter im Güterverkehr liegen.

Weselsky sprach von einer sehr guten Streikbeteiligung. Insgesamt seien 90 Prozent des Güter- und 80 Prozent des Personenverkehrs betroffen. Er könne den Ärger von Reisenden verstehen, erlebe aber auch Verständnis. „Die GDL wird nun eine Pause machen, damit sich die Arbeitgeber besinnen können.“

S-Bahnen in Großstädten betroffen

Stark betroffen sind die S-Bahnen in Berlin, Hamburg, München, Nürnberg, Köln und Stuttgart, wie die Deutsche Bahn am mitteilte. Auch im Regionalverkehr gab es in ganz Deutschland Behinderungen. Der anlaufende Fernverkehr wurde ebenfalls bestreikt.

In Köln fuhren viele S-Bahnen und Nahverkehrszüge nicht. Auch im Fernverkehr kam es teilweise zu erheblichen Verspätungen. Nach Angaben des GDL-Bezirksvorsitzenden in NRW, Frank Schmidt, streikten am Morgen in NRW rund 120 Lokführer im Personen- und rund 80 im Güterverkehr. Betroffen seien vor allem die Bahnhöfe in Köln, Düsseldorf, Essen und Dortmund, weil dort viele Tarifkräfte arbeiteten. Etliche Züge seien gar nicht erst aus ihren Depots gefahren, betonte Schmidt. Zudem betonte der GDL-Vertreter, dass die Resonanz auf den Streikaufruf „gut“ sei - im laufenden Tarifkonflikt ist es bereits die vierte Streikaktion der GDL.

„Die Auswirkungen wird man den ganzen Tag lang spüren“, sagte ein Bahnsprecher. „Auch nach 10 Uhr, wenn der Warnstreik beendet ist.“ Nach Auskunft der Polizei haben die Streiks am frühen Morgen aber nicht zu mehr Autoverkehr auf den Straßen von NRW geführt.

Verkehr "praktisch tot"

In Sachsen und Sachsen-Anhalt kam der Zugverkehr nach GDL-Angaben quasi zum Erliegen. «Am Hauptbahnhof in Leipzig bewegt sich so gut wie kein Zug», sagte Peter Taschenberger von der GDL. Auch Halle war weitgehend lahmgelegt, am dortigen Hauptbahnhof versammelten sich 70 streikende Lokführer. Bei der S-Bahn Berlin fuhren fast keine Züge. Die Außenäste des Netzes seien «praktisch tot», sagte der stellvertretende GDL-Landesbezirksvorsitzende, Klaus-Peter Schölzke. In Norddeutschland legten auch zahlreiche Lokführer der Nord-Ostseebahn (NOB), AKN Eisenbahn und Metronom die Arbeit nieder.

240 Güterzüge betroffen

Im Güterverkehr sind der Bahn zufolge seit Streikbeginn rund 300 Güterzüge nicht gefahren. Die Versorgung von Kraftwerken, Hochöfen und anderen zentralen Industrien sei dennoch gewährleist, hieß es.

Auch nach Ende der Streiks erwartet die Bahn noch bis in den Abend Behinderungen. Der Konzern hat nach eigenen Angaben mehrere Hundert zusätzliche Mitarbeiter an den Bahnhöfen, der telefonischen Reisendeninformation sowie in den Betriebszentralen und Transportleitungen eingesetzt.

Die GDL hatte den Ausstand um 4 Uhr auch auf den bundesweiten Personenverkehr ausgeweitet. Bereits seit Mittwochabend befinden sich die Lokführer im Güterverkehr im Ausstand. Der Doppelstreik soll um 10 Uhr zu Ende gehen. Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) fordert einen einheitlichen Tarifvertrag für alle Lokführer, bessere Absicherung bei Berufsunfähigkeit und höhere Gehälter.

Es handelt sich um den bislang heftigsten Streik im laufenden Tarifstreit. Am Montag hatte die GDL bekannt gegeben, dass mehr als 90 Prozent ihrer Mitglieder in einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik votierten. Kernforderung sind einheitliche Einkommen auf dem Niveau des Marktführers DB sowie fünf Prozent Aufschlag auch bei den großen Wettbewerbern Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn für die 26.000 Lokführer.

Laut GDL haben sich am Streik im Güterverkehr bundesweit über 500 Lokführer beteiligt. Das habe zur Folge gehabt, dass über 600 Güterzüge ausfielen oder sich über Stunden verspäteten. Ein Schwerpunkt der Streiks seien die neuen Bundesländer und der Rangierbahnhof Maschen bei Hamburg gewesen, aber auch auf wichtigen Rangierbahnhöfen in Süddeutschland sei es zu Streikaktionen gekommen.

Längerer Streik Katastrophe

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sorgt sich angesichts des angekündigten Lokführerstreiks um die deutsche Wirtschaft. „Wenn die Lokführer den Güterverkehr bestreiken, dann ist das eine Katastrophe“, sagte BGA-Präsident Anton Börner am Mittwoch.

„Der deutschen Exportwirtschaft drohen bei einem Güterverkehrsstreik der Lokführer Einbußen in Milliardenhöhe“, sagte Börner. Ein Tag Streik tue zwar noch nicht weh, aber ab dem dritten Tag käme es zu ersten Engpässen. „Stehen die Züge fünf Tage still, kostet das täglich an die 100 Millionen Euro“, so Börner. Ein Streik von zwei Wochen Dauer verursache Einbußen von 200 Millionen Euro täglich. Auch die Stahlbranche sieht angesichts des Lokführerstreiks schwarz. „Wir sind der beste Kunde der Eisenbahn in Deutschland“, sagte Eva Ramrath, Sprecherin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, der Frankfurter Rundschau. „Ein längerer Streik im Schienengüterverkehr würde den Unternehmen erhebliche Probleme bereiten.“

Aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hat vor allem die Just-in-time-Produktion die Wirtschaft anfällig für solche Streikaktionen gemacht. „Dauert ein Streik länger, kann die Produktionskette unterbrochen werden“, sagte DIHK-Experte Patrick Thiele. Das könne gravierende Folgen haben, unter anderem, weil deutsche Firmen ihre Kunden zu verlieren drohen.

Käßmann soll es richten

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat angesichts der verhärteten Fronten im Bahntarifstreit die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann als Mediatorin vorgeschlagen. „Frau Käßmann wäre sicherlich jemand von einer hohen Integrität“, sagte der Verbandsvorsitzende Karl-Peter Naumann dem Sender MDR Info. Er glaube nicht, dass das ohne einen Mediator funktioniere. Beide Seiten stünden sich in der Auseinandersetzung sehr unversöhnlich gegenüber, sagte er nach einem Treffen bei Bahn-Chef Rüdiger Grube am Mittwochabend. (FR/Peter Kirnich, dapd)

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