Lade Inhalte...

ICE Alstom klagt gegen Siemens-Züge

Der Streit um den Eurotunnel-ICE löst in Frankreich protektionistische Reflexe aus. Der Bahntechnikkonzern Alstom hat beim britischen Gerichtshof in London Klage gegen die Bestellung von Siemens-Zügen durch den Bahnbetreiber Eurostar eingereicht.

20.10.2010 21:05
Peter Kirnich und Axel Veiel
Vor wenigen Tagen hat Eurostar Siemens zum bevorzugten Bieter seiner neuen Zuggeneration erklärt. Siemens soll zehn Züge des ICE-Nachfolgers Velaro an Eurostar liefern. Foto: REUTERS

Die Vorstellung, dass deutsche Siemens-Züge künftig den Eurotunnel durchqueren, hat in Frankreich protektionistische Reflexe wiederbelebt. Gestern reichte der französische Bahntechnikkonzern Alstom beim britischen Gerichtshof in London Klage gegen die Bestellung von Siemens-Zügen durch den Bahnbetreiber Eurostar ein.

Das französisch-britisch-belgische Unternehmen betreibt seit 1994 die Bahnlinie unterm Ärmelkanal. Vor wenigen Tagen hatte Eurostar Siemens zum bevorzugten Bieter seiner neuen Zuggeneration erklärt. Siemens soll zehn Züge des ICE-Nachfolgers Velaro an Eurostar liefern. Wert: 600 Millionen Euro.

Damit droht Alstom ein auch für die Zukunft sicher geglaubtes Monopol zu verlieren. Denn bisher besteht die Flotte von Eurostar ausschließlich aus TGV-Zügen von Alstom. Ausgerechnet der Siemens-Konzern, der mit Bestellungen für den Velaro bereits in China, Spanien und Russland zuletzt gleich mehrfach gepunktet und den französischen Konkurrenten ausgebootet hatte, soll nun auch noch auf einer wichtigen Hausstrecke von Alstom zum Einsatz kommen.

Der Schmerz der Franzosen

Wie weh das den Franzosen tut, beweist der Aufschrei des französischen Verkehrsstaatssekretärs Dominique Bussereau. „Der Auftrag ist null und nichtig“, behauptet er. Der ICE genüge nicht den für den Tunnel geltenden Sicherheitsvorschriften. Allein der TGV erfülle diese Voraussetzungen, weil er vorn und hinten mit Triebköpfen bestückt, 400 Meter lang und durchgängig begehbar sei.

Das sieht der Chef des Eurotunnel-Betreibers, Jacques Gounon, anders. Die über alle Achsen angetriebenen Velaro-Züge von Siemens seien sicherheitstechnisch nicht zu beanstanden, sagte er: „Warum sollten sie also nicht durch den Tunnel fahren?“ Zumal auch Alstom Eurostar neue Züge mit dem gleichen Antriebskonzept angeboten habe.

Ein erster Evakuierungstest der Deutschen Bahn (DB) mit dem Velaro-Vorgänger ICE3 verlief jedenfalls vergangenen Sonntag erfolgreich und hat damit vorerst weitere Bedenken ausgeräumt. Die DB will ab 2013 ebenfalls mit dem Velaro eine regelmäßige Verbindung zwischen Frankfurt am Main und London anbieten. Dies macht den Ärger der Franzosen perfekt. Der SPD-Verkehrsexperte im EU-Parlament, Ismail Ertug, begrüßt die neue Konkurrenz. „Das macht den nicht ausgelasteten Tunnel rentabler, vermeidet künftig viele Flüge und könnte auch noch für sinkende Ticketpreise sorgen“, sagte Ertug der Frankfurter Rundschau.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mobilität

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen