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Pferdefleisch-Skandal Deutschland von Fleisch-Skandal betroffen

Ein niederländischer Großhändler soll tausende Tonnen Pferdefleisch falsch deklariert verkauft haben. 124 deutsche Betriebe haben die Ware wohl bezogen.

Pferdefleisch falsch deklariert: der Großhändler Willy Selten. Foto: rtr

Ein niederländischer Großhändler soll tausende Tonnen Pferdefleisch falsch deklariert verkauft haben. 124 deutsche Betriebe haben die Ware wohl bezogen.

Der niederländische Fleischverarbeiter Willy Selten soll Pferdefleisch mit Rindfleisch vermengt und die falsch deklarierte Ware dann an Kunden in der ganzen EU verkauft haben. Besonders betroffen davon sind offenbar Abnehmer in Deutschland.

124 deutsche Betriebe in praktisch allen Bundesländern hätten Ware von Willy Selten bezogen, teilte das  Bundesverbraucherschutzministerium am Donnerstag mit. Betroffen sind unter anderem ein Betrieb in Berlin sowie fünf in Brandenburg. Insgesamt wurde Ware an 500 Betriebe in 16 EU-Staaten verkauft.

Keine Arzneimittel feststellbar

Die verdächtigen Geschäfte liefen seit Anfang 2011 und flogen erst Mitte Februar dieses Jahres auf. In dem Zeitraum soll Willy Selten geschätzt 50 Millionen Kilo falsch-deklariertes Fleisch aus  teilweise unbekannter Herkunft verkauft haben. Das entspricht der Ladekapazität von 1250 großen Lastwagen.  Die Lieferungen gingen nach Angaben der Behörden vor allem nach Deutschland, Frankreich, Portugal und Spanien. Auch 132 niederländische Betriebe bezogen Ware von Willy Selten.

Das meiste Fleisch dürfte nach Angaben der Lebensmittelsicherheitsbehörde des Königreichs bereits  verzehrt worden sein. Grund zur Besorgnis gibt es aber offenbar nicht. Die Behörde hat keine Anhaltspunkte gefunden, dass das Fleisch gesundheitsgefährdend sein könnte. Sämtliche Tests auf Arzneimittelrückstände in  Pferdefleisch seien negativ ausgefallen.

In Deutschland sollen nun die  für Lebensmittelkontrollen zuständigen Überwachungsbehörden der Bundesländer die Rückverfolgung möglicherweise falsch etikettierter Ware einleiten. Wenn noch betroffene Ware gefunden wird, soll diese vorsorglich vom Markt genommen werden.

"Umfassende betrügerische Kette"

 Bei den bevorstehenden Untersuchungen werde sich zeigen, so das Bundesverbraucherschutzministerium, ob es Überschneidungen mit bereits bekannten Fällen von falsch deklariertem Pferdefleisch gibt. In Deutschland wird seit Mitte Januar intensiv nach falsch deklariertem Pferdefleisch gesucht. Damals war der Pferdfleisch-Skandal in Irland und Großbritannien aufgeflogen.

Die EU-Kommission sprach am Donnerstag von einer „umfassenden betrügerischen Kette“, die die Niederländer aufgedeckt hätten. Firmennamen nannte sie allerdings nicht. Gegen Willy Selten ermitteln die Behörden wegen Fälschung, Betrug und Geldwäsche. Das Unternehmen ist seit Mitte März insolvent. Nach der Razzia im Februar hatte der Geldgeber Rabobank die Finanzierung des Unternehmens eingestellt.

Der verdächtige Unternehmer bestreitet die Vorwürfe und will rechtlich gegen die Behörde vorgehen.  Das Fleisch könne man normal essen, sagte sein Anwalt. Der Handelsverband Deutschland forderte derweil die Politik zum Handeln auf.  Die staatlichen Kontrollen müssten besser vernetzt und die Zahl der Kontrolleure erhöht werden, sagte Geschäftsführer Stefan Genth. Foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt sagte, der Fall zeige in „erschreckender Deutlichkeit, dass bestehende Gesetze nicht durchgesetzt werden“.

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