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Lebensmittel-Lügen Top-Ten der Täuschungen

Ein Blick - 1,4 Sekunden - dann ab in den Einkaufswagen: So kauft der durchschnittliche Verbraucher ein. Nur doof, dass die eigentlichen Inhaltsstoffe mancher Produkte auf diese Weise nicht zu erkennen sind. Die Verbraucherzentrale stellt ihre Ratgeber zu Mogeleien bei Lebensmitteln vor.

Täuschung oder Wahrheit können Verbraucher beim Einkauf oft nur schwer auseinanderhalten. Foto: picture alliance / dpa

Ein Blick - 1,4 Sekunden - dann ab in den Einkaufswagen: So kauft der durchschnittliche Verbraucher ein. Nur doof, dass die eigentlichen Inhaltsstoffe mancher Produkte auf diese Weise nicht zu erkennen sind. Die Verbraucherzentrale stellt ihre Ratgeber zu Mogeleien bei Lebensmitteln vor.

Erdbeer-Drinks ohne Erdbeeren, mehr Schweinefleisch als Schaf in der Lamm-Salami und „regionale“ Produkte, die allenfalls einmal quer durch die Region gefahren wurden – so sehen typische „Lebensmittel-Lügen“ aus, wie sie die Verbraucherzentrale zusammengetragen und in einem gleichnamigen Ratgeber veröffentlicht hat.

„Diese Beispiele stehen für alles andere als klare und wahre Produktbezeichnungen, wie sie sich die Kunden wünschen“, sagt Jutta Gelbrich von der Verbraucherzentrale Hessen (VZH) in Frankfurt, wo der neue Ratgeber am Dienstag vorgestellt wurde. Es geht dabei nicht um Betrug im juristischen Sinne, denn die aufgelisteten Produktbeispiele befolgen allesamt die gesetzlichen Regelungen. „Im Lebensmittelrecht gibt es allerdings zahlreiche Lücken, die vieles erlauben, was Verbraucher als Täuschung empfinden“, erläutert Verbraucherschützerin Gelbrich.

Auf einen Blick

Auf rund 230 Seiten informiert der Ratgeber über einschlägige Tricks und Mogeleien der Food-Branche, erläutert die gesetzlichen Grundlagen für Lebensmittel-Marketing und listet vor allem die Top Ten der Verbrauchertäuschungen auf.
Dazu gehören wohlklingende Produktnamen, die mit tatsächlichen Inhalten nur wenig zu tun haben, wie etwa der „Kräuter-Sommer“, eine Limonade, die von Kräutern keine Spur enthält. Kritisch hinterfragen sollten Verbraucher auch Angaben, die Fitness oder Gesundheit versprechen, rät VZH-Beraterin Andrea Schauff. Bei Angaben wie „viele Vitamine“ oder „Extra-Portion Milch“ zeige die Nährwerttabelle, dass auch sie oft zu viel Zucker oder Fett enthielten.

Andere Lebensmittel enthalten dagegen Zutaten, wie man sie dort kaum vermuten dürfte. So wird der Shrimps Salat von Vitakrone mit Alkohol zubereitet, Weinbrand und Sherry gehören zur Rezeptur. Auf der Zutatenliste sind diese zwar ausgewiesen, beim zumeist flüchtigen Blick auf das Etikett fallen sie aber nicht ins Auge. „Durchschnittlich betrachtet ein Kunde ein Produkt 1,4 Sekunden, bevor er es in den Einkaufswagen legt“, berichtet Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. „Deshalb muss er auf einen Blick erfahren können, was er da kauft.“

Der Ratgeber speist sich aus einem Onlineportal, das die Verbraucherzentralen vor knapp zwei Jahren eröffnet haben. Dort können Kunden melden, wenn sie sich durch Produkte getäuscht fühlen. Die Autorinnen von „Lebensmittel-Lügen“, Claudia Weiß und Birgit Klein, betreuen als Redakteurinnen dieses Portal. Bislang sind dort rund 7300 Meldungen eingegangen.

„Es geht uns bei dem Ratgeber allerdings nicht darum, bestimmte Produkte anzuprangern“, sagt Gelbrich. Ziel sei es aufzuklären, Bewusstsein zu wecken und so das Kundenverhalten zu beeinflussen. „Die Menschen sollen selbst entscheiden können, was sie essen möchten und was nicht“, sagt Gerd Billen.

Größere Schrift und Siegel

Billen appellierte an Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), sich für Reformen einzusetzen. „Wir brauchen Klarstellungen auf der gesetzlichen Ebene.“ So sei ein Siegel für wirklich regional hergestellte Produkte sinnvoll. Tatsächliche Zutaten sollten klar erkennbar sein. „Auch eine größere Schrift auf den Etiketten, die man ohne Lupe lesen kann, spielt dabei eine Rolle“, so Billen. Die Ministerin müsse dies in Brüssel vortragen, um europaweite Lösungen zu erreichen. Einen nationalen Alleingang hält Billen wegen der offenen Märkte nicht für sinnvoll.

Die Top-Ten herunterladen und Täuschung melden: www.lebensmittelklarheit.de. Das Buch (9,90 Euro) auf www.ratgeber-verbraucherzentrale.de

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