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Lebensmittel Antibiotika in Huhn und Schwein

Die Agrarwirtschaft stellt die ersten Ergebnisse eines Antibiotikamonitorings vor. Das zeigt, dass die Vergabe von Antibiotika in Hühner- und Schweinemast keineswegs die Ausnahme ist.

Masthühner erhalten durchschnittlich während eines Viertels ihrer Lebenszeit Antibiotika. Foto: dpa

Die Wirtschaft nehme die Besorgnis der Verbraucher über die Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung ernst, erklärte der Geschäftsführer von QS „Qualität und Sicherheit GmbH“, Hermann-Josef Nienhoff im Januar 2012. QS kennen die Verbraucher als Qualitätssiegel für Lebensmittel. Das Unternehmen prüft Fleisch, Wurst, Obst, Gemüse und Kartoffeln im Auftrag des Lebensmittelhandels und wird getragen von fünf Verbänden der Land- und Ernährungswirtschaft.

Am Donnerstag stellte QS die ersten Ergebnisse eines Antibiotikamonitorings vor. Alle 2?600 von QS zertifizierten Geflügelmastbetriebe und 25000 Schweinemäster legten im vergangenen Jahr offen, wie viel und wie häufig sie in ihren Betrieben Antibiotika einsetzen. Nachweisen lässt sich nun, dass die Vergabe von Antibiotika in der Hühner- und Schweinemast üblich und keineswegs die Ausnahme ist. Lediglich 17 Prozent der Geflügelmäster verzichten auf den Einsatz. 83 Prozent aller untersuchten Geflügelbestände und 76 Prozent aller Schweinebestände wurden dagegen mit Antibiotika behandelt. Masthühner erhalten durchschnittlich während eines Viertels ihrer Lebenszeit Antibiotika.

Dauermedikation ist die Regel

„Die Dauermedikation ist gerade in Geflügelbetrieben zur Regel geworden“, erklärte der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff dieser Zeitung. „Das hat nichts mehr mit der Behandlung kranker Tiere zu tun.“ Antibiotika würden vielmehr in den Großmästereien, die einen Bestand von 40000 Hähnchen pro Stall und Mastdurchgang haben, prophylaktisch und zur Leistungsförderung verabreicht, so Ostendorff. „Beides ist verboten.“

Die Ergebnisse des QS-Monitorings sind weitgehend deckungsgleich mit denen einer Studie, die das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen bereits 2011 in Auftrag gegeben hatte. Künftig soll eine bundesweite Datenbank erfassen, welche Tierhalter wie oft Antibiotika einsetzen, um dem unkontrollierten Gebrauch Einhalt zu gebieten. So sieht es die Novelle des Arzneimittelgesetzes vor, die Bundesagrarministerin Ilse Aigner auf den Weg brachte.

Die Novelle hatte der Bundestag bereits Ende Februar verabschiedet, sie landete aber wegen zahlreicher Änderungswünsche aus den Ländern schließlich im Vermittlungsausschuss des Bundesrates. Für Ostendorff bestätigen die Daten von QS die Dringlichkeit einer gesetzlichen Neuregelung. Das neue Arzneimittelgesetz sorge nur allerdings nur für „marginale Verbesserungen“, kritisiert er.

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