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O2 Börsengang Neue Fantasien im Mobilfunk

O2 feiert sein Börsendebüt mit Kursgewinnen. Das ist vor allem gut für den Mutterkonzern Telefonica. Denn der ist mit Schulden von knapp 58 Milliarden Euro so stark in den Miesen wie kein anderes europäisches Telekomunternehmen.

Telefonica-Deutschland-Boss René Schuster läutet zum Börsengang - unter dem Beifall des Telefonica-Vorsitzenden Cesar Alierta. Foto: REUTERS

Auf dem Frankfurter Börsenparkett war am Dienstagmorgen vom Eisbrecher die Rede. Es geht nicht um ein Schiff, sondern um ein Telekom-Unternehmen: Telefonica Deutschland. Endlich kann die Deutsche Börse wieder einen großen Börsengang feiern, sogar den größten seit 2007 – und zwar in einem Jahr, in dem es ziemlich mau aussieht bei den Neulingen für den Kurszettel. „Dieses Signal haben wir gebraucht“, hieß es auf dem Parkett.
Viele wollten den erfolgreichen Börsengang, nicht nur die Manager der Deutschen Börse, um zu demonstrieren, dass selbige noch immer eine funktionstüchtige Einrichtung zur Geldbeschaffung für Unternehmen ist. Die spanische Mutter brauchte ein vorzeigbares Initial Public Offering (IPO) am allermeisten. Vor allem, um Kasse zu machen.

Mit Schulden von knapp 58 Milliarden Euro ist Telefonica so stark in den Miesen wie kein anderes europäisches Telekomunternehmen. Mit der Ausgabe von knapp 259 Millionen Aktien à 5,60 Euro nahm Telefonica 1,45 Milliarden Euro ein. Das Geld soll zur Verringerung der Verbindlichkeiten genutzt werden. Der Börsengang war zugleich eine vertrauensbildende Maßnahme, die an die Adresse der Akteure auf dem Finanzmarkt gerichtet ist. Die Spanier wollten damit beweisen, wie handlungsfähig sie trotz schwerer Krise in ihrem Land sind.
Weil es ein Erfolg auf Teufel komm raus werden musste, wurde der Ausgabepreis pro Papier mit 5,60 Euro relativ niedrig angesetzt – zugleich ein Garant dafür, dass der Kurs am ersten Handelstag zeitweise um gut vier Prozent auf 5,84?Euro zulegte. Ein weiterer Faktor ist ein großzügiges Dividendenversprechen. 500 Millionen Euro sollen im nächsten Jahr an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Das entspricht einer Dividendenrendite von etwa acht Prozent. Das ist angesichts des niedrigen Zinsniveaus höchst attraktiv für Anleger. Wobei der größte Batzen an die spanische Mutter fließt, die noch 77 Prozent der Anteile hält.
Die hohe Ausschüttung muss sein, da Telekom-Firmen zunehmend in die Rolle von Versorgern rutschen – das sind Unternehmen, die zwar stetig Einnahmen generieren, denen aber zugleich keine allzu großen Sprünge bei den Gewinnen zugetraut werden. Das gilt auch für Telefonicas wichtigste hiesige Marke, den Mobilfunker O2.

Heftiger Preiskampf um die Gebühren

In Deutschland tobt bei den Gebühren ein heftiger Preiskampf. O2 hat es als kleinster der vier Netzbetreiber da nicht leicht. Telefonica-Deutschland-Boss René Schuster gibt sich gleichwohl offensiv, er kündigte gestern an, neue Kunden mit günstigen Smartphones unter 50 Euro zu gewinnen. Zusätzliche Einnahmequellen könnten auch mit dem umstrittenen Verkauf von Kundendaten erschlossen werden.
Finanzchefin Rachel Empey hatte es zudem schon vorige Woche geschafft, die Fantasien der Anleger zu beflügeln, als sie von immensen Kostensenkungen im Falle einer Kooperation beim Betreiben der Netze mit dem Rivalen E-Plus sprach. Seither wird wieder über das diskutiert, was seit Jahren Gegenstand von Spekulationen ist: nicht nur eine Kooperation, sondern die Fusion von O2 und E-Plus. So hat Telefonica Deutschland es geschafft, sich als neuen Hoffnungswert zu verkaufen.

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