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Dioxin im Fisch Von wegen Aal

Der Dioxin-Skandal hat der Bio-Branche eine rasant gestiegene Nachfrage beschert. Viele Konsumenten steigen auch auf Fisch um. Doch der darf laut EU-Verordnungen mehr Dioxin enthalten als Fleisch, sonst wäre er teilweise unverkäuflich.

Magerfisch wie Seelachs gilt als Dioxin-unverdächtig. Foto: ddp

Der Dioxin-Skandal hat der Bio-Branche eine rasant gestiegene Nachfrage beschert. Viele Konsumenten steigen auch auf Fisch um. Doch der darf laut EU-Verordnungen mehr Dioxin enthalten als Fleisch, sonst wäre er teilweise unverkäuflich.

Wer aus Furcht vor dioxinhaltigem Fleisch neuerdings mehr Fisch isst, sollte aufpassen, dass er nicht vom Regen in die Traufe gerät: Zumindest fette Fischarten können höher mit Dioxinen belastet sein als Fleisch. Vor allem Flussaal sollte nur selten auf den Tisch kommen.

Das Umweltbundesamt hat für 2004 bis 2007 die durchschnittliche Konzentration von Dioxinen, Furanen und dioxin-ähnlichen PCB-Stoffen in Lebensmitteln aufgelistet. Bei Schweinen enthielt jedes Gramm Fett 0,6 Pikogramm (pg) dieser Gifte. Bei Geflügel waren es 1,4 pg, bei Rindern 1,8 pg pro Gramm Fett. Ein Pikogramm ist ein Billionstel Gramm.

Bei Fischen wird die Belastung nicht im Verhältnis zum Fettanteil, sondern zum „Frischgewicht“ gemessen, also zum Gesamtgewicht. Das ergibt bei gleicher Belastung eine niedrigere Zahl. Dennoch liegen die Werte bei fetten Fischen oft höher als bei Schlachtvieh und Geflügel: Für Lachs, Makrele und Heilbutt ermittelte die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel Werte von zwei bis drei pg pro Gramm Frischgewicht. Weitaus weniger belastet sind die Magerfische Kabeljau, Seelachs, Alaska-Seelachs und Scholle: Da liegt die mittlere Konzentration unter 0,3 pg/g.

Das sind die Mittelwerte. Die einzelnen Ergebnisse differieren stark: Tests aus Rheinland-Pfalz ergaben bei Proben aus der Lahn Konzentrationen zwischen 2,1 und 6,4 pg/g, bei Rhein-Fischen zwischen 2,0 und 45 pg/g – ohne die besonders belasteten Aale.

Zum Vergleich: Der EU-Grenzwert für Fische außer Aal liegt bei 8 pg/g. Für Aale wurde extra ein höherer Wert (12 pg/g) festgesetzt, aber selbst der wird in der Praxis meist überschritten: EU-weite Messungen ergaben einen Mittelwert von 27 Pikogramm pro Gramm Frischgewicht.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR schätzt die Lage so ein: In „handelsüblichem Fisch“ seien die Gehalte an Dioxinen, Furanen und dioxinähnlichen PCB „üblicherweise um ein Vielfaches geringer“ als erlaubt. Wer ein-, zweimal pro Woche Fisch esse, dabei magere oder halbfette Sorten bevorzuge, der laufe keine Gefahr. Problematisch sei die Lage bei Personen, die „über längere Zeit in hohen Mengen fette Fische wie Lachs, Makrele und insbesondere Aal verzehren“ – etwa Sportangler. „Für alle anderen Verbraucher gilt weiterhin, dass Fisch ein hochwertiges Lebensmittel ist, das einen wichtigen Beitrag für eine gesunde Ernährung leisten kann“, so das BfR.

Regina Aschmann von der Verbraucherzentrale Bremen kritisiert, dass die erlaubten Höchstgehalte für Fische viel höher seien als für Fleisch. So dürfe ein fetter Fisch 40-mal mehr Dioxin enthalten als ein mageres Schweinefilet. Offenbar hat sich die EU dabei am Machbaren orientiert. Würden für die Meeresbewohner dieselben Grenzwerte gelten wie für Landtiere, dürften viele von ihnen nicht mehr verkauft werden, meint die Verbraucherschützerin. Das bestätigte auch ein Sprecher des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Bei der Grenzwertbildung spiele die vorhandene Grundbelastung eine wichtige Rolle. „Sonst müssten Sie die Ostsee schließen.“

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