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Kommentar zur Eurozone Auch die Deutschen tricksen

Griechenland mogelt sich in die Eurozone - und US-Banken verdienen daran. Ein Skandal? Ja. Aber die Deutschen sollten sich nicht aufregen. Denn sie tricksen ähnlich. Was das lehrt, sagt Robert von Heusinger.

16.02.2010 00:02
Robert von Heusinger ist stellvertretender Chefredakteur und Wirtschaftschef der DuMont-Redaktionsgemeinschaft. Foto: FR

Das ist der Stoff, aus dem wahre Aufreger werden. Die listigen Griechen betrügen, die bösen Investmentbanker von Goldman Sachs und andere verdienen daran, weil sie beim Verschleiern helfen und natürlich klappt das Ganze nur, weil die brandgefährlichen Derivate, auch Swaps genannt, im Spiel sind. Pfui Teufel, mag da der biedere Deutsche rufen und sich empört abwenden. Doch Obacht, so einfach ist es nicht.

Hat Deutschland nicht auch getrickst? Na klar! Und wie? Deutschland hat Aktien der Telekom und der Post an die staatseigene Bank KfW verkauft und die Parkerlöse als Privatisierungserlöse verbucht. So hat schon CSU-Finanzminister Theo Waigel das Schuldenstandskriterium der Währungsunion zu erfüllen versucht!

Dabei waren die Erlöse ganz unecht, denn die KfW hat die Aktien nur gehalten, das Risiko fallender Kurse blieb genauso beim Bund wie die Dividendeneinnahmen. Es war eine reine Umbuchung, die aber zu hohen Zahlungen an den Staatshaushalt führte. Wie bezeichnen Investmentbanker sowas? Als Repo oder Swap!

Die Debatte ist verlogen. Warum tricksen denn alle? Weil die Deutschen den Stabilitätspakt als Voraussetzung zur Teilnahme am Euro durchgeboxt haben. Dort stehen die Zahlen drei Prozent für das laufende Budget und 60 Prozent für den Schuldenstand nun mal drin. Und jeder, der mitmachen wollte, musste unter diesen Marken durchkommen.

Eine Währungsunion, deren Koordinierung auf zwei Zahlen statt auf einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik beruht, ist zum Scheitern verurteilt. Nichts anderes belegt der Fall Griechenland.

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