Lade Inhalte...

Island Kaupthing steht unter Aufsicht

In Island ist der gesamte Bankensektor unter staatlicher Kontrolle. Das Land garantiert für heimische Einlagen - für deutsche Kunden ist die Internetbank Kaupthing nicht erreichbar.

09.10.2008 00:10
In Island ist nun der gesamte Bankensektor unter staatlicher Kontrolle. Das Land garantiert für heimische Einlagen, was aber mit ausländischen Kunden der Internetbank Kaupthing Edge geschieht, ist völlig offen. Foto: rtr

In Island ist nun der gesamte Bankensektor unter staatlicher Kontrolle. Am Donnerstag übernahm die Finanzaufsicht auch die Leitung der größten Bank Kaupthing, nachdem in den Tagen zuvor die beiden anderen großen Finanzinstitute Glitnir und Landsbanki verstaatlicht worden waren. Während die Regierung in Reykjavik versichert, dass die heimischen Einlagen voll garantiert seien, besteht Unklarheit über die Stellung der ausländischen Kunden der Internetbank Kaupthing Edge, die mit Hochzinsangeboten in elf Ländern Guthaben von rund fünf Milliarden Euro anhäufte.

Die deutsche Filiale teilte nur mit, dass der Zugriff auf die Online-Konten zurzeit nicht möglich sei, und dass man "schnellstmöglich" für weitere Informationen sorgen werde. Zuvor hatte es geheißen, dass alle Einlagen bis zu der in der EU geltenden Grenze von 20 887 Euro durch die isländische Einlagensicherung gedeckt seien. Als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums EWR unterliegt Island den gleichen Regeln wie die EU-Staaten. In Großbritannien und Finnland waren Kaupthing-Töchter von der Finanzaufsicht geschlossen worden, um die Bank daran zu hindern, Guthaben auszuführen. Den schwedischen Kunden teilte Kaupthing Edge mit, dass man die Konten abwickeln und alle Guthaben auszahlen werde. Dort hatte die Zentralbank Kaupthing noch am Vortag einen Kredit von rund 500 Millionen Euro gewährt, der zur Sicherung der schwedischen Einlagen zweckgebunden war.

Die Staatsübernahme Kaupthings sei notwendig gewesen, um einen Fortbestand zu sichern, teilte die Finanzaufsicht mit. Die Bank selbst habe um diesen Schritt gebeten. Auch ein Kredit von einer halben Milliarde Euro, den Kaupthing am Dienstag von der Zentralbank erhalten hatte, konnte die Bank nicht retten, die sich als Opfer einer Kettenreaktion sieht, da die Pleite der anderen Banken jegliches Vertrauen in Islands Finanzsektor zerstört habe.

Nun stehen die ausländischen Aktivitäten der isländischen Banken zum Verkauf, und in Island selbst soll aus den Ruinen ein neuer Finanzsektor von wesentlich bescheidenerer Dimension aufgebaut werden. "Es ist klar, dass unser Bankwesen im Vergleich zu unserer Nationalökonomie zu groß war", sagt Ministerpräsident Geir Haarde. Die Schulden der isländischen Großbanken sind rund achtmal so groß wie das Bruttosozialprodukt des Inselstaats.

Der Premier wollte am Donnerstag nicht ausschließen, dass man gezwungen sein werde, den Internationalen Währungsfonds um Beistand zu bitten. Eine IWF-Delegation hält sich in Island auf, doch man habe "noch nicht" über ein Hilfspaket gesprochen. Am Dienstag sollen in Moskau Verhandlungen über einen Kredit über vier Milliarden Euro durch die russische Zentralbank beginnen. Die Börse in Reykjavik setzte am Donnerstag allen Handel mit Wertpapieren bis Montag aus. Die Zentralbank musste nach nur einem Tag den Versuch aufgeben, durch einen Fixkurs den Verfall der Landeswährung zu stoppen.

Der britische Premierminister Gordon Brown hat die isländische Regierung im Zusammenhang mit dem Bankenkollaps scharf kritisiert. Ihr Verhalten sei "nicht hinnehmbar" sagte Brown in einem Interview der britischen BBC. Immer mehr britische Gemeinden fürchten um ihre Spareinlagen bei isländischen Banken. Inzwischen sind fast 100 Gemeinden in England, Schottland und Wales betroffen, die insgesamt etwa 720 Millionen Pfund investiert haben, heißt es in einem BBC-Bericht. Auch die Londoner Polizei Scotland Yard und etwa ein Dutzend lokaler Polizeibehörden bangen um ihr Geld. Ihre Investitionen summieren sich auf rund 100 Millionen Pfund. Die Londoner Verkehrsbetriebe hatten 40 Millionen investiert. Die britische Regierung sagte eine "angemessene Unterstützung" zu. (mit dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum