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Großbanken Keiner kann die Banken stoppen

Regulierungsmaßnahmen fruchten bislang nicht: Die großen Banken tricksen Politiker, Regulier und Steuerzahler aus und fahren fünf Jahre nach Beginn der Finanzkrise wieder Rekordgewinne ein. Offenbar kann sie keiner stoppen. Ein Überblick über die jüngsten Eskapaden.

18.01.2013 17:08
Von Grit Beecken
Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi soll Milliardenverluste verschleiert haben. Foto: imago stock&people

Regulierungsmaßnahmen fruchten bislang nicht: Die großen Banken tricksen Politiker, Regulier und Steuerzahler aus und fahren fünf Jahre nach Beginn der Finanzkrise wieder Rekordgewinne ein. Offenbar kann sie keiner stoppen. Ein Überblick über die jüngsten Eskapaden.

Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise verdeutlichen diverse Skandale, dass die großen Banken nach wie vor Mittel und Wege finden, Politiker, Regulierer und die Steuerzahler auszutricksen. Damit verdienen sie so prächtig wie selten zuvor. So fuhr Branchenprimus JP Morgan Chase im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn ein, auch Konkurrent Goldman Sachs baute seinen Überschuss deutlich aus. Gleichzeitig jagt ein Ärgernis das nächste, die meisten Vorfälle haben sich in den Investmentsparten der Häuser zugetragen.

Bislang scheinen die Regulierungsbemühungen nicht auszureichen, die Banken sicherer zu machen und riskante Geschäfte einzudämmen. Ein Überblick über die jüngsten Eskapaden:

Die Deutsche Bank soll dem italienischen Kreditinstitut Monte dei Paschi geholfen haben, Verluste aus schiefgegangenen Wetten zu verstecken. Unter dem Projektnamen Santorini haben die beiden Institute mit Hilfe komplexer Derivate anscheinend einen Schaden in Höhe von 400 Millionen Euro aus früheren gemeinsamen Geschäften verschleiert – und das kurz bevor Monte Paschi 1,9 Milliarden Euro Staatshilfe beantragte.

Wette auf sinkende Staatsanleihen

Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg und beruft sich dabei auf die Geschäftsdokumentation. Besonders pikant: Das Projekt Santorini beinhaltete demnach unter anderem die Wette auf einen Kursverfall italienischer Staatsanleihen. Bei der Deutschen Bank heißt es, die Transaktion habe einen strikten internen Prüfprozess durchlaufen.

Das Geschäft soll in den ehemaligen Verantwortungsbereich des jetzigen Co-Chefs Anshu Jain gefallen sein. Monte Paschi will sich zu der Angelegenheit nicht äußern. Bis heute hat die Bank insgesamt fast vier Milliarden Euro öffentliche Gelder erhalten.

Für JP Morgan könnte die fehlgeschlagene milliardenschwere Derivatewette des vergangenen Jahres tatsächlich ohne Konsequenzen bleiben. Die US-Behörden verlangen zwar Verbesserungen in den bankinternen Risikokontrollsystemen, verhängten aber keine Strafen. Somit muss das Institut bislang lediglich den Verlust in Höhe von rund sechs Milliarden Euro stemmen.

Branchenbeobachter sind verärgert über den glimpflichen Ausgang des Skandals. Und noch viel verärgerter darüber, dass die Milliardenwette mit Kreditausfallversicherungen in öffentlich zugängigen Statistiken frühzeitig sichtbar war. Nur schaut sich anscheinend kein Regulierer diese Daten über das Marktvolumen an. Und zockende Banken kommen mit einem blauen Auge davon. Allerdings muss sich Bankchef Jamie Dimon, der für 2011 satte 23,1?Millionen Dollar erhalten hat, für das abgelaufene Jahr mit 11,5 Millionen Dollar begnügen.

Inzwischen hat die Bank einen Untersuchungsbericht über die Fehlspekulationen vorgelegt. Das 132-seitige Dokument enthüllt, dass mitnichten nur ein einzelner Händler eigenmächtig große Positionen aufgehäuft hat. Der Mann hatte seine Vorgesetzten vielmehr frühzeitig, aber vergeblich auf die Risiken der Geschäfte hingewiesen und sie gedrängt, diese aufzulösen.

Goldman Sachs arbeitet laut Bankchef Lloyd Blankfein nur noch für seine Kunden. Das stimmt anscheinend aber nicht so ganz. Insidern zufolge umgeht Blankfein das Eigenhandelsverbot und lässt ein ganzes Team mit rund einer Milliarde Dollar für die eigene Tasche zocken.

Auch die strikteren Bonusregeln werden umgangen. Zwar dürfen die Zusatzzahlungen nicht mehr ausschließlich an den kurzfristigen Unternehmenserfolg gekoppelt werden, Goldman findet trotzdem Mittel und Wege, verdiente Mitarbeiter zufriedenzustellen. So hat das Institut in den USA Boni in Höhe von 65 Millionen Dollar an zehn Manager ins alte Jahr vorgezogen, um der Anhebung des Spitzensteuersatzes im Januar zuvorzukommen. Ähnliches wurde auch in London versucht.

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