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Griechenland und der Euro Griechenlands Schulden

Der neue griechische Premier Alexis Tsipras will die Schulden seines Landes neu verhandeln. Auch unabhängige Fachleute halten einen derartigen Schritt für unausweichlich. Doch geht es auch für die Euro-Partner um sehr viel Geld: Allein Deutschland hat in Athen mehr als 70 Milliarden Euro im Feuer.

26.01.2015 17:41
Für die Euro-Partner geht es um viel Geld. Foto: dpa

Verhandlungen gleichen häufig einem Mikado-Spiel: Wer sich zuerst bewegt, der hat verloren. Aus diesem Grunde dürften Griechenlands Euro-Partner jetzt erst einmal abwarten, mit welchen Forderungen sie der neue Premier Alexis Tsipras konfrontieren wird. Einen Ausstieg Athens aus der Eurozone will keiner der handelnden Akteure. Viele unabhängige Fachleute teilen aber Tsipras‘ Auffassung, dass die Schuldenlast Griechenlands dringend vermindert werden müsse.  Dafür gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:  Entweder erleichtert man den Griechen die Rückzahlung ihrer Schulden, indem man die Zinsen senkt, die Laufzeiten der Darlehen verlängert oder eine Kombination aus beidem vereinbart. Oder aber die internationalen Geldgeber verzichten gleich auf einen substanziellen Teil ihrer Forderungen. Das wäre dann ein Schuldenschnitt (englisch „Haircut“).

Stimmen die Partner einer der beiden Möglichkeiten zu, wird Griechenland dafür immer noch einen beträchtlichen politischen Preis zu zahlen haben. Das lehrt die Erfahrung. Der Preis dürfte darin bestehen, dass Athen sich auch weiterhin zu Reformen und Sparsamkeit verpflichten muss. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass die Schulden des Landes schon bald wieder außer Kontrolle geraten.  Entsprechende Zusagen Griechenlands wären auch wichtig für die Regierungen der anderen Euro-Staaten: Denn schließlich müssten diese ihre heimischen Wähler und Parlamente von der Sinnhaftigkeit des Vorgehens überzeugen.

Griechenland hatte schon vor der Eurokrise einen gigantischen Schuldenberg angehäuft. Im Zuge der beiden Rettungsprogramme seit 2010 ist er noch einmal größer geworden. Die Verbindlichkeiten betragen jetzt 322 Milliarden Euro, das entspricht mehr als 175 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung. Die größten Gläubiger sind aber längst nicht mehr die Banken. Sondern die Euro-Partner, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds (IWF). Bei ihnen steht Griechenland mit rund 260 Milliarden Euro in der Kreide, was etwa 80 Prozent der Gesamtschuld entspricht.

Unter den institutionellen Geldgebern spielt Deutschland als größter Euro-Staat eine herausragende Rolle. Die Bundesrepublik hat in Griechenland mehr als 70 Milliarden Euro im Feuer. Etwa zwei Drittel der Summe stammen aus den beiden Rettungspaketen für Athen. Darüber hinaus haftet Deutschland für einen erheblichen Teil jener griechischen Staatsanleihen, die bei der EZB lagern. Die griechische Notenbank hat ihrerseits Verbindlichkeiten bei den Notenbanken der anderen Euro-Staaten – und damit indirekt auch bei Deutschland.

Daraus folgt: Ginge Griechenland Pleite, müssten die Steuerzahler in Deutschland und anderswo gigantische Verluste schultern. Allein deshalb wird die Politik alles tun, um eine Zahlungsunfähigkeit des südeuropäischen Landes zu verhindern. Deutlich preiswerter, aber immer noch teuer, wäre ein Schuldenschnitt für Griechenland. Würde die Schuldenquote von derzeit mehr als 175 Prozent  auf dann 120 Prozent gesenkt, müsste Deutschland nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft auf 23 Milliarden Euro verzichten. Sänke die Quote sogar auf 90 Prozent, wären bis zu 40 Milliarden Euro weg.

Dabei handelt es sich wohl gemerkt um Geld des Steuerzahlers. Der private Finanzsektor hatte bereits 2012 einem Schuldenschnitt zugestimmt und auf mehr als die Hälfte seiner Forderungen verzichtet, was Griechenlands Schuldenlast damals auf einen Schlag um 100 Milliarden Euro senkte.

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