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Europas Banken Lagarde rät zu Verstaatlichung

Die IWF-Chefin zeigt große Eigenkapitallücken in der Finanzplanung Europäischer Banken auf - und hat auch eine Lösung parat.

23.09.2011 17:45
Demonstiert in ihrer neuen Rolle als IWF-Chefin Unabhängigkeit von Europa: Christine Lagarde. Foto: dpa

. Die reichen Staaten sind dabei, die Welt in die zweite ökonomische Katastrophe nach nur drei Jahren zu stürzen. Wenn die USA, Japan und vor allem Europa ihre Probleme nicht rasch entschlossen anpacken, kann es für die Volkswirtschaften rund um den Globus schlimmer kommen als 2008 nach der Lehman-Pleite. Mit diesem düsteren Ausblick und dem dringenden Aufruf zum Gegensteuern begannen Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank ihre Jahrestagungen in Washington. Noch führe ein Pfad aus der Krise heraus, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am Donnerstag. Dieser Pfad sei aber nach drei Jahren Krise „schmaler“ geworden.

Ausdrücklich ermahnte Lagarde die Europäer, die Kapitalbasis ihre Banken zu stärken. Dies sei ein „kritischer Punkt“ für eine wirtschaftliche Erholung. „Die Banken müssen in der Lage sein, Wachstum zu finanzieren“, betonte die frühere französische Finanzministerin. Diese Forderung, die Lagarde das erste Mal Anfang September erhoben hatte, birgt politischen Sprengstoff. Schließlich stehen die privaten Investoren derzeit nicht gerade Schlange, um ihr Geld den Finanzinstituten zur Verfügung zu stellen. Wenn die IWF-Chefin also mehr Kapital für die Banken verlangt, spricht sie sich für Verstaatlichungen aus.

Vor allem mit dieser mutigen Positionierung hat sie in ihrer neuen Rolle als IWF-Chefin ihre Unabhängigkeit von Europa erstaunlich schnell demonstriert – für viele alte Weggefährten zu schnell. Zwar hatte der Fonds schon in der Vergangenheit immer wieder seine Sorge über die Stabilität des europäischen Bankensystems bekundet. Aber dass Lagarde den wackligen Zustand der Geldhäuser so deutlich anprangerte und Verstaatlichungen ins Gespräch brachte, kam für ihre früheren Kollegen um den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble doch überraschend.

Dann nannte der IWF auch noch die Summe von 200 Milliarden Euro, die den europäischen Banken an Kapital fehle. Dies ging weit über Brüsseler Schätzungen hinaus. Die Berechnung immerhin nahm Lagarde zurück und erklärte kürzlich: „Die Zahl ist vorläufig“. In seinem jüngsten Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems beziffert der IWF nicht die Kapitallücke der Banken, sondern nur die Belastungen durch die Euro-Schuldenkrise. Dabei kommt er auf eine Summe von 300 Milliarden Euro.

Schwellenländer in Gefahr

Zwei Drittel davon stammten direkt von Verlusten bei den Anleihen von Schuldenstaaten. Der übrige Teil resultiere aus indirekten Folgen, den finanziellen Verbindungen der Institute untereinander. Über Zahlen lässt der Fonds also mit sich reden. In der Sache aber bleibt er hart.

Die großen Sorgen des IWF für die Weltwirtschaft teilt Weltbank-Chef Robert Zoellick. Noch halte er einen Rückfall in die zweite große Krise nach einer nur kurzen Erholung, die gefürchtete Douple-Dip-Recession, für unwahrscheinlich. „Doch mein Vertrauen darin schwindet jeden Tag angesichts der anhaltenden Flut an schlechten Nachricht“, betonte Zoellick. Deutlich warnte er davor, dass es diesmal auch die Hoffnungsträger er Weltwirtschaft, die Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien treffen könnte. Deren Lage habe sich deutlich verschlechtert.

Seit August seien auch für diese Staaten die Zinsen für ihre Anleihen gestiegen. Die Aktienkurse sackten ebenso ab wie in den reichen Nationen und die Kapitalflüsse nähmen stark ab. „Eine Krise, entstanden in der entwickelten Welt, könnte ein Krise für die Entwicklungsländer werden“, betonte der Weltbankchef. „Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Gefahrenzone“, so Zoellick. Die gemeinsame Botschaft von ihm und Lagarde lautete: Die Verflechtungen zwischen den Weltregionen haben deutlich zugenommen. Vor allem über die Finanzmärkte breitet sich eine Krise schnell über die ganze Erde aus. Daher stehen die Europäer in einer besonderen Verantwortung, die Euro-Krise in den Griff zu bekommen.

Einen solchen Appell an die Europäer richteten auch die Regierungen von acht Staaten, von Australien über Mexiko bis Indonesien, in einem offenen Brief, den sie an die G20 schickten.

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