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Euro-Krise "Große Inflation kommt 2013"

Vermögensverwalter Jens Ehrhardt über Geldanlagen in Krisenzeiten, das Positive an einer Inflation und die Einführung des Euro als Grundstein für die aktuelle Krise.

02.11.2011 17:05
Vermögensverwalter Jens Ehrhardt über Geldanlagen in Krisenzeiten, das Positive an einer Inflation und die Einführung des Euro als Grundstein für die aktuelle Krise. Foto: dpa

Sein Rat ist bares Geld. Jens Ehrhardt gilt als Deutschlands bedeutendster unabhängiger Vermögensverwalter. Der 69-Jährige betreut Kundengelder in Höhe von insgesamt rund zehn Milliarden Euro. Wer sein Geld von ihm verwalten lassen will, muss mindestens 500.000 Euro mitbringen. Wir sprachen mit ihm über Schulden, die Eurokrise und seine Prophezeiung einer großen Inflation.

Herr Ehrhardt, Sie leben seit vielen Jahren sehr gut davon, fremdes Vermögen zu mehren. Wie gehen im Moment die Geschäfte?

Ich bin zwar schon sehr lange im Geschäft. Doch so schwer wie heute war mein Job noch nie. Wir befinden uns in einer so fundamentalen Krise, dass auf die Rezepte der Vergangenheit kein Verlass mehr ist. Ehrlich gesagt, bin ich heute schon froh, wenn es mir gelingt, das Vermögen meiner Kunden zu bewahren und zu verhindern, dass ihnen nach Abzug der Inflation Verluste entstehen. Wer in dieser Zeit als Vermögensverwalter nicht umsichtig handelt, kann eine Menge Geld verlieren.

Wie konnte es so schlimm kommen?

Meines Erachtens hat schon die Einführung des Euro den Grundstein für die aktuelle Krise gelegt.

Der Euro ist also schuld?

Der Euro besitzt keinen Korrekturmechanismus für zu hohe Preise: Wenn ein Restaurant zu teuer ist, dann spürt es das sofort, weil die Gäste ausbleiben. Dann senkt es die Preise und die Gäste kommen wieder. Analog dazu konnten Länder wie Italien, Portugal oder Griechenland früher ihre Währung abwerten, wenn sie nicht mehr konkurrenzfähig waren. Das geht mit dem Euro nun nicht mehr. Entsprechend steigt die Arbeitslosigkeit in diesen Ländern rapide, besonders bei jungen Leuten. Zudem sind die Leitzinsen eurobedingt für diese Länder viel zu niedrig. Das hat dazu geführt, dass sie sich viel zu stark verschuldet haben.

Dafür hat Deutschland doch enorm vom Euro profitiert, dank des Euro sind wir Exportweltmeister geworden.

Dass Deutschland vom Euro profitiert hätte, ist ein Ammenmärchen. Die deutsche Binnenkonjunktur hat durch den Euro enorm gelitten. Ohne Euro hätte sie sich viel besser entwickeln können. Und eine funktionierende Binnenkonjunktur ist für eine Volkswirtschaft viel gesünder und besser, denn die lässt sich viel leichter steuern. Der Export dagegen ist stark von der nicht beeinflussbaren Weltkonjunktur abhängig. Wie gefährlich das ist, haben wir 2009 gesehen, als die Konjunktur in Deutschland aufgrund dieser Abhängigkeit viel stärker eingebrochen ist als in anderen Ländern.

Warum bremst der Euro denn die Binnenkonjunktur?

Weil er dazu geführt hat, dass der Realzins, also der Zinssatz abzüglich Inflation, in Deutschland immer viel höher war als in den anderen Ländern der Euro-Zone. Deutschland ist so für seine niedrigen Teuerungsraten faktisch regelrecht bestraft worden. Denn die Höhe des Realzinses ist ganz entscheidend für eine Volkswirtschaft. So ist bei uns zum Beispiel der deutsche Immobilienmarkt erst jetzt angesprungen, weil nun endlich auch hierzulande die Realzinsen niedrig sind. Insgesamt ist der Lebensstandard in Deutschland in den letzten zehn Jahren nicht gestiegen. Sogar die Iren haben uns überholt. All das ist eine Folge des Euro. Die durch ihn ausgelöste Schädigung der Binnenkonjunktur und damit des Lebensstandards wird übersehen.

Immerhin geht es uns Deutschen um Längen besser als den Griechen. Bringt der Schuldenschnitt von 50 Prozent für Griechenland den Befreiungsschlag?

Ich fürchte, das wird nicht ausreichen. Griechenland wird sich nur erholen, wenn die Schulden komplett gestrichen werden und wenn es die Euro-Zone verlässt.

Wenn die Griechen zur Drachme zurückkehren, wird für sie doch alles teurer, weil sie Importe weiter in Euro bezahlen müssen.

Es stimmt, für die Griechen wird das nochmal ein schwerer Schlag. Doch besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. In Argentinien hat es auch funktioniert. Die haben einen radikalen Schuldenschnitt bekommen und ihre Währung vom Dollar entkoppelt. Die ersten Jahre waren sehr hart, aber jetzt steht das Land wieder sehr gut da, mit sieben Prozent Wachstum.

Wird es beim Austritt Griechenlands bleiben? Oder müssen noch andere die Eurozone verlassen?

Ich denke, Portugal wird es am Ende auch erwischen. Die anderen können es nur schaffen, wenn sie ihre riesigen Probleme kompromisslos angehen. Die Schwierigkeiten Frankreichs zum Beispiel werden aktuell noch völlig unterschätzt. Dabei ist die Neuverschuldung Frankreichs doppelt so hoch wie die Italiens. Im Grunde ist Deutschland das einzige große, starke Land, das in der Eurozone noch übrig geblieben ist. Doch Deutschland alleine kann Europa nicht retten. Wenn wir so weitermachen wie bisher, geht am Ende auch Deutschland bonitätsmäßig unter. Deshalb sehe ich nur eine Lösung: Wir müssen uns entschließen, Geld zu drucken, in dem die Europäische Zentralbank massiv Anleihen kauft, auch wenn dies die Inflation anheizt.

Wie bitte?

Wenn wir nicht wollen, dass unser Euro-Währungssystem in seiner heutigen Form auseinanderbricht, müssen wir uns für diesen Weg entscheiden, so schmerzvoll er auch ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Was bleibt dem Anleger noch außer Gold?

Aber Inflation bedeutet Vernichtung von Erspartem. Wie können Sie das als Vermögensverwalter wollen?

Es geht nicht anders. Eine bessere Lösung wäre nur, dass die Staaten ihre Schulden konsequent zurückfahren. Doch das wird nie geschehen, weil Politiker, die solch harte Maßnahmen treffen, abgewählt werden, weil es nun einmal weh tut. Doch man kann sich ja als Anleger vor der Geldentwertung auch schützen, zum Beispiel indem man Gold kauft. Denn Gold lässt sich nicht beliebig vermehren.

Was bleibt dem Anleger noch außer Gold?

Eine Idee wären Anleihen aus asiatischen Ländern wie Singapur, Taiwan oder Hongkong, weil diese Länder sich in den nächsten Jahrzehnten deutlich besser entwickeln dürften als Europa und die USA. Auch gute Immobilien dürften an Wert zulegen. Besonders interessant ist Berlin, wo noch ein erheblicher Nachholbedarf besteht. Das haben auch schon viele reiche Griechen bemerkt, die ihr Geld aus der Heimat abziehen und den Berlinern jetzt die Wohnungen vor der Nase wegschnappen.

Was ist mit Aktien?

Auch Aktien dürften von einem inflationären Umfeld profitieren. Doch momentan wäre ich da noch vorsichtig. Erst wenn es mit dem Gelddrucken richtig losgeht, werden Aktien wieder deutlich steigen. Vorher dürfte es für Aktien noch recht holprig laufen.

Welches Ausmaß wird die Inflation haben, die durch das Gelddrucken, ausgelöst wird?

Unmittelbar droht hier keine allzu große Gefahr. Denn noch bremst die Globalisierung den Preisanstieg. Schauen Sie, die Chinesen bekommen für ihren Teil an der Fertigung eines iPhones gerade mal acht Dollar. Solange Länder wie China in der Lage sind, so billig zu produzieren, wird es keine nennenswerte Inflation geben. Auch die stärkere Regulierung der Banken wird die Inflation bremsen. Denn wenn sie mehr Eigenkapital vorhalten müssen, können sie auch weniger Kredite vergeben, die die Inflation anheizen. Und schließlich bremst die hohe private Verschuldung die Inflation: Insbesondere die Amerikaner stottern jetzt lieber ihre Kredite ab, als neue Anschaffungen zu tätigen.

Wann also kommt die große Inflation?

Ich schätze, es wird 2013 losgehen. Im nächsten Jahr dürfte die Konjunktur einbrechen und das wird die Zentralbanken zwingen, die Notenpresse anzuwerfen. Und dann wird irgendwann auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigen. Das wird der Startschuss für die große Inflation sein.

Was macht Sie so sicher, dass Politiker und Notenbanker den Mut haben werden, diese radikalen Lösungen durchzusetzen?

Es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Sonst werden die Geberländer, allen voran Deutschland, so viel zahlen müssen, dass sie ihrerseits im Schuldensumpf versacken. Und das wäre dann das endgültige Ende der europäischen Idee.

Das Gespräch führte Sebastian Wolff.

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