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schieflage Tegel rappelvoll – in Schönefeld wird es leerer

Der Flughafen Tegel ist bis ans Limit ausgelastet, im alten Schönefeld-Airport SXF dagegen wird es immer leerer. Nun stehen die Flughafenbetreiber wegen des Managements der Alt-Flughäfen in der Kritik.

Reisende warten am 08.01.2013 in Berlin am Flughafen Tegel auf den Check-in. Nach der erneuten Absage der Eröffnung des Großflughafens BER wird in Tegel der Betrieb auf unbestimmte Zeit fortgeführt. Foto: dpa

Der Flughafen Tegel ist bis ans Limit ausgelastet, im alten Schönefeld-Airport SXF dagegen wird es immer leerer. Nun stehen die Flughafenbetreiber wegen des Managements der Alt-Flughäfen in der Kritik.

Es ist eine höchst ungleiche Entwicklung: Tegel ist bis ans Limit ausgelastet, der Flughafen beförderte im letzten Jahr so viele Passagiere wie noch nie – im Jahr 2012 mit über 18 Millionen rund eine Million mehr als im Jahr zuvor. Ganz anders dagegen der alte Schönefeld-Airport SXF: 2012 benutzen den Flughafen im zweiten Jahr in Folge weniger Passagiere. Im Dezember reisten dort 7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. „Es wird immer leerer in Schönefeld“, sagt Holger Rößler, der für die Gewerkschaft Verdi im BER-Aufsichtsrat sitzt.

Zuletzt wanderte die Lufthansa-Tochter Germanwings nach Tegel ab. Die Billigfluglinie fliegt seit 28. Oktober nur noch aus Tegel. „Eine missliche Entwicklung“, sagte Burkhard Kieker. Der Geschäftsführer der Tourismusmarketinggesellschaft Visit Berlin arbeitete einst selbst als Vorstandsreferent bei der Lufthansa und war langjähriger Kommunikationschef der Flughafengesellschaft. Unhaltbar sei das Verhalten der Airlines, sagt auch Jörg Stroedter, stellvertretender Fraktionsvorsitzenden der SPD im Abgeordnetenhaus mit Wahlbezirk in Reinickendorf.

Flughafenbetreiber stehen in der Kritik

Dort wächst die Kritik an der Entwicklung auf den Alt-Flughäfen. Da die Flugpläne in Tegel voll ausgelastet sind, drängen die Flüge in die Randzeiten. „Die Anzahl der Flugbewegungen nach 23 Uhr ist inzwischen deutlich höher als zuvor“, sagt Stroedter. „Für die Bevölkerung ist das unzumutbar.“ Es könne nicht sein, dass der eine Flughafen platze, der andere aber halb leer sei.

Doch die Fluggesellschaften wollen davon nichts wissen. Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber sagte, ein Umzug nach Schönefeld sei ausgeschlossen. „Die Lufthansa ist für den Flughafen einfach zu groß.“ Eine Aufsplittung der Flotte sei ökonomisch nicht machbar. „Sonst müssen wir dieselbe Infrastruktur zweimal betreiben.“ Tegel werde durch den Germanwings-Umzug ohnehin nicht zusätzlich belastet. Die zusätzlichen Germanwings-Flüge würden ausgeglichen durch den Wegfall von Lufthansa-Verbindungen.

Neben der Lufthansa ist Air Berlin der Hauptnutzer des Tegler Flughafens. Der Flughafen dient der Airline als internationales Drehkreuz. Daran, sagte Air-Berlin-Sprecher Mathias Radowski, werde sich auch nichts ändern. Auch er schließt einen Umzug nach Schönefeld aus. „Unsere komplette Infrastruktur und Technik ist in Tegel. Es würden deutliche Mehrkosten entstehen, wenn wir diese auf zwei Flughäfen verteilen.“ Die Lufthansa fordert massive Investitionen in die Erneuerung von Tegel.

Visit-Berlin-Chef Kieker sagte, für die großen Flugallianzen sei ein Teilumzug in der Tat schwierig, da sie ihre Lounges und andere Einrichtungen bereits in Tegel hätten. Doch dies gelte nicht für andere Airlines. „Die Charterfluggesellschaften sollten nach Schönefeld umziehen.“ Zudem gebe es auch viele Linienflüge, die ohne Probleme auf den weniger stark frequentierten Flughafen ausweichen könnten. „Dafür muss die Flughafengesellschaft aber stärkere finanzielle Anreize setzen.“

Die Flughafenbetreiber stehen hinsichtlich des Managements der Alt-Flughäfen zunehmend in der Kritik. Die Flughafengesellschaft hätte beim Tegel-Zuzug längst gegensteuern müssen, sagt SPD-Fraktionsvize Stroedter. „BER-Chef Rainer Schwarz hat beim Management der Altflughäfen versagt.“ Die Flughafengesellschaft wollte sich zu dem Management der Alt-Flughäfen nicht äußern. Flughafen-Sprecher Jörg Wagner sagt nur: „Die Fluggesellschaften entscheiden eigenständig, von wo sie fliegen.“

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