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Flughafen-Weiterbetrieb Offenhaltung Tegels kostet 50 Millionen Euro

Er ist vertraut, kompakt und liegt quasi vor der Haustür. Nicht wenige Berliner wollen, dass der Flughafen Tegel in Betrieb bleibt und nicht geschlossen wird, wenn der BER öffnet. Doch nun zeigen offizielle Berechnungen: Ein Parallelbetrieb würde viel Geld kosten.

20.04.2013 17:34
Von Peter Neumann
Anflug auf Tegel. Der Brief der BFG (u.) zeigt: Der Weiterbetrieb wäre teuer. Foto: dpa

Er ist vertraut, kompakt und liegt quasi vor der Haustür. Nicht wenige Berliner wollen, dass der Flughafen Tegel in Betrieb bleibt und nicht geschlossen wird, wenn der BER öffnet. Doch nun zeigen offizielle Berechnungen: Ein Parallelbetrieb würde viel Geld kosten.

So schnell kann ein Unternehmen seine Meinung ändern. Unter ihrem neuen Chef Hartmut Mehdorn prüft die Flughafengesellschaft, ob der Flughafen Tegel länger betrieben werden könnte. Als Mehdorns Vorgänger noch am Ruder waren, fuhr sie den entgegengesetzten Kurs. Damals lehnte es das Unternehmen ab, Tegel und den Flughafen BER parallel zu betreiben?– und begründete dies einleuchtend.

Ein Parallelbetrieb, wie ihn Mehdorn heute erwägt, würde enorme Summen verschlingen: in sechs Monaten 50 Millionen Euro, errechnete die Controlling-Abteilung. Das geht aus einem Brief vom 18. Januar 2012 hervor, den Anwalt Norbert Wimmer der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Auftrag der Flughafengesellschaft BFG gesandt hat.

Er bestärkt all jene, die eine baldige Schließung Tegels fordern – nicht nur, weil der Flughafen 300.000 Menschen mit Lärm belastet, sondern auch, weil der Weiterbetrieb ökonomisch unsinnig wäre.

Nicht genug Feuerwehrleute

Der 20-seitige Brief lässt an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig. „Ein Parallelbetrieb beider Flughäfen ist weder nötig noch möglich; er würde vielmehr unverhältnismäßig große Kosten verursachen, denen keine entsprechend gewichtigen Vorteile der Allgemeinheit oder letzter verbleibender Nutzer für die Restlaufzeit mehr gegenüberstünden“, schrieb Anwalt Wimmer aus der Sozietät White & Case dem Senat. Gespräche mit Nutzern und Dienstleistern hätten gezeigt, dass ein Parallelbetrieb „aus Ressourcengründen objektiv unmöglich sei“.

Es würde mehr Personal benötigt, zusätzliche Geräte und Anlagen wären erforderlich. Weder die Deutsche Flugsicherung, noch die Bodenabfertigungsdienste und die Flughafenfeuerwehr könnten den zusätzlichen Aufwand erbringen. Qualifiziertes Personal für zwei Feuerwehren stünde nicht zur Verfügung, es könne auch nicht rekrutiert werden. Zudem wäre es „unverhältnismäßig teuer“, zusätzliche Geräte zu erwerben. Ein Parallelbetrieb wäre mit einem „unverhältnismäßigen wirtschaftlichen Aufwand verbunden“, bilanzierte Wimmer.

Wowereit als Zeuge geladen

Der Brief stammt aus einer Zeit, als noch geplant war, BER am 3.?Juni 2012 zu eröffnen und Tegel in der Nacht davor zu schließen. Mit ihm hatte die Flughafengesellschaft beantragt, dass am 3.?Juni um null Uhr die Betriebsgenehmigung für Tegel erlischt oder zumindest die Betriebspflicht endet?– damit sie nicht mehr für den Stadtflughafen zahlen muss. Doch der Senat lehnte dies ab, Tegel sollte notfalls als Reserve dienen. So behielt die bisherige Regelung bis heute ihre Gültigkeit: Erst sechs Monate nach Eröffnung des BER endet die TXL-Betriebsgenehmigung. Der Senat geht aber davon aus, dass diese Rückversicherung in der Praxis nicht gebraucht wird.

Am Freitag befasste sich der Untersuchungsausschuss BER mit der Anhörung, die 2001 Teil des Planfeststellungsverfahrens war. Deren Leiter Joachim Leyerle berichtete, dass das Infrastrukturministerium Druck auf ihn ausgeübt habe. Es habe eine „Gegenleistung“ für eine berufliche Verbesserung gefordert.

Für den 24. Mai wurde der Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als Zeuge geladen. „Das ist unser Sprintprogramm für die Aufklärung der Vorgänge am BER“, so Stefan Evers (CDU), der dies mit Ole Kreins (SPD) beantragt hatte.

Am 25. und 26. April befasst sich das Oberverwaltungsgericht mit dem Schallschutz am BER. Es gab dem Gesuch der Flughafengesellschaft statt, einen ehrenamtlichen Richter wegen Befangenheit abzulehnen. Der Mann hatte nicht erwähnt, dass er ein Positionspapier zum Thema unterzeichnet hatte.

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