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Commerzbank Griechenland Anleihen Commerzbank empfiehlt Schrottpapiere

Während die Commerzbank 2011 griechische Staatsanleihen abstößt, verkauft sie dieselben Anlagen an risikoscheue Privatkunden. Jetzt versucht die Bank, die Sache unter den Tisch zu kehren.

21.06.2012 18:25
Grit Beecken
Hat die Commerzbank eigene Anleihen gezielt verkauft? Foto: dapd

Während die Commerzbank 2011 griechische Staatsanleihen abstößt, verkauft sie dieselben Anlagen an risikoscheue Privatkunden. Jetzt versucht die Bank, die Sache unter den Tisch zu kehren.

Die Commerzbank hat mehreren Anwaltskanzleien zufolge auch 2011 noch griechische Staatsanleihen an risikoscheue Privatanleger verkauft. Gleichzeitig baute das Institut den eigenen Bestand an Hellas-Papieren ab.

„Wir prüfen, ob das den Tatbestand der Falschberatung erfüllt“, sagt der Hamburger Anlegerschutzanwalt Peter Hahn. Schließlich sei seit Oktober 2009 bekannt, dass das Land massive wirtschaftliche Probleme hat. 2011 war das Land auf internationale Kredite angewiesen, ein Schuldenschnitt galt Experten als notwendig. „Damit waren die Papiere für Privatanleger nicht mehr geeignet“, sagte Hahn.

Seinem Mandanten wurden im April 2011 griechische Papiere verkauft, die 2012 auslaufen. „Der Kunde wusste nicht, dass es zu einem Totalverlust kommen kann“, sagt Hahn, er sei falsch beraten worden. Der Fall wird noch nicht vor Gericht verhandelt, Hahn bereitet den Schriftverkehr mit der Commerzbank vor.

Protokoll beweist den Vorwurf

Die Bank selbst hatte den Ausverkauf ihrer eigenen Hellas-Anleihen zu diesem Zeitpunkt bereits gestartet. Das Engagement wurde im Jahresverlauf von 3,8 auf 1,1 Milliarden Euro reduziert. „Das ist ein widersprüchliches Verhalten“, so Hahn. Per Ende März hält das Institut nach dem Schuldenschnitt keine Griechenlandanleihen mehr.

Ebenfalls im April 2011 empfahlen Commerzbank-Berater einem anderen Kunden, Hellas-Papiere zu kaufen. Das geht aus einem Beratungsprotokoll hervor, das der FR vorliegt. „Wir haben diese Kaufempfehlung an ihren persönlichen Angaben ausgerichtet und uns insbesondere an Ihrer Risikobereitschaft orientiert“, steht in dem Schreiben.

Der Fall wird von einer Kieler Kanzlei vertreten. Die Bank hingegen betont: „In dem entsprechenden Beratungsgespräch fragte der Kunde von sich aus konkret nach ausländischen Staatsanleihen.“ Er sei „ein erfahrener Anleger“ und umfassend über die Risiken informiert worden.

Der Kunde sei sicherheitsorientiert gewesen, sagt hingegen der vertretende Rechtsanwalt Helge Petersen. Als Beleg legt er einen Depotvertrag vor, der aus Datenschutzgründen anonymisiert wurde. Dort steht, der Kunde sei „eher nicht bereit“, Risiken einzugehen um höhere Renditen zu erzielen. Zu dieser Risikoeinschätzung will sich die Commerzbank nicht äußern. „Wir können den Vertrag nicht zuordnen“, sagte ein Sprecher, wollte aber nicht ausschließen, dass es sich um den Depotvertrag des Kunden handelt.

Gegen den Verdacht, die Commerzbank hätte ihre eigenen Papiere an ihre Kunden verkauft, verwahrt sich das Institut: „Der Vorwurf ist haltlos.“ Es habe keine Anweisungen und Maßnahmen gegeben, eigene Anlagebestände gezielt an Kunden zu verkaufen.

Commerzbank vereinbart Stillschweigen

Wie viele Kunden betroffen sind, können Anwälte noch nicht absehen. Schließlich sprechen Anleger zunächst mit ihrer Bank und überlegen danach lange und sehr genau, ob sie klagen. Die meisten warten erst auf Klagen anderer Betroffener. Anwälte berichten, dass nach ersten Erfolgen viele Betroffene nachziehen.

„Unsere Ombudsleute haben eine Handvoll Fälle vorliegen“, heißt es beim Deutschen Bankenverband. Vor zwei Wochen lag noch kein Fall vor. Gegen welche Häuser sich die Beschwerden richten, verrät der Verband nicht. Anwalt Petersen spricht von 20 Mandanten. Gegen die Commerzbank waren in den vergangenen Monaten etliche Verfahren wegen Falschberatung bei offenen Immobilienfonds anhängig.

Dabei vermeiden die Anwälte des Instituts oft richterliche Urteile, einigen sich außergerichtlich mit den Klägern und lassen sie Stillschweigensvereinbarungen unterzeichen. Schließlich hätte ein Richterspruch Signalwirkung. Oft ging es um den offenen Immobilienfonds Morgan Stanley P2 Value.

2008 vertrieben Commerzbank-Berater den Fonds als sichere und liquide Anlage. Marktbeobachter warnten vor Problemen: Der Fonds hatte seine Immobilien mitten in der Blase gekauft und sich übernommen.

Ende Oktober 2008 setzte das Management die Rückgabe der Anteilsscheine aus, Anleger kamen nicht mehr an ihr Geld und mussten zusehen, wie der Fonds schrittweise an Wert verlor. „Das Risiko der Aussetzung der Anteilsscheinrücknahme und die Möglichkeit der Abwertung sind vielen Commerzbank-Kunden nicht verdeutlicht worden“, sagt Hahn.

Eine Mandantin verkaufte ihre Anteile mit Verlust an der Börse und klagte auf Schadenersatz. Ein Anwalt der Bank versuchte in der Verhandlung vor dem Landgericht Berlin im August 2010 zunächst, die Öffentlichkeit von dem Verfahren auszuschließen. Als der Richter ablehnte, bot er einen außergerichtlichen Vergleich an und forderte: eine Stillschweigensvereinbarung.

Lesen Sie zu dem Thema auch den Kommentarunseres Autors Sebastian Wolff.

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