Lade Inhalte...

Dividenden Zahltag für Anleger

Unternehmen zahlen hohe Dividenden. Ein Grund für diesen Geldsegen könnte ein beunruhigender Fakt sein: Viele Unternehmen haben sehr viel Geld verdient – und wissen nicht wohin damit.

Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (Mitte), seine Frau Ursula und Cousin Wolfgang Porsche (rechts) können sich über eine hohe Dividende freuen. Foto: rtr

Aktionär müsste man sein, am besten Großaktionär: Die Familien Porsche und Piëch haben für das vergangene Jahr Dividenden über 335 Millionen Euro kassiert. Das hat das Magazin „Wirtschaftswoche“ errechnet. Die 50 größten Anteilseigner in Deutschland kommen zusammen auf Einkünfte in Höhe von 4,7 Milliarden Euro.

Insgesamt haben deutsche Unternehmen für das abgelaufene Jahr etwa 35 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausgeschüttet, in Europa und den Vereinigten Staaten waren es jeweils etwa 250 Milliarden und weltweit fast 800 Milliarden. Ein Grund für diesen Geldsegen könnte ein beunruhigender Fakt sein: Viele Unternehmen haben sehr viel Geld verdient – und wissen nicht wohin damit.

Allein die Konzerne aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) haben 2013 laut Unternehmensberatung Ernst & Young ihren Bestand an flüssigen Mitteln um ein Fünftel auf 82 Milliarden Euro erhöht. Alle amerikanischen Unternehmen verfügen nach Berechnung der französischen Bank Natixis über liquide Mittel von 1,8 Billionen Dollar, die sie hauptsächlich als Bargeld halten oder in Geldmarkt- und anderen Fonds angelegt haben. Und das trotz ultra-niedriger Zinsen.

Die japanischen Unternehmen haben einen Betrag in der Kasse, der inzwischen der Hälfte des japanischen Bruttoinlandsprodukts entspricht – sie sind nicht flüssig, sie sind überflüssig. Das beunruhigt mittlerweile auch den Internationalen Währungsfonds, der mit Blick auf die Geld-Reserven von einem „suboptimalen Gleichgewicht“ spricht.

Warum geben die Unternehmen das viele Geld nicht einfach aus? Eine Antwort wäre: Weil die Firmenchefs vorsichtig sind. Und eine andere, naheliegendere: Sie sehen keine lukrativen Investitionsgelegenheiten. Kein Wunder: „Die weltweite konjunkturelle Erholung ist enttäuschend ausgefallen“, stellt der Vize-Chef der US-Notenbank Stanley Fischer fest.

Was können die Manager nun mit dem Geld anfangen? Zum einen können sie darauf sitzen bleiben, was schlecht für die Wirtschaft wäre, da die Milliarden nicht das Wachstum anfeuern, sondern bloß gespart werden. Zinsen, die durch die Anlage der Gelder erwirtschaftet werden, landen wiederum oben auf dem Geldberg, statt dass sie investiert werden.

Zweitens könnten die Manager das Geld in neue Produktionsanlagen investieren, was der Konjunktur helfen würde. Doch eine starke Investitionskonjunktur ist außer in den Vereinigten Staaten nirgends zu sehen, schon gar nicht in der Euro-Zone. Die Unternehmen scheinen abzuwarten, bis die Zeiten wieder besser werden. Denn in vielen Ländern und Märkten fehlt schlicht die Nachfrage, die zum Beispiel den Ausbau der Produktionskapazitäten rechtfertigen würde.

Drittens könnten die Unternehmen die Löhne erhöhen, was über einen höheren privaten Konsum die Konjunktur stützen würde. Japans Premier Shinzo Abe hat die heimischen Unternehmer sogar explizit zu einem solchen Schritt aufgefordert. Doch auch hier zeichnet sich derzeit keine Wende ab, fast in allen Industrieländern stagnieren die realen Löhne oder legen nur leicht zu. Die Gewerkschaften sind nur in seltenen Fällen in einer starken Verhandlungsposition.

Das Geld fließt daher vermehrt an die Finanzmärkte: Einige Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück, um ihre Aktienkurse zu stabilisieren. Andere erhöhen die Dividendenausschüttungen an die Aktionäre. Und wieder andere stecken das Geld in die Übernahme von Konkurrenten. Diese drei Varianten – Aktienrückkauf, Dividendenerhöhung, Übernahmen – helfen allerdings nur den Anlegern an den Finanzmärkten, nicht der Konjunktur.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen