Lade Inhalte...

Digitale Patientenakte Eine App für alle Befunde

Mehr als 90 gesetzliche Krankenkassen und vier Privatversicherungen haben eine gemeinsame Lösung für 25 Millionen Versicherte erarbeitet.

Röntgenbild
Röntgenaufnahmen, Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, Medikationspläne, Notfalldaten oder Impfungen können Versicherte in der App „Vivy speichern. Foto: Imago

Faxgeräte sind für die Generation Smartphone Relikte der Vergangenheit, die nur noch im Museum zu bestaunen sind - oder in Arztpraxen. Jahrelang war die Digitalisierung ein Fremdwort im deutschen Gesundheitswesen, weshalb Patienten noch immer mit dicken Ordnern voller (gefaxter) Befunde bei ihren Ärzten anrücken müssen, um gut versorgt zu werden. Doch diese Zeiten gehen zu Ende: Unter den Versicherungen ist ein regelrechter Wettbewerb um die beste elektronische Gesundheitsakte ausgebrochen. Am Dienstag präsentierten mehr als 90 gesetzliche Krankenkassen und vier Privatversicherungen ihre gemeinsame Lösung für 25 Millionen Versicherte.

Zentrales Element der vorgestellten elektronischen Gesundheitsakte ist eine App namens Vivy, die vom gleichnamigen Berliner IT-Unternehmen entwickelt wurde. Versicherte können über diese App Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, Medikationspläne, Notfalldaten oder Impfungen speichern. Die Daten werden verschlüsselt auf einem zentralen Server in Deutschland abgelegt. Zugriff hat nur der Versicherte per PIN-Eingabe, die elektronische Gesundheitskarte ist nicht nötig. Das hohe Maß an Verschlüsselung hat allerdings zur Folge, dass die gesammelten Daten weg sind, wenn der Schlüssel verloren wurde. Einen Ersatzschlüssel gibt es nicht.

Allein der Versicherte bestimmt bei dieser Gesundheitsakte, welche Informationen abgespeichert werden. Um die App zu füllen, kann er beispielsweise seinen Arzt oder eine Klinik bitten, Befunde per Mail oder Fax an das Vivy-System zu schicken. Später ist geplant, dass Informationen auch direkt aus der Praxissoftware überspielt werden können. Umgekehrt ist der Versicherte in der Lage, einem Arzt den Zugriff auf abgespeicherte Informationen zu erlauben. Dafür bekommt der Mediziner einen gesicherten Link zugeschickt, unter dem er das Dokument dann herunterladen kann.

In die App integriert ist ein Gesundheitsassistent, wie Firmenchef Christian Rebernik erläuterte. Die App erinnert an die Medikamenteneinnahme oder an Arzt- und Impftermine, warnt vor Wechselwirkungen bei Arzneimitteln oder gibt Hinweise zur gesunden Lebensführung. Dazu können auch Daten von Fitness-Trackern eingespielt werden.

„Erstmals wird das Ziel eines mündigen Patienten erreicht, der im Mittelpunkt der medizinischen Versorgung steht und Herr über seine Daten ist“, sagte der Chef der gesetzlichen Krankenkasse DAK, Andreas Storm. Die beteiligten Kassen und Versicherungen, neben der DAK auch diverse Betriebs- und Innungskrankenkassen sowie die private Allianz und die Barmenia, wollen die App ihren Mitgliedern schrittweise ab Sommer anbieten. Für die Versicherten ist die Nutzung der Akte kostenfrei.

Daniel Bahr trieb das Projekt voran

Hinter Vivy steht der Allianz-Versicherungskonzern, der zu 70 Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist. Vorangetrieben hat das Projekt der frühere FDP-Gesundheitsminister und heutige Allianz-Vorstand Daniel Bahr. Die 90 gesetzlichen Kassen sind dabei, weil Vivy die Ausschreibung ihres gemeinsamen IT-Dienstleisters gewonnen hatte. Die Beteiligten wollen die Kooperation aber nicht als Vorstufe einer Bürgerversicherung verstanden wissen. DAK-Chef Storm sagte, es sei unter anderem für die Ärzte einfacher, wenn für alle Patienten eine einheitliche Plattform genutzt werden könne. Bahr verwies darauf, dass viele gesetzlich Krankenversicherte Zusatzversicherungen bei privaten Unternehmen hätten. Daher sei eine App sinnvoll, die für alle Versicherungen genutzt werden könne.

Auch die Techniker Krankenkasse, mit zehn Millionen Versicherten die größte deutsche Kasse, und die AOK haben Gesundheitsakten entwickelt, der derzeit noch getestet werden. Die Techniker-Anwendung ähnelt der Vivy-App, der Funktionsumfang ist allerdings kleiner. Die AOK-Lösung gilt in der Branche als problematisch, weil sie auf eine zentrale Speicherung der Daten verzichtet und damit ein Zugriff nicht immer gewährleistet ist. Interessant wird sein, für welches System sich die Barmer als zweitgrößte gesetzliche Kasse entscheiden wird.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen