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Dieselgate Vertuschen bei VW mit System

„Alles kommt auf den Tisch“, hatte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch 2015 versprochen. Nun zeigen brisante Berichte zur Dieselaffäre, dass VW die Aufarbeitung nicht ganz so ernst nahm.

Volkswagen
Gehört das „unter den Teppich kehren“ in Wirklichkeit zur Strategie des Konzerns? Foto: dpa

Der Beteuerungen gab es viele. Die „Dieselthematik“  werde vorhaltlos aufgeklärt, war immer wieder von Volkswagen-Führungskräften zu hören. „Alles kommt auf den Tisch, nichts wird unter den Tisch gekehrt“, so formulierte es im Herbst 2015 der frisch gekürte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Die Zweifel an diesen Aussagen wachsen, seit Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft sitzt. Zu den Verdächtigen bei Audi zählt auch Bernd Martens.

Er hat eigentlich den Posten des Einkaufschefs. Er wurde aber von Stadler zum Leiter der sogenannten „Diesel-Taskforce“ ernannt. Die hat offiziell die Aufgabe der Manipulationen und Betrügereien bei der Motorsteuerung der Ingolstädter aufzuarbeiten. Doch nun sieht es ganz danach aus, als habe er noch eine andere Funktion gehabt: Hinzu kam wohl auch noch der Auftrag, für die Vertuschung des Aufgearbeiteten zu sorgen. Schließlich wurden kürzlich die Wohnungen von  Martens und Stadler wegen „Verdunkelungsgefahr“ durchsucht.

Manipulationen bei großen Audi-Motoren

Gehört das „unter den Teppich kehren“ in Wirklichkeit  zur Strategie des Konzerns?  Erste  Indizien waren schon vor gut zwei Jahren erkennbar. Um die US-Justiz wohlwollend zu stimmen, arbeiteten Anwälte der US-Kanzlei Jones Day Millionen von Dokumente durch.  Ein erster Zwischenbericht sollte im April 2016 der Öffentlichkeit präsentiert werden, Volkswagen sagte das ab und vertröstete auf den Endbericht, der Anfang 2017 vorlag. Doch auch dieser Report wurde nicht veröffentlicht.  Er war aber die Grundlage für ein Schuldeingeständnis von Volkswagen. Experten gehen davon aus, dass der Report präzise und hochgradig brisante  Schilderung der Machenschaften im Konzern ist - mit vielen Details, die bislang der Öffentlichkeit vorenthalten wurden.  Aber umfängliche Unterlagen wurden an die deutschen Ermittler weitergegeben.

Dabei ging es ganz bestimmt auch um Manipulationen bei großen Audi-Motoren.  Erst kürzlich wurden auf Anweisung des Kraftfahrtbundesamtes  Diesel-Fahrzeuge der Modelle A6 und A7  mit  Sechs-Zylinder-Motoren wegen illegaler Abschaltvorrichtungen in die Werkstätten gerufen werden. Die hiesigen Ermittler könnten aufgrund der Unterlagen aus den USA herausgefunden haben, dass Stadler schon lange von dieser Betrugssoftware wusste, er aber den Verkauf der Autos nicht gestoppt hat.

Larry Thompson jedenfalls, der die Umsetzung von Auflagen der US-Justiz bei Volkswagen überwacht, hat kürzlich mangelnde die Ernsthaftigkeit bei der Aufarbeitung des Betrugs  und das Ausbleiben personeller Konsequenzen kritisiert. Womöglich meinte er damit auch Stadler.    

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