Lade Inhalte...

Diesel-Motorsteuerung Daimler muss 238.000 Autos zurückrufen

1. UpdateIm Abgasskandal lädt Bundesverkehrminister Scheuer erneut Daimler-Chef Zetsche vor. 774.000 Daimler-Autos in Europa werden wegen einer fragwürdigen Motorsteuerung zurückgerufen, davon 238.000 in Deutschland.

Dieter Zetsche im Bundesministerium für Verkehr
Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, vor dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Berlin. Foto: dpa

Jetzt wird es richtig ungemütlich für die Manager der deutschen Autobauer. Vor allem für Daimler-Chef Dieter Zetsche. Das Verkehrsministerium zwingt ihn, 774.000 Fahrzeuge in Europa zurückzurufen, um eine umstrittene Motorsteuerung umzuprogrammieren. Zugleich ließ die Staatsanwaltschaft München die Privatwohnung von Audi-Chef Rupert Stadler wegen Betrugsverdachts durchsuchen. Und Industrie-Präsident Dieter Kempf fordert, dass die Manager endlich Verantwortung übernehmen.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte Zetsche am Montag zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen nach Berlin zitiert. Nach offenbar schwierigen Verhandlungen einigten sich der CSU-Politiker und der Manager, allein in Deutschland 238.000 Fahrzeuge in die Werkstätten zu rufen. Neben dem Transporter Vito handelt es sich um Dieselmodelle der C-Klasse und des Pseudo-Geländewagens GLC. Scheuer sagte in einer Videobotschaft, die Regierung werde den amtlichen Rückruf  "unverzüglich“ anordnen. Die Experten des Kraftfahrtbundesamtes  (KBA) sind davon überzeugt, dass Mercedes eine Motorsteuerung bei den Fahrzeugen einsetzt, die illegal ist.  Mit der Update-Aktion entgeht der Konzern einer drohenden Ordnungsstrafe von 5000 Euro pro Fahrzeug.

Diesel-Motorsteuerungen bewegen sich in einer Grauzone

Branchenkenner gehen davon aus, dass sich beide Seiten auf einen Deal geeinigt haben, dass aber noch erheblich mehr Autos mit der fragwürdigen Motorsteuerung unterwegs sein könnten: Von rund eine Million Fahrzeugen ist die Rede. Zetsche will denn auch zwar der ministeriellen Anordnung nachkommen, sie aber nicht akzeptieren und dagegen vielleicht sogar vor Gericht ziehen will. Nach Angaben des Konzerns sind die betroffenen Fahrzeuge bis auf wenige Ausnahmen ein Teil der drei Millionen Autos, für die das Stuttgarter Unternehmen schon vor geraumer Zeit einen freiwilligen Rückruf zwecks Software-Update für die Motorsteuerung vorgesehen, aber noch nicht umgesetzt hat.

Juristisch bewegen sich die Daimlers Diesel-Motorsteuerungen in einer Grauzone. Der Konzern hat immer wieder argumentiert, dass es zulässig sei, die Abgasreinigung zum Schutz des Motors etwa beim Unterschreiten bestimmter Außentemperaturen  auszuschalten. Umweltschützer und Wissenschaftler widersprechen. Medienberichten zufolge soll ein Daimler-Anwalt dem Verkehrsministerium gegenüber  zuvor erklärt haben, wenn die Praxis von Mercedes für illegal erklärt werde, dann werde dies die gesamte deutsche Autobranche in Gefahr bringen. Durch das Abschalten Abgasreinigung steigt die Menge der giftigen Stickoxide, die die Fahrzeuge durch den Auspuff blasen um ein Vielfaches.

Das KBA hat auch schon Ende Mai einen Rückruf für den Vito erlassen. Insidern zufolge sollen die Bordcomputer hierbei mit fünf verschiedenen Abschaltfunktionen arbeiten. Beim Vito handelt es sich um knapp 1400 Fahrzeuge in Deutschland. Diese haben Motoren, die der aktuellen Abgasnorm Euro 6c entsprechen, bei der Abgaswerte nur auf dem Prüfstand gemessen wird.  

Umweltschützer machen sich derweil für ein hartes Durchgreifen der Bundesregierung stark. „Ebenso schlimm wie eine fehlende Hardware-Nachrüstung für Fahrzeuge im Bestand ist, dass die Autobauer noch immer im großen Stil Diesel-Neuwagen verkaufen, die auf der Straße viel zu viel Stickoxid ausstoßen und damit die Gesundheit von Millionen Menschen schädigen“, sagte Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte des BUND, dieser Zeitung. Dagegen müsse endlich konsequent vorgegangen werden. Sein Vorschlag: Das Kraftfahrtbundesamt soll einen Verkaufsstopp für Fahrzeuge erlassen, die nicht auch im Realbetrieb die gesetzlichen Abgasvorschriften einhalten. Das würde de facto auf ein Vorziehen der Abgasnorm „Euro-6d-temp“ hinauslaufen, die eigentlich erst vom 1. September 2019 für alle erstmals zugelassenen Neuwagen gelten soll. Beim neuen Standard wird für die Ermittlung der Luftschadstoffwerte erstmals das deutlich realistischere RDE-Verfahren angewendet, bei dem Werte im normalen Straßenverkehr gemessen werden - zunächst sind 168 Mikrogramm Stickoxid (NOX) pro Kilometer erlaubt. Dieser Wert soll nach derzeitigen Planungen der EU 2021 auf 120 Mikrogramm reduziert werden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen