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Diesel-Affäre Neuwagen so billig wie nie

In diesem Jahr werden wohl so viele Autos verkauft wie zuletzt nur zu Zeiten der Abwrackprämie. Das liegt auch an einem Preiskampf, den Volkswagen angezettelt hat.

Potthoff Hamm
Gut gefüllt: Parkflächen des Autohauses Potthoff Hamm. Foto: Imago

Das klang nicht gerade euphorisch. Es gebe eine spürbare Verunsicherung auf dem deutschen Automarkt, sagte Matthias Wissmann, der scheidende Präsident der Autolobby VDA, auf seiner letzten Jahrespressekonferenz. Dabei hatte er erfreuliche Zahlen zu vermelden. Dieses Jahr werden vermutlich knapp 3,5 Millionen neue Pkw hierzulande verkauft. Das sind nicht nur drei Prozent mehr als im Vorjahr, das ist auch der höchste Wert seit dem Ausnahmejahr 2009, als die Abwrackprämie für ein Strohfeuer auf dem Automarkt sorgte.

Und heute? Die Verunsicherung wird nach den Worten Wissmanns durch die drohenden Fahrverbote erzeugt – ein Grundsatzurteil wird Ende Februar vom Bundesverwaltungsgericht erwartet. Es geht darum, wie die Belastung mit dem giftigen Stickoxid, das vor allem aus Diesel-Auspuffen kommt, reduziert werden kann. Die Grenzwerte werden in allen Ballungsgebieten und auch in vielen mittelgroßen Städten deutlich überschritten.

Die andere Seite der Medaille: Alle Autobauer bieten Umstiegsprämien an. Wer einen alten Diesel verschrottet oder in Zahlung gibt, erhält massive Rabatte beim Kauf eines Neuwagens. Die Kaufanreize haben wie ein Turbo gewirkt, der die Nachfrage zusätzlich verstärkt. Hinzu kommen als begünstigende Faktoren noch die gute Konjunktur, eine hohe Beschäftigung und preiswerte Finanzierungen.

Wegen der drohenden Fahrverbote werden immer weniger Selbstzünder und immer mehr Benziner verkauft. Im November ist nach Berechnungen der Unternehmensberatung EY der Anteil der Diesel bei den Neuzulassungen dramatisch eingebrochen, um fast elf Prozentpunkte auf nur noch 34 Prozent.

Das hat es seit 2009 nicht mehr gegeben. Gleichzeitig wurden 28 Prozent mehr Benziner als im Vorjahresmonat verkauft. Überproportional profitieren davon die Importmarken. Auch hier ist das Echo des Dieselgate zu spüren, steht doch die noch immer unangefochtene Nummer-eins-Marke VW im Zentrum des Skandals um manipulierte Abgaswerte, wodurch viel Renommee und Vertrauen zerstört wurde.

Um Absatzeinbußen in Grenzen zu halten, hat sich der Volkswagen-Konzern als Marktführer an die Spitze der Preisbrecher gesetzt und einen Kampf um Kundschaft angezettelt, der seines Gleichen sucht. Zu einem Basisnachlass von im Schnitt fast 20 Prozent kommen die Umweltprämien, die an den Eintausch eines Diesels geknüpft sind. Das könne dann bei Internetvermittlern zu einem Kundenvorteil von bis zu 43 Prozent führen – etwa beim Passat Variant. Der Käufer muss gut 12 000 Euro weniger als der Listenpreis zahlen.

Solche Aktionen ziehen den gesamten Markt nach unten. Deshalb gewährt Ford etwa beim Focus Abschläge bis zu 45 Prozent, bei Hyundai sind es in der Spitze knapp  40 Prozent und bei Opel kann der Kunde mit Nachlässen von gut einem Drittel rechnen.

Die Dieselprämien hätten sich „nicht mehr beherrschbar“ verselbstständigt, sagt CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer. Jeder wolle mit noch höheren Rabatten die anderen übertreffen. Für die Kunden sind Neuwagen so billig wie nie. Für Autobauer und Händler ist das alles aber eine zweischneidige Angelegenheit.

Zwar wird der Absatz in die Höhe getrieben. Doch Insider gehen davon aus, dass bei einer Fast-Halbierung des Preises kaum noch jemand etwas an einem verkauften Wagen verdienen kann.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Abgasskandale

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